Europa muss ein eigenes Preissystem für Spezialmetalle und Seltene Erden aufbauen, um die Abhängigkeit von China zu verringern und Investitionen in Bergbau und Verarbeitung freizusetzen, sagte Bernd Schäfer, CEO und Geschäftsführer von EIT RawMaterials, am Mittwoch gegenüber Reuters.

China dominiert die Lieferketten für kritische Mineralien und legt die Preise über undurchsichtige Inlandsmärkte fest. Dies lässt westliche Entwickler ohne klare Benchmarks zurück, erschwert Investitionsentscheidungen und verzögert ohnehin kostenintensivere Projekte in Europa.

Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 mindestens 10% ihres jährlichen Bedarfs an strategischen Rohstoffen selbst zu fördern und bei keinem jährlichen Bedarf zu mehr als 65% von einem einzelnen Drittland abhängig zu sein.

EIT RawMaterials, eine teilweise von der EU finanzierte Agentur, arbeitet nach eigenen Angaben vom letzten Monat mit der digitalen Plattform Metalshub zusammen, um einen europäischen Index zu erstellen. Dieser soll Innovationen bei neuen Projekten für den Abbau, die Raffinerie und das Recycling von Mineralien innerhalb des Blocks fördern.

Schäfer erklärte jedoch, dass die Erstellung eines Index mit repräsentativen Preisen Zeit in Anspruch nehmen werde. Ziel des Index sei es, transparente, marktbasierte Preis-Benchmarks für kritische Mineralien bereitzustellen, die außerhalb Chinas gehandelt werden. Dies solle Investoren klarere Signale zur Rentabilität geben und die Finanzierung neuer Projekte absichern.

'Mein Verständnis ist, dass dies den Handel eines Volumens von mindestens 10% des gehandelten Volumens (außerhalb Chinas) erfordern würde... abhängig von den Rohstoffen', sagte Schäfer. 'Was wir aus China erhalten, ist weder repräsentativ noch, im streng mikroökonomischen Sinne, ein Preis.'

Schäfer führte aus, dass ein Index breiter als nur auf Europa angelegt sein könnte, unter Zusammenarbeit mit anderen Handelsplätzen, etwa in den USA, Australien, Kanada oder Großbritannien.

Es sei schwierig zu sagen, ob die EU ihre Ziele zur Diversifizierung kritischer Mineralien erreichen werde, da es an transparenten Daten zu Volumina und Wachstumserwartungen fehle, sagte er.

Die EU kündigte im Dezember ihren 3 Milliarden Euro schweren Aktionsplan 'RESourceEU' an, um die Diversifizierung der Lieferketten des Blocks zu beschleunigen und die Überabhängigkeit von China zu verringern.

Konkrete Maßnahmen ließen auf sich warten, mit Ausnahme eines Pilotprojekts für ein gemeinsames EU-Lager unter der Leitung von Italien, Frankreich und Deutschland. Die Länder haben Metalle wie Wolfram und Gallium in die engere Wahl gezogen, die als erste eingelagert werden sollen.

Ohne den Aufbau einer heimischen Verarbeitung und einer transparenten Preisgestaltung laufe Europa Gefahr, von chinesischen Benchmarks abhängig zu bleiben - und zuzusehen, wie jegliche neue Rohstoffproduktion direkt wieder in die chinesische Lieferkette abfließe, so Schäfer.