Frankfurt, 14. Apr (Reuters) - Die Aussicht auf weitere Verhandlungen zwischen den USA und Iran hat die Anleger an den europäischen Aktienmärkten zuversichtlich gestimmt. Nach dem schwachen Wochenauftakt angesichts der zunächst gescheiterten Friedensverhandlungen kletterte der Dax am Dienstag um bis zu 1,3 Prozent auf 24.053 Punkte. Der EuroStoxx50 zog ähnlich stark auf bis zu 5978 Zähler an. "Die Aussicht auf weitere Gespräche zwischen dem Iran und den USA befeuert den Risikoappetit der Marktakteure", konstatierte Timo Emden von Emden Research. "An den Märkten keimt wieder Hoffnung auf eine diplomatische Lösung auf."

Die Verhandlungsteams der USA und des Iran könnten nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters im Laufe dieser Woche für weitere Friedensgespräche nach Islamabad zurückkehren. Ein genaues Datum stehe aber noch nicht fest. Einem ranghohen iranischen Insider zufolge halten sich die Delegationen den Zeitraum von Freitag bis Sonntag offen. US-Präsident Donald Trump sagte, der Iran habe am Montag Kontakt aufgenommen und wolle eine Einigung erzielen. Weiter angeheizt hatte die Spannungen, dass das US-Militär iranische Häfen blockiert und sich damit die Lage an der Straße von Hormus weiter zuspitzte.

ÖLPREISE GEBEN NACH

Die Aussicht auf Verhandlungen ließ den Preis der Nordseesorte Brent in der Spitze um knapp drei Prozent auf 96,50 Dollar je Barrel fallen. US-Leichtöl WTI verbilligte sich bis zu rund vier Prozent auf 95,20 Dollar. Zu Wochenbeginn waren die Ölpreise gestiegen, nachdem das US-Militär mit einer Blockade der iranischen Häfen begonnen hatte und die Gespräche in Pakistan zur Lösung der Krise zunächst gescheitert waren.

Mit der Hoffnung auf Entspannung im Nahen Osten verlor zugleich der Dollar als sicherer Hafen an Attraktivität. Der Dollar-Index, der den Wert der US-Währung zu anderen wichtigen Währungen misst, gab um 0,2 Prozent auf 98,1120 nach und näherte sich seinem Vorkriegsniveau.

LVMH UNTER DRUCK - STAHLKONZERNE GEFRAGT

Bei den Einzelwerten hat der Krieg im Iran das Geschäft des Luxusgüterkonzerns LVMH im ersten Quartal belastet und die Aktie auf Talfahrt geschickt. Die Papiere rutschten in Paris in der Spitze mehr als drei Prozent ab. Der Konflikt habe den weltweiten Konzernumsatz um mindestens einen Prozentpunkt geschmälert, teilte LVMH mit. Dies sei auf die geringeren Ausgaben in Einkaufszentren wie Dubai und weniger Reisende aus dem Nahen Osten in Europa zurückzuführen. Finanzchefin Cecile Cabanis sagte, die Besucherzahlen in den Einkaufszentren im Nahen Osten, die normalerweise etwa sechs Prozent des LVMH-Umsatzes ausmachen, seien zunächst um 30 bis 70 Prozent zurückgegangen, im Durchschnitt um etwa 50 Prozent. Sie bestätigte damit einen Reuters-Bericht. Der Rückschlag bei LVMH könnte nach Ansicht von Experten auf Probleme in der gesamten Branche hindeuten. "LVMH ist einer der am besten geführten Konzerne der Branche", sagte Berenberg-Analyst Nick Anderson. "Wenn sie alles richtig machen und trotzdem Schwierigkeiten haben, spricht das für die allgemeine Unzufriedenheit in der Branche."

Dagegen legten die Aktien des Stahlkonzerns Salzgitter um 6,5 Prozent zu. Auch ThyssenKrupp verteuerte sich um rund vier Prozent. Die Europäische Union hat sich vorläufig darauf geeinigt, die Stahlimporte nahezu zu halbieren und Zölle von 50 Prozent auf überschüssige Lieferungen zu erheben. Die Maßnahmen sollen die Stahlindustrie der EU vor Überproduktion aus anderen Ländern schützen.

(Bericht von Stefanie Geiger, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)