Jerusalem, 27. Jan (Reuters) - Israel hat nach Angaben eines Militärberaters im Süden des Gazastreifens ein Gelände für ein neues Lager zur Aufnahme von Palästinensern vorbereitet.

Das Areal bei Rafah könnte an dem Zugang mit Überwachungstechnik und Gesichtserkennungssoftware ausgestattet werden, sagte der ehemalige Brigadegeneral Amir Avivi am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Anlage dürfte für die Versorgung hunderttausender Menschen ausgelegt sein. Avivi ist Gründer des einflussreichen Israel Defense and Security Forum und berät die Armee, spricht aber nach eigenen Angaben nicht offiziell im Namen der Streitkräfte.

Das Lager solle in einem Gebiet entstehen, in dem die Armee zuvor Tunnel der radikal-islamischen Hamas zerstört habe, erklärte Avivi weiter. Ein- und Ausgänge würden von israelischem Personal kontrolliert. "Man muss in Rafah eine Infrastruktur aufbauen, die sie versorgen kann. Dann können sie entscheiden, ob sie gehen wollen oder nicht", sagte Avivi mit Blick auf Palästinenser, die entweder im Gazastreifen bleiben oder nach Ägypten ausreisen wollten. Es werde sich voraussichtlich um ein großes, geordnetes Lager handeln.

Ismail Al-Thawabta, Leiter des von der Hamas geführten Medienbüros der Regierung im Gazastreifen, teilte der Nachrichtenagentur Reuters in einer Stellungnahme mit, die Idee sei ein Deckmantel für eine Vertreibung der Palästinenser aus dem Gazastreifen.

Gegenwärtig bereitet sich Israel auf eine begrenzte Wiedereröffnung des Grenzübergangs Rafah nach Ägypten vor. Dies ist eine Kernforderung im Friedensplan von US-Präsident Donald Trump. Insidern zufolge will die israelische Regierung sicherstellen, dass mehr Palästinenser den Küstenstreifen verlassen, als dort hineingelassen werden. Das israelische Militär lehnte eine Stellungnahme ab, auch das Büro des Ministerpräsidenten äußerte sich zunächst nicht zu den Plänen. Verteidigungsminister Israel Katz hatte im Juli erklärt, er habe die Armee angewiesen, ein Lager in Rafah vorzubereiten.

(Bericht von Pesha Magid; Bearbeitet von Scot W. Stevenson; Redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)