Europa geht nicht unbeschadet aus einer aufreibenden Woche hervor
Die europäischen Börsen schlossen am Freitag im Minus und setzten damit ihren Abwärtstrend der letzten Tage fort. Am Ende einer Woche mit hoher Marktvolatilität, ausgelöst durch amerikanische und israelische Angriffe gegen den Iran, verschärften sich die Spannungen im Nahen Osten schlagartig und ließen die Ölpreise in die Höhe schnellen.
Veröffentlicht am 06.03.2026 um 18:49
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Der Euro STOXX 50 der Eurozone sank um 1,3 % und der STOXX 600 um etwas mehr als 1 %.
Die Sitzung verlief im Zickzackkurs und spiegelte die Entwicklung der Woche nach dem Start der gemeinsamen Operation "Epic Fury" der USA und Israels gegen den Iran wider. Da diese nun in ihren siebten Tag geht, scheint das Szenario einer kurzen und gezielten Intervention, das von den Anlegern bisher favorisiert wurde, in weite Ferne zu rücken.
Auf Wochensicht verliert der CAC etwas mehr als 6,8 %, was seine schlechteste Wochenbilanz seit Anfang April 2025 und Donald Trumps "Liberation Day" darstellt.
Es handelt sich um die erste Woche mit Kursverlusten seit Ende Januar.
Seit seinem historischen Rekordhoch vom 26. Februar bei über 8 642,2 Punkten hat der Pariser Index 7,5 % verloren – ein Wert, der ihn den 10 % Verlust nähert, die technisch als Korrektur gelten.
Die US-Aktienmärkte, die den jüngsten Marktturbulenzen bisher recht gut standgehalten hatten, werden diese aufreibende Woche ebenfalls nicht unbeschadet überstehen.
Zum Zeitpunkt des europäischen Handelsschlusses gab der Dow Jones um 1,3 % nach, der S&P 500 um 1,1 % und der Nasdaq um knapp 0,9 %.
Zusätzlicher Druck auf die Aktien entstand heute durch die schlechten Arbeitsmarktzahlen für den Monat Februar: Mit 92 000 gestrichenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft kehrten die Sorgen um die Gesundheit der US-Wirtschaft zurück.
Die Entwicklung des VIX-Index – bekannt als Angstbarometer –, der um 10,8 % auf 26,3 Punkte stieg, zeigt, dass die Anleger nervös bleiben und die Volatilität für einige Tage oder gar Wochen hoch bleiben dürfte.
Der Anstieg der Ölpreise als Hauptsorge
Die Aktienmärkte hatten bisher kaum auf den sprunghaften Anstieg der Ölpreise reagiert, doch die Situation scheint sich seit einigen Tagen geändert zu haben.
Mit über 91,1 Dollar pro Barrel notiert die Nordseesorte Brent auf dem höchsten Stand seit Oktober 2023, dem Zeitpunkt des Konflikts zwischen Israel und der Hamas nach den Anschlägen auf den jüdischen Staat.
Die Ölpreise beschäftigen auch die US-Anleger an der Wall Street, wo die US-Leichtölsorte West Texas Intermediate um 11,6 % auf 88,6 Dollar in die Höhe schoss, was ein Plus von mehr als 55 % seit Jahresbeginn bedeutet.
Der zeitweise ignorierte Höhenflug des schwarzen Goldes ist nun bittere Realität und rückt aufgrund seiner Auswirkungen auf die Inflation und damit indirekt auf die Geldpolitik in Europa und den USA in den Fokus der Märkte.
Sollte sich der Aufwärtstrend bestätigen, könnte sich die aktuelle geldpolitische Lage – mit einer schrittweisen Reduzierung der Lockerungsstrategie durch die Federal Reserve und einer vorsichtigen Verstärkung der Stimulierungsinstrumente durch die Europäische Zentralbank – grundlegend ändern.
"Blickt man in die Geschichte, lösen nur ausgeprägte und anhaltende Spitzen der Rohölpreise echte Inflationszyklen aus", geben sich die Strategen der Bank of America abwägend.
"Solange der Status quo anhält – mit einem Barrelpreis von etwa 15 Dollar über dem Vorkriegsniveau –, kann man die Sorgen vor einer ölgetriebenen Inflation beiseiteschieben. Sollte eine Eskalation die Kurse jedoch dauerhaft über 100 Dollar halten, würde sich der Tonfall deutlich ändern", warnt die BofA.
Infolgedessen stieg die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe, die Referenz für die Eurozone, um mehr als zwei Basispunkte auf 2,86 %, während ihr US-Pendant leicht auf rund 4,12 % nachgab.
Der Sturm an den Finanzplätzen hat die Anleger dazu veranlasst, die Aktien- und Rentenmärkte zu verlassen und unter anderem am Devisenmarkt Zuflucht zu suchen.
Der Dollar setzt so seinen Aufstieg gegenüber dem Euro fort, der unter die Marke von 1,16 sinkt – ein Tiefstand seit Ende November 2025.



















