Die Pariser Börse schloss die erste Sitzung der Woche mit einem deutlichen Rückgang von 1,78% bei 8112 Punkten, nachdem die Anleger erneut mit einer Äußerung von Donald Trump konfrontiert wurden. Dieser hatte am Wochenende europäischen Ländern – darunter Frankreich – mit zusätzlichen Zöllen gedroht, sollten sie dem Verkauf Grönlands an Washington nicht zustimmen.


Trump schürt (wieder) das Gespenst des Handelskriegs

„Donald Trump geht einen weiteren Schritt, den Handel als geopolitisches Druckmittel einzusetzen“, betont Michaël Nizard, Head of Multi-Asset & Overlay bei Edmond de Rothschild AM. Die Ankündigung von Zöllen in Höhe von 10%, die im Sommer auf 25% steigen sollen, zielt direkt auf mehrere wirtschaftliche Säulen Europas – von Frankreich über Deutschland bis hin zu Großbritannien und den nordischen Staaten.

Angesichts dessen, was er als „wirtschaftliche Nötigung“ bezeichnet, forderte Emmanuel Macron die Aktivierung des europäischen Anti-Koerzitions-Instruments, das 2023 verabschiedet, aber noch nie eingesetzt wurde. Ziel ist es, sowohl den Zugang zum EU-Binnenmarkt für bestimmte US-Unternehmen einzuschränken als auch ein starkes politisches Signal zu senden, dass die EU nicht länger dem Handelsdruck nachgeben will. Ein außerordentliches EU-Gipfeltreffen ist für Donnerstag geplant.

Das Ereignis wirkt wie ein schonungsloser Weckruf: Was lange als Stabilitätsfaktor galt, wird plötzlich zur potenziellen politischen Waffe.
Die neuen Spannungen ließen die Kurse exportorientierter Unternehmen sofort ins Minus drehen, etwa LVMH (-4,3%) oder Kering (-4,1%). Die Luxusbranche zahlt prompt für diese geopolitische Eskalation, die zu einer länger anhaltenden Überbesteuerung europäischer Produkte führen könnte.

Auch STMicro bleibt davon nicht verschont (-4,81%), während der Autosektor ebenfalls deutlich Federn lässt – BMW (-3,7%, zudem Herabstufung von „Kaufen“ auf „Halten“ durch Berenberg), Mercedes (-2,3%), Renault (-2,1%), Stellantis (-1,9%). Der EuroStoxx 50 verliert 1,7%, der DAX gibt 1,3% nach und London begrenzt das Minus auf 0,4%.

Darüber hinaus warten die Märkte gespannt auf die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, der in Kürze über die Rechtmäßigkeit der von der Trump-Regierung im April eingeführten Zölle urteilen wird. „All dies ergibt einen perfekten Cocktail für eine erhöhte Börsenvolatilität zu Wochenbeginn“, sagt Christopher Dembik, Investmentstratege bei Pictet AM.


Zwischen politischer Unsicherheit und Makrodaten: Märkte im Nebel

Auch das europäische Umfeld ist von der Fragilität der amtierenden Regierungen geprägt. In Frankreich schürt die Haushaltskrise Sorgen vor weiteren Spannungen bei den Staatsanleihen, während die Regierung Lecornu darum kämpft, das Defizit auf 5% des BIP zurückzuführen. Der Premierminister kündigte an, nun doch auf Artikel 49.3 zur Verabschiedung des Haushalts zurückzugreifen – entgegen früherer Versprechen.

Dieser Kurswechsel des Regierungschefs könnte die Märkte zwar beruhigen, da Frankreich endlich einen Haushalt erhielte, birgt jedoch auch das Potenzial für politische Turbulenzen – weniger als zwei Monate vor den Kommunalwahlen. Die Partei La France Insoumise reagierte umgehend mit der Ankündigung eines Misstrauensantrags.

Doch nicht nur die französische Politik sorgt für Nervosität an den Märkten: In Großbritannien liegt die Partei Reform UK in Umfragen mittlerweile deutlich vor Labour und den Konservativen, während es zu prominenten Abgängen bei den Tories kommt. „Die Partei erreichte 30% der Wahlabsichten im Januar 2026, verglichen mit 14% bei den Parlamentswahlen im Juli 2024“, analysieren die Experten von Nomura.

Damit ist die gemeinsame Zustimmung für Labour und Konservative im freien Fall und liegt unter 40% (gegenüber rund 57% im Jahr 2024). Laut Electoral Calculus würde Reform UK bei sofortigen Neuwahlen 277 von 650 Sitzen erringen (gegenüber nur 5 Sitzen im Jahr 2024).

Die Märkte rechnen dennoch mit einer letzten Zinssenkung der Bank of England um 25 Basispunkte im April 2026, womit der Endsatz bei 3,50% liegen würde.


Quartalszahlenflut ab morgen erwartet

Bei den Konjunkturdaten lag die jährliche Inflationsrate der Eurozone laut Eurostat im Dezember 2025 bei 1,9% (nach 2,1% im November) – eine Abwärtskorrektur der bisherigen Schätzung für den letzten Monat des vergangenen Jahres (ursprünglich 2%).

Die Woche bringt zudem zahlreiche wichtige Indikatoren: Bereits morgen werden die Arbeitsmarktdaten für Großbritannien und der ZEW-Index für die Konjunkturerwartungen in Deutschland (erwartet bei deutlichem Anstieg auf 57,0) veröffentlicht. Am Mittwoch folgt die britische Inflation (VPI) für Dezember, die leicht auf 3,3% steigen dürfte, während am Freitag die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes (PMI) für die Eurozone, Deutschland und Frankreich erscheinen – ein wichtiger Stimmungsindikator für den Jahresauftakt.

Schließlich setzt sich die Berichtssaison fort mit Zahlen von Netflix, Rio Tinto, 3M oder Mercedes (Dienstag), J&J (Mittwoch), GE Aero, Intel, Procter & Gamble (Donnerstag) sowie Schlumberger und Ericsson (Freitag).

„Nach der unangefochtenen Dominanz der USA und des Technologiesektors könnte 2026 das Jahr der Diversifikation werden. Institutionelle Investoren zeigen historischen Optimismus, schichten aber massiv in Schwellenländer und Asien ex Japan um und reduzieren ihre als zu konzentriert empfundene US-Position“, analysierten die Experten von Goldman Sachs heute Morgen.

Am Rentenmarkt bleibt die Rendite für 10-jährige Bundesanleihen stabil bei rund 2,83%, während die französische OAT gleicher Laufzeit bei 3,49% liegt (-3 Basispunkte).
In London wird Brent-Öl bei 64 USD je Barrel gehandelt (-0,25%). Gold erklimmt mit 4670 USD je Unze neue Höhen (+1,6%). Der Euro legt gegenüber dem US-Dollar um 0,4% zu und notiert bei 1,163 USD.