Kurz nach 12 Uhr gewinnt der DAX in Frankfurt rund 0,59 % auf 24.544 Punkte. Ähnliche Aufschläge verzeichnen der CAC 40 in Paris und der Ibex in Madrid, während der Londoner FTSE 100 um 0,1 % nachgibt. Der Euro STOXX 600 steigt insgesamt um 0,2 %.
Blicke richten sich auf Nvidia und das Fed-Protokoll
Im Fokus der Anleger stehen heute Abend nach US-Börsenschluss die Quartalszahlen von Nvidia. Die Rally bei KI-bezogenen Werten stützt die globalen Aktienmärkte seit Jahresbeginn maßgeblich.
Angesichts der hohen Erwartungen nach der starken Kursentwicklung von Technologie- und Halbleiterwerten muss Nvidia jedoch nicht nur die Gewinnschätzungen übertreffen, sondern zugleich eine weitere Beschleunigung der Nachfrage in Aussicht stellen.
„Nvidia hat den Markt daran gewöhnt, die Erwartungen zu schlagen. Deshalb muss die Überraschung inzwischen deutlich größer ausfallen“, warnt Charu Chanana, Strategin bei Saxo. „Jede Enttäuschung könnte sich auf Halbleiterwerte, den Nasdaq und andere KI-Aktien übertragen.“
Ein weiteres wichtiges Ereignis folgt nach Handelsschluss in Europa: Die US-Notenbank veröffentlicht das Protokoll ihrer letzten Sitzung. Dieses könnte die Einschätzung bestätigen, dass Zinssenkungen in diesem Jahr inzwischen kaum noch wahrscheinlich sind.
Diese Perspektive einer restriktiveren Geldpolitik spiegelt sich bereits deutlich an den Anleihemärkten wider. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen überschritt in der Nacht die Marke von 5,20 % – der höchste Stand seit Juli 2007.
Inflation in der Eurozone zieht an, schwächt sich in Großbritannien ab
In Europa standen am Vormittag Inflationsdaten im Mittelpunkt. Eurostat bestätigte für die Eurozone eine Jahresteuerung von 3,0 % im April, nach 2,6 % im März. Die Kerninflation ohne volatile Komponenten lag bei 2,2 %.
In Großbritannien stieg der Verbraucherpreisindex im April um 2,8 % gegenüber dem Vorjahr und fiel damit 0,5 Prozentpunkte niedriger aus als im März. Verantwortlich für die Abschwächung waren vor allem die Bereiche Wohnen und haushaltsnahe Dienstleistungen.
Die britische Kerninflation ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak lag im April bei 2,5 % nach 3,1 % im März. Während die Inflation bei Waren um 0,3 Prozentpunkte auf 2,4 % anzog, sank die Teuerung im Dienstleistungssektor deutlich um 1,3 Prozentpunkte auf 3,2 %.
Uniper im Höhenflug
Uniper schießt in Frankfurt um mehr als 20 % nach oben, nachdem Berlin offiziell den Privatisierungsprozess des Energiekonzerns gestartet hat. Der deutsche Staat, der das Unternehmen 2022 im Zuge der Energiekrise gerettet hatte, hält weiterhin mehr als 99 % der Anteile.
KNDS musste beim Verkauf von Renk-Anteilen zwar einen deutlich geringeren Abschlag hinnehmen als befürchtet. Anleger nahmen dies jedoch gelassen auf, da die Stimmung im Rüstungssektor insgesamt positiv blieb. Rückenwind kam vom tschechischen Konzern CSG, der mit starken Geschäftszahlen überzeugte. Renk legte daraufhin gemeinsam mit Rheinmetall zu. Noch kräftiger stiegen allerdings TKMS und Hensoldt mit Kursgewinnen von bis zu 5,2 %.
Im Chemiesektor sorgte eine Neubewertung durch Jefferies für Bewegung. Lanxess verloren 3,5 %, nachdem das Analysehaus die Aktie auf „Underperform“ abgestuft hatte. Deutlich verhaltener reagierten Anleger dagegen auf eine Kaufempfehlung für Evonik sowie eine Hochstufung von Brenntag.
Unterdessen wurden bei mehreren Unternehmen die Kurse um die Dividendenausschüttung bereinigt, darunter auch beim Prothesenhersteller Ottobock. Dort lief zudem die Aufarbeitung eines kritischen Berichts des Leerverkäufers Grizzly weiter, der am Vortag einen Kurssturz ausgelöst hatte. Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück. Die Aktie gewann trotz Dividendenabschlag 0,4 %.
In Paris gehört Euronext mit einem Plus von 5 % zu den größten Gewinnern. Der Börsenbetreiber meldete einen starken Jahresauftakt mit verbesserter Profitabilität und dem achten Quartal in Folge mit zweistelligem Umsatzwachstum. „Insgesamt hat Euronext gute Ergebnisse vorgelegt“, urteilt die Deutsche Bank. Der Konzern halte weiterhin seine Versprechen ein. Angesichts der aus Sicht der Analysten attraktiven Bewertung bestätigte die Bank zudem ihre Kaufempfehlung.
Anders sieht es bei Tesco aus: Die Aktie verliert in London rund 1 %, nachdem die britische Regierung den Lebensmitteleinzelhandel dazu aufgefordert hat, Preisobergrenzen einzuführen. Hintergrund ist der erneute Anstieg der Lebensmittelpreise im Vereinigten Königreich, deren Inflation im April 3,7 % erreichte.



















