Frankfurt, 13. Mai (Reuters) - Etwas niedrigere Ölpreise und ermutigende Firmenbilanzen haben die europäischen Aktienmärkte zur Wochenmitte gestützt. Der Dax zog am Mittwoch bis zum Mittag um 0,7 Prozent auf 24.111 Punkte an. Zweifel an einem baldigen Frieden im Nahen Osten und ein überraschend starker Anstieg der US-Inflation hatten die Stimmung am Dienstag belastet und den deutschen Leitindex unter die Marke von 24.000 Punkten gedrückt. Der EuroStoxx50 notierte 0,3 Prozent höher bei 5823 Zählern.
Für Rückenwind sorgte die laufende Bilanzsaison. Analysten erwarten, dass die Unternehmensgewinne in Europa insgesamt so schnell wie seit drei Jahren nicht mehr gestiegen sind. Laut Daten der LSEG dürften die Firmen im ersten Quartal im Schnitt 10,2 Prozent mehr verdient haben. Im Vergleich zu den in den USA erwarteten Gewinnsteigerungen der S&P 500-Firmen in Höhe von rund 28 Prozent fällt das Plus allerdings eher mager aus. Für Erleichterung sorgte eine Entspannung am Ölmarkt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent und US-Leichtöl WTI verbilligte sich jeweils um rund ein Prozent auf 106,82 und 101,14 Dollar, nachdem die Preise am Dienstag rund drei Prozent zugelegt hatten. Anleger hielten sich angesichts des brüchigen Waffenstillstands im Nahen Osten und bevorstehender Handelsgespräche zwischen den USA und China aber bedeckt.
CHINA-GIPFEL: "BLOSS NICHTS VERMASSELN"
US-Präsident Donald Trump und der chinesische Staatschef Xi Jinping werden diese Woche ihre ersten direkten Gespräche seit mehr als sechs Monaten führen, um die durch Handelsstreitigkeiten, den Iran-Krieg und andere Meinungsverschiedenheiten belasteten Beziehungen zu stabilisieren. "Die Anleger setzen Hoffnungen in dieses Treffen, um konkrete Fortschritte in der Iran- und Zollfrage zu erzielen", sagte Stratege Neil Wilson von Saxo Markets. Für Zuversicht sorgte die kurzfristige Teilnahme von Nvidia-Chef Jensen Huang an der Reise. Sie könnte darauf hindeuten, dass Nvidias H200-Chips auf der Gipfel-Agenda stehen könnten, die bislang nicht nach China verkauft werden.
Aktien aus dem KI-Sektor zählten in Asien zu den größten Gewinnern. An den chinesischen Börsen kauften die Anleger vor allem Papiere aus dem Bereich Cloud Computing, Chipherstellung und Big Data. Technologieaktien waren auch europaweit gefragt: Der Branchenindex stand 1,8 Prozent im Plus. Infineon Technologies, STMicroelectronics und Aixtron gewannen zwischen fünf und sieben Prozent.
MERCK UND E.ON ÜBERZEUGEN MIT ZAHLEN
Größter Dax-Gewinner waren Merck mit einem Kurssprung von bis zu 9,4 Prozent. Die Papiere lagen mit 123,60 Euro so hoch wie seit knapp zehn Wochen nicht mehr. Der Darmstädter Pharma- und Technologiekonzern punktete mit starken Quartalsergebnissen und einer angehobenen Jahresprognose. Auch bei E.ON griffen die Investoren zu. Die Aktien des Energiekonzerns zogen gut vier Prozent an. "Die Zahlen von E.ON für das erste Quartal 2026 übertrafen die Erwartungen, gestützt durch ein anhaltendes, investitionsgetriebenes Wachstum im Bereich Energienetze und eine solide Bilanz", kommentiert ein Händler.
Im Finanzsektor legten Allianz um 1,3 Prozent zu, nachdem der Versicherer einen Anstieg des Nettogewinns im Quartal um 52 Prozent verbucht hat. Aktien von ABN Amro kletterten um sieben Prozent, nachdem die Gewinnschätzungen für das Quartal übertroffen wurden. Analysten von RBC erklärten, dass die schnellere Umsetzung des Kostensenkungsplans dazu beigetragen habe. Die Titel des Produktprüfers Intertek stiegen in London um 6,8 Prozent, da die Briten ein Übernahmeangebot des schwedischen Investors EQT in Höhe von 9,4 Milliarden Pfund (10,8 Milliarden Euro) wohl zur Annahme empfehlen werden.
(Bericht von Anika Ross, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)


















