Frankfurt, 22. Apr (Reuters) - Die EU-Wettbewerbsbehörde gibt dem TV-Konzern RTL ohne Einschränkungen grünes Licht für die Übernahme des Pay-TV-Senders Sky Deutschland. RTL habe für eine Genehmigung Zugeständnisse auf dem Werbemarkt angeboten, doch diese seien nicht nötig gewesen, teilte die EU-Kommission am Mittwoch mit. Die Übernahme werde den Wettbewerb im Werbemarkt genauso wenig einschränken wie etwa beim Einkauf von Sport- und Entertainment-Rechten oder beim Streaming-Angebot. Deshalb sei der Zukauf ohne Auflagen genehmigt worden.

"Das ist ein großer Tag für uns und für den Medienmarkt in Europa insgesamt", sagte RTL-Chef Thomas Rabe Reuters. "Der Zusammenschluss kann nun zum 1. Juli vollzogen werden", betonte der Manager. Mit der Übernahme wollen sich zwei europäische Medienanbieter im Sport- und Unterhaltungsbereich zusammenschließen, um im Wettbewerb mit den US-Schwergewichten Netflix, Disney und Amazon Prime in Deutschland aufzuholen. Die Fusion sei zwingend erforderlich, "um im Wettbewerb mit den großen US-Streaming-Diensten zu bestehen", betonte Rabe, der auch Chef des RTL-Mutterkonzerns Bertelsmann ist. Durch den Kauf des Bezahlsenders erhält die Bertelsmann-Tochter RTL Zugang zu Sportrechten von Sky, darunter die Fußball-Bundesliga, die englische Premier League und die Formel 1. Zudem geht der Streaming-Dienst WOW zu RTL über. Sky Deutschland, das zum US-Konzern Comcast gehört, ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig.

Rabe kündigte an, die Sportrechte künftig auf allen Plattformen nutzen zu wollen, um dort Erlöse zu erzielen. So werde man etwa im Free-TV von RTL künftig mehr Spiele der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga zeigen sowie Partien im DFB-Pokal auch auf RTL+ und europäische Spiele auch auf Sky.

RTL hatte die Übernahme von Sky Deutschland im Juni 2025 angekündigt. Comcast bekommt 150 Millionen Euro in bar und kann - abhängig von der Entwicklung der RTL-Aktie - in den nächsten Jahren einen Nachschlag von bis zu 377 Millionen Euro erhalten. RTL erwartet jährliche Synergien von 250 Millionen Euro innerhalb von drei Jahren.

Kultur-Staatsminister Wolfram Weimer erklärte, die Übernahme sei eine gute Nachricht für den Medienstandort Deutschland. "Wir brauchen nationale Champions, die international bestehen können. Das stärkt den Wettbewerb."

(Bericht von Klaus Lauer und Sabine Wollrab, bearbeitet von Ralf Banser. Redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)