Auch auf der anderen Seite des Atlantiks herrscht Trübsinn: An der Wall Street rutschte der Nasdaq um 1,55% ab, was den zunehmenden Druck auf Tech-Werte und anhaltende Sorgen rund um künstliche Intelligenz widerspiegelt. Der technologielastige Index fiel dabei sogar auf den tiefsten Stand seit über zwei Monaten, insbesondere belastet durch den deutlichen Rückgang von Qualcomm (-7% gegen 17:45 Uhr). Trotz besser als erwarteter Quartalsergebnisse wird der Chiphersteller aufgrund gesenkter Prognosen abgestraft.

Die Sitzung am Donnerstag stand ganz im Zeichen der Zentralbanken, die sich – wie die Fed in der Vorwoche – für einen Stillstand entschieden. Die EZB beließ erwartungsgemäß ihren Leitzins zum fünften Mal in Folge unverändert bei 2%.

"Dem Basisszenario zufolge dürften die Leitzinsen das gesamte Jahr 2026 über unverändert bleiben. Angesichts der zunehmenden externen Risiken besteht für dieses Jahr jedoch eine Tendenz zu einer möglichen Lockerung. Die Entwicklung der Geldpolitik hängt nun davon ab, wie das Wechselspiel zwischen der Widerstandsfähigkeit der Binnendynamik und der wachsenden Fragilität der äußeren Bedingungen verläuft", analysieren Valentin Bissat, Chefökonom & Senior Stratege, sowie Marie Thibout, Ökonomin und Senior Stratege bei Mirabaud.

Zuvor hatte bereits die Bank of England ihre Zinsen bei 3,75% belassen, nach einer knappen Abstimmung mit 5 zu 4 Stimmen. "Im Basisszenario von Amundi sollte die Inflation zwischen dem zweiten und dritten Quartal deutlich zurückgehen, was zumindest bis März für einen geldpolitischen Stillstand spricht – vor dem Hintergrund großer Uneinigkeit im geldpolitischen Ausschuss", betont Alessia Berardi, Leiterin der globalen Makroökonomie beim Amundi Investment Institute.

Makroökonomisch zeigte der JOLTS-Bericht des US-Arbeitsministeriums für Dezember 6,542 Millionen offene Stellen – der Konsens hatte 7,2 Millionen erwartet. Im Vormonat waren es noch 6,928 Millionen offene Stellen.

Darüber hinaus lagen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe mit 231.000 über den Erwartungen (212.000) und dem Wert der Vorwoche (209.000).

Die Veröffentlichung des monatlichen US-Arbeitsmarktberichts, ursprünglich für Freitag geplant, wurde aufgrund des teilweisen Regierungsstillstands auf den 11. Februar verschoben.

In Europa gingen die Einzelhandelsumsätze in der Eurozone im Dezember gegenüber dem Vormonat um 0,5% zurück, während Analysten nur mit einem Rückgang von 0,2% gerechnet hatten. Im November war noch ein Anstieg von 0,1% (zuvor +0,2%) verzeichnet worden.

In Deutschland stiegen die Industrieaufträge im Dezember unerwartet deutlich. Nach einem Sprung von 5,7% im November (revidiert von ursprünglich 5,6%) legten sie laut Destatis im Vergleich zum Vormonat um 7,8% zu.

BNP Paribas im Fokus vor Société Générale morgen

In Paris erlebte BNP Paribas (+1,15%) einen ruhigen Handelstag, nachdem die Bank im vierten Quartal die Erwartungen übertroffen und ihr Rentabilitätsziel bis 2028 angehoben hatte.

In Frankfurt schloss Rheinmetall (-6,25%) als Schlusslicht im Dax, nachdem der deutsche Rüstungskonzern den Analysten als enttäuschend bewertete Prognosen für 2026 präsentierte.

In Stockholm brach der schwedische Autobauer Volvo Cars (-23,24%), kontrolliert vom chinesischen Geely, um 28% ein – ein beispielloser Absturz nach Quartalszahlen, die die Erwartungen der Analysten verfehlten, vor dem Hintergrund schwacher Nachfrage und Preisdruck. Im Sog dessen schlossen auch Renault, BMW, Volkswagen, OPmobility und Stellantis schwächer.

Morgen beendet Société Générale die Berichtssaison der Banken 2025 im Leitindex der Pariser Börse. International legen Toyota und Philip Morris ihre Zahlen vor. Im makroökonomischen Bereich wird am Nachmittag vor allem der vorläufige Vertrauensindex der Universität Michigan beachtet.

Am Devisenmarkt verliert der Euro 0,03% auf 1,1797 US-Dollar.

Der Brent-Ölpreis gibt um 2% nach.