Hatten die Märkte am letzten Handelstag der Vorwoche noch die Ankündigung der Islamischen Republik begrüßt, die Straße von Hormus wieder zu öffnen, so ist der heutige Kursrückgang auf deren erneute Sperrung zurückzuführen. Die Iraner revidierten ihre Position rasch und erklärten, die USA hätten den Waffenstillstand verletzt.

Laut Donald Trump beschoss die US-Marine ein Frachtschiff unter iranischer Flagge, das versuchte, die Blockade zu durchbrechen, und stoppte es. Der US-Präsident gab zudem bekannt, dass eine Delegation zu Verhandlungen nach Islamabad, Pakistan, reist. Das iranische Staatsfernsehen wiederum soll präzisiert haben, dass Teheran "derzeit keine Pläne hat, an der nächsten Verhandlungsrunde teilzunehmen". Die staatliche Nachrichtenagentur Irna fügte hinzu, dass "Informationen über eine zweite Verhandlungsrunde in Islamabad falsch sind" und dass die "von den USA veröffentlichten Informationen Teil ihrer Propagandakampagne und eines "Blame Games" sind, das darauf abzielt, Druck auf den Iran auszuüben".

Der Tonfall zwischen den beiden Parteien hat sich somit kaum verändert, wobei sich beide Seiten gegenseitig vorwerfen, den Waffenstillstand missachtet zu haben.

Was die Auswirkungen auf die Märkte betrifft, so ziehen neben dem Rückgang der Indizes die Preise für das schwarze Gold wieder an. In New York klettert die Sorte WTI um 4,77% auf 89,01 Dollar, während in London Nordsee-Brent um 3,77% auf 95,44 Dollar zulegt.

Infolgedessen notieren Ölwerte im Plus und profitieren von der Blockade der Rohöllieferungen. TotalEnergies verzeichnet beispielsweise mit einem Plus von 2,48% die beste Performance im CAC 40. Andernorts in Europa steigen Eni um 2,96% und Var Energi um 4,46%.

Im Gegensatz dazu liegen Luftfahrtkonzerne als Großverbraucher von Kerosin im Minus. Air France-KLM fällt um 3,66%, easyJet gibt um 3,65% nach und Lufthansa verliert 4,19%.

Am Devisenmarkt erholt sich der Euro gegenüber dem Greenback leicht (+0,17%) und wird bei 1,1758 Dollar gehandelt.

Makroökonomisch stehen heute keine bedeutenden Statistiken auf der Agenda, doch der Rest der Woche verspricht deutlich ereignisreicher zu werden. Bereits am Dienstag folgen etwa der ZEW-Index zur wirtschaftlichen Erwartung in Deutschland sowie die US-Einzelhandelsumsätze für März. Am Donnerstag werden zudem die vorläufigen April-Daten zur Aktivität im Privatsektor weltweit erwartet.

Die Woche wird in den USA zudem durch die Anhörung von Kevin Warsh vor dem Senat am Dienstag geprägt sein. Er soll die Nachfolge von Jerome Powell an der Spitze der US-Notenbank Federal Reserve antreten.

Schließlich wird sich der Rhythmus der Quartalsveröffentlichungen beschleunigen, unter anderem mit Zahlen von: Thales, Beiersdorf, United Airlines, Boston Scientifics, Intel, SAP, American Express, Lockheed Martin, Sanofi, Orange, STMicroelectronics, Eni...