Europäische Börsen im Minus wegen Nahost-Konflikt
Wenig überraschend verzeichnen die großen europäischen Finanzmärkte angesichts des Krieges im Nahen Osten deutliche Verluste. Der CAC 40 gibt um 1,59% nach und liegt bei 8.444 Punkten, nachdem der wichtigste Pariser Index den Februar mit einem Gewinn von 5,59% abgeschlossen hatte – seiner besten Monatsperformance seit Januar 2025.
Veröffentlicht am 02.03.2026 um 10:36
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Dieser Abwärtstrend ist nahezu weltweit zu beobachten, denn heute Morgen fiel der Nikkei in Tokio beispielsweise um 1,35%.
Am Wochenende haben die Vereinigten Staaten und Israel den Iran angegriffen, woraufhin der Iran mit Raketenangriffen auf den jüdischen Staat und amerikanische Basen in der Region reagierte. Bei den Angriffen wurden unter anderem Ali Khamenei und zahlreiche weitere Führungspersönlichkeiten der Islamischen Republik ausgeschaltet.
Eine weitere Folge dieses Krieges sind die Spannungen rund um die strategisch wichtige Seestraße von Hormus, eine bedeutende Handelsroute für Energieträger.
Infolgedessen explodieren die Ölpreise. In London springt das Nordseeöl Brent um 7,77% auf 78,76 USD, und auch in New York zieht der WTI-Preis deutlich an. Die Preise für das „schwarze Gold“ erreichen damit den höchsten Stand seit über einem Jahr.
Logischerweise gehören Werte wie TotalEnergies zu den Gewinnern. Der französische Energieriese steigt um 3,73%, der norwegische Konzern Equinor legt um 5,54% zu, nachdem er zudem ein bedeutendes Ölvorkommen in der Nordsee entdeckt hat. Der spanische Repsol gewinnt 3,78%, und auch der britische Shell-Konzern legt um 3,28% zu.
Ein weiterer Sektor ist ebenfalls gut positioniert: die Verteidigungsindustrie. In Paris verzeichnet Thales mit einem Plus von 4,67% den größten Anstieg im CAC 40, ebenso wie Exail Technologies und Exosens, die um 9,82% bzw. 10,11% zulegen. In anderen Teilen Europas gewinnt BAE Systems 5,89%, Hensoldt steigt um 6,49%, Leonardo legt um 3,87% zu, und Rheinmetall verbucht ein Plus von 2,99%.
Maersk legt seinerseits um 5,07% zu. Der Spezialist für Seetransporte hat seine Schiffe folgerichtig aus dem Konfliktgebiet umgeleitet, was die Transportzeiten verlängert. Einige Kunden werden bevorzugt bedient werden wollen, was es dem dänischen Unternehmen ermöglicht, seine Preise zu erhöhen.
Zu den am stärksten betroffenen Sektoren gehören hingegen die Fluggesellschaften, deren Kerosinrechnung angesichts der steigenden Ölpreise steigen dürfte und die zudem Flüge in die Nahostregion streichen müssen. IAG verliert 5,39%, Lufthansa rutscht um 5,92% ab, und Air France-KLM gibt 6,91% nach. Die französisch-niederländische Luftfahrtgruppe ist zudem von einer Gerichtsentscheidung betroffen, die sie zu einer Geldstrafe von 368 Millionen Euro verpflichtet.
Auch tourismusnahe Werte sind betroffen, wie die Hotelgruppe Accor, deren Aktie um 9,24% einbricht und damit den größten Verlust im Index verzeichnet.
Schließlich belasten Luxuswerte den Trend nach einer Mitteilung von RBC, wonach ihre Umsätze im Nahen Osten durch den aktuellen Konflikt beeinträchtigt werden dürften. Der Schweizer Richemont verliert 6,07%, in Paris geben LVMH und Kering jeweils 4,08% bzw. 3,99% ab.
Makroökonomische Nachrichten im Überblick
Angesichts des Krieges und der zahlreichen Bewegungen, die er an den Indizes, bei Einzelwerten und Rohstoffen auslöst, rücken makroökonomische Veröffentlichungen in den Hintergrund.
Dabei ist die Nachrichtenlage durchaus dicht, etwa mit den europäischen S&P Global Einkaufsmanagerindizes (PMI) für das verarbeitende Gewerbe im Februar. In Frankreich ist der Index zwar gesunken, aber weniger stark als erwartet: von 51,2 auf 50,1 Punkte, während Analysten einen Rückgang unter 50 Punkte auf 49,9 befürchtet hatten, was eine Kontraktion der Aktivität bedeutet hätte.
In Deutschland signalisierte dieselbe Statistik Wachstum. Der Index erreichte 50,9 Punkte – ein Wert, der seit 44 Monaten nicht mehr erreicht wurde –, nach zuvor 49,1 und einer Schätzung von 50,7 Punkten.
Für die gesamte Eurozone brachte dieser Indikator keine Überraschung und lag wie erwartet bei 50,8 Punkten nach 49,5 im Januar. Wie der deutsche Index ist auch der Eurozonen-Index mit 50,8 Punkten auf dem höchsten Stand seit 44 Monaten.
Weitere Statistiken werden heute Nachmittag in den Vereinigten Staaten veröffentlicht, ebenfalls zum Stand der industriellen Aktivität im Februar, doch ist es unwahrscheinlich, dass sie den Trend beeinflussen.
Am Devisenmarkt verliert der Euro gegenüber dem US-Dollar (-0,19%) und notiert bei 1,1737 USD, dem niedrigsten Stand seit über einem Monat.


















