Europäische Vorstandsvorsitzende großer Unternehmen blicken weiterhin skeptisch auf die wirtschaftlichen Aussichten Europas - wenn auch etwas weniger pessimistisch als noch vor sechs Monaten. Gleichzeitig zeigen sie sich laut einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage deutlich optimistischer in Bezug auf Investitionen in den USA als in der eigenen Region.

Die Umfrage des European Round Table for Industry, dem rund 60 CEOs und Aufsichtsratsvorsitzende von Unternehmen wie ASML, BASF und Vodafone angehören, verdeutlicht, dass die Attraktivität Europas als Investitionsstandort weiter abnimmt. Die Befragten kritisieren insbesondere, dass die Europäische Union mit der Umsetzung notwendiger Reformen zu langsam vorankommt.

Rund 38% der Führungskräfte gaben an, weniger als ursprünglich geplant in Europa investieren zu wollen oder Investitionsentscheidungen auf Eis gelegt zu haben. Lediglich 8% erwarten, ihre Investitionen in Europa zu erhöhen. Im Gegensatz dazu planen 45% der befragten CEOs, ihre Investitionen in den Vereinigten Staaten auszuweiten.

Die Wirtschaftslenker fordern die Umsetzung der im vergangenen Jahr in einflussreichen Berichten von Mario Draghi, dem ehemaligen Präsidenten der Europäischen Zentralbank, und Enrico Letta, beide ehemalige italienische Ministerpräsidenten, empfohlenen Reformen. Beide betonten, dass die EU dringend handeln müsse, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und mit den USA sowie China Schritt zu halten.

Eine große Mehrheit der Umfrageteilnehmer sieht bislang jedoch kaum oder gar keine positiven Auswirkungen von EU-Initiativen in entscheidenden Bereichen wie der Vereinfachung von Regulierung, der Vollendung des Binnenmarkts, der Wettbewerbspolitik und der Bezahlbarkeit von Energie.

Die Veröffentlichung der Umfrage erfolgte kurz vor einem Treffen der Minister der 27 EU-Mitgliedstaaten am Montag, bei dem Wettbewerbsfragen wie die Vereinfachung von Vorschriften und interne Hürden im EU-Binnenmarkt diskutiert werden sollen.