Die Risikokapitalinvestitionen in europäische Start-ups aus den Bereichen Verteidigung und kritische Technologien sind zwischen 2024 und 2025 um 55 % gestiegen (+194 % seit 2021) und erreichten laut einem gemeinsamen Bericht von Dealroom – einer globalen Plattform für Wirtschaftsdaten – und dem NATO Innovation Fund (NIF) einen historischen Höchststand von 8,7 Mrd. US-Dollar. Der NIF ist ein unabhängiger, von 24 NATO-Verbündeten unterstützter Venture-Capital-Fonds, der in wissenschaftliche und ingenieurtechnische Spitzentechnologien investiert.

„Der Sektor Verteidigung, Sicherheit und Resilienz wächst in ganz Europa weiterhin rasant, mit substantiellen Mittelzuflüssen in großen Finanzierungsrunden“, kommentiert Sander Verbrugge, Partner beim NIF.

Die Zahlen belegen das zunehmende Interesse der Investoren. Der Sektor vereint inzwischen 13 % des gesamten europäischen Risikokapitals auf sich (gegenüber 4 % im Jahr 2020) sowie 43 % der Mittel, die in Deep-Tech-Start-ups fließen.

KI und Quantentechnologie als Zugpferde

Im Jahr 2025 entfielen 44 % diser Sektor-Finanzierungen auf Künstliche Intelligenz – ein in den vergangenen sechs Jahren unerreichter Anteil. Die Bereiche Entscheidungsunterstützung, Überwachung, Drohnentechnologie und Satellitenbildanalyse vereinten allein 1,7 Mrd. US-Dollar auf sich, nicht zuletzt befeuert durch die strategische Nachfrage in Kriegszeiten.

Auch das Segment der kritischen Technologien verzeichnete einen sprunghaften Anstieg, insbesondere im Bereich Quantentechnologie (Quantencomputer, Kryptografie, Sensorik), der 2,4 Mrd. US-Dollar erreichte – das entspricht dem 2,4-Fachen des Vorjahresvolumens.

„Mit inzwischen nachgewiesenen Umsätzen und einer klaren Entwicklungsperspektive ist nun der Zeitpunkt gekommen, an dem Banken und private Fonds einspringen sollten, um die nächsten Wachstumsphasen zu finanzieren“, so Sander Verbrugge weiter.

Industrielle Skalierung nimmt Fahrt auf

Europäische Start-ups beschränken sich nicht mehr auf Innovation: Sie beteiligen sich an öffentlichen Ausschreibungen, schließen strategische Partnerschaften mit großen Rüstungsunternehmen und generieren substanzielle Umsätze.

Mehrere Unternehmen der Branche weisen dreistellige jährliche Wachstumsraten auf, darunter das niederländische Unternehmen Destinus (+289 %), das deutsche Quantum Systems (+173 %) und das finnische ICEYE (+143 %). 

Zwar kam es 2025 in diesem Sektor zu keinem Börsengang, doch die Zahl der Fusionen und Übernahmen (20 Transaktionen) hat sich laut Dealroom-Bericht im Vergleich zu 2021 vervierfacht.

Europa organisiert sich im Wettbewerb mit den Großmächten

Das Vereinigte Königreich bleibt mit 2,9 Mrd. US-Dollar führend bei den Investitionen, gefolgt von Deutschland (2,1 Mrd. US-Dollar) und Frankreich (869 Mio. US-Dollar). Finnland (635 Mio. US-Dollar), die Niederlande (535 Mio. US-Dollar) und Spanien (335 Mio. US-Dollar) folgen im Ranking.

Auf Städteebene hat sich München mit 1,7 Mrd. US-Dollar an eingeworbenem Kapital als wichtigster europäischer Hub etabliert, vor London und Cambridge (je 1,2 Mrd. US-Dollar), Helsinki (576 Mio. US-Dollar) und Paris (453 Mio. US-Dollar).

Gleichwohl sollte man sich von den beeindruckenden Summen nicht blenden lassen. John Ridge, Chief Adoption Officer beim NIF, warnt: „Auch wenn weiterhin Kapital in einen Sektor fließt, der strategisch wichtiger denn je ist, führt Investition allein nicht automatisch zu stärkeren europäischen Verteidigungsfähigkeiten.“

Entscheidend sei nun, so Ridge, „die Fähigkeit, diese Mittel in konkrete Technologien, belastbare Verträge und operative Wirkung umzusetzen.“