Zum Jahresende blickt man nach vorn – und Europa hatte durchaus einiges zu bieten: niedrige Bewertungen, steigende Verteidigungsausgaben und die erwartete Erholung der deutschen Wirtschaft. Doch im Verlauf des Jahres erinnern geopolitische Spannungen zunehmend an die strukturellen Schwächen des Kontinents. Wie bereits im Vorjahr lagen europäische Aktien zunächst bei der Performance vorn, bevor die US-Technologiewerte wieder die Führung übernahmen.
Der Stoxx 600 und der Stoxx 50 konnten 2025 dennoch vor dem S&P 500 abschließen, nachdem die Hyperscaler massive Investitionen im Zuge des „KI-Booms“ angekündigt hatten. Damals bot Europa noch eine glaubwürdige Alternative zur US-Technologie – mit zahlreichen günstig bewerteten Titeln und einigen Wachstumsperlen, insbesondere im Verteidigungssektor. Dieser Vorteil ist inzwischen geschwunden. Die Bewertungen sind gestiegen, ohne dass die Gewinnentwicklung im gleichen Tempo nachgezogen hätte.
Der Vergleich mit den Vereinigten Staaten fällt entsprechend deutlich aus. Noch vergangene Woche ging Reuters davon aus, dass die Gewinne europäischer Blue Chips – ohne den Energiesektor – lediglich um 0,4 % steigen würden. Mit der laufenden Berichtssaison wurde diese Prognose inzwischen auf knapp 4 % angehoben. Im S&P 500 hingegen zeichnet sich bereits das sechste Quartal in Folge mit zweistelligem Gewinnwachstum ab.
Der kräftige Aufschwung der US-Aktien im April ist vor allem auf die erneute Begeisterung für Technologiewerte zurückzuführen. Laut FactSet dürfte der Technologiesektor im S&P 500 im ersten Quartal ein Gewinnwachstum von 46,3 % erzielen. Nvidia und Micron tragen maßgeblich dazu bei – ohne diese beiden Unternehmen würde sich diese Wachstumsrate nahezu halbieren. Solange die Technologieriesen ihre Versprechen einlösen, dürfte die Outperformance der USA anhalten.
Hinzu kommt, dass der makroökonomische Schock die Eurozone besonders stark trifft. Das Verbrauchervertrauen ist auf den niedrigsten Stand seit Anfang 2023 gefallen. Gleichzeitig steigen die Kosten der Unternehmen deutlich: Der Index der Inputpreise kletterte auf 76,9 nach 68,9 im Vormonat. Besonders betroffen ist die deutsche Industrie. Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr bereits halbiert – auf nun 0,5 %.
Europa fehlt es damit an überzeugenden Argumenten, um die Aufmerksamkeit von Investoren zu halten, die von der künstlichen Intelligenz und den beeindruckenden Wachstumsdynamiken einiger US-Unternehmen fasziniert sind.























