Den Terminkontrakten zufolge könnte der Pariser CAC 40 zur Eröffnung um 0,3% zulegen, während der Londoner FTSE um 0,1% vorrücken dürfte und der Euro STOXX ein Plus von knapp 0,1% verzeichnen könnte.

Die europäischen Aktienmärkte waren am Mittwoch kräftig gestiegen. Hintergrund war der Optimismus hinsichtlich einer baldigen Wiedereröffnung der Straße von Hormus, nachdem Berichte von Axios nahelegten, dass Washington kurz vor einem Abkommen mit dem Iran zur Beendigung des Krieges stehen könnte.

Zum Handelsschluss verbuchte Paris ein Plus von 2,9% und lag damit deutlich vor Frankfurt (+2,2%) und London (+2,2%).

Aufholpotenzial der europäischen Indizes noch intakt

Während die Aussicht auf einen positiven Ausgang des Konflikts und eine Normalisierung des Seeverkehrs bereits teilweise in die Kurse eingepreist war, scheint die Beschleunigung des Zeitplans die Marktteilnehmer gestern positiv überrascht zu haben.

'Obwohl ein Abkommen und die Öffnung der Meerenge seit langem in den Preisen reflektiert werden, hat sich der erwartete Zeithorizont für diese Öffnung deutlich nach vorne verschoben', betonen die Analysten der Danske Bank.

Nach bereits einem halben Dutzend ähnlicher Ankündigungen aus Washington gibt Axios an, dass es sich um das 'Abkommen handelt, das einem Abschluss seit Beginn des Konflikts am nächsten kommt'.

Diese Entwicklung spiegelt sich konkret auf den Prognosemärkten wider. Auf der Plattform Polymarket wird die Wahrscheinlichkeit einer Wiedereröffnung vor Ende Mai nun auf 30% geschätzt. Noch aussagekräftiger ist, dass die Wahrscheinlichkeit einer Freigabe vor Ende Juni auf 75% hochgeschnellt ist, verglichen mit nur 50% am Vortag.

Trotz dieser ermutigenden Entwicklungen bleibt auf dem alten Kontinent eine gewisse Vorsicht geboten, da die großen Indizes immer noch 2% hinter ihren Vorkriegshochs zurückbleiben. Dies deutet darauf hin, dass das Aufholpotenzial noch nicht ausgeschöpft ist.

'Sollte der Iran dem Abkommen zustimmen, könnten Aktien über weiteren Spielraum nach oben verfügen', verspricht man bei der Danske Bank.

Neue Höchststände an der Wall Street dank KI

In New York schlossen die drei großen Referenzindizes gestern Abend mit Gewinnen zwischen 1,2% und 2,1%. Dabei markierten der S&P 500 und der Nasdaq neue Rekorde, gestützt durch die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran sowie durch mehrere solide Quartalsergebnisse bei Werten aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz.

AMD sprang um 18% nach oben, nachdem das Unternehmen die Erwartungen übertraf und seine Prognosen anhob. Getrieben wurde dies durch ein Wachstum von 57% im Rechenzentrumgeschäft dank KI-Beschleunigern und EPYC-Prozessoren. Im Sog dessen gewannen Arm Holdings 13% und Intel legte um 4% zu.

Jenseits des Sprungs im Halbleitersektor stützte das Thema digitale Infrastruktur auch Dell. Die Aktie verbesserte sich um 10% nach der Ankündigung einer Partnerschaft mit TotalEnergies und Nvidia zur Entwicklung und Installation eines neuen Supercomputers.

Der Trend in Asien ist ebenso positiv: Die Börse in Tokio schoss am Donnerstag nach drei schließungsbedingten Tagen während der 'Golden Week' um fast 6% nach oben.

Rückgang der Ölpreise beruhigt Rentenmärkte

Die Rückkehr des Risikoappetits stützt sich auch auf einen deutlichen Rückgang der Ölpreise, was die Sorgen vor einem anhaltenden Energieschock milderte.

Nachdem der Preis für Brent gestern um mehr als 7% eingebrochen war, setzt heute Morgen eine zaghafte technische Erholung ein; das Fass verteuert sich um 0,6% auf 101,8 Dollar. Die Sorte WTI, die mittlerweile wieder unter die 100-Dollar-Marke gerutscht ist, erholt sich moderat um 0,4% auf 95,5 Dollar.

Dieses Umfeld begünstigt sinkende Renditen bei Staatsanleihen, da die Gefahr möglicher Zinserhöhungen durch die Zentralbanken aufgrund steigender Inflationsspannungen infolge hoher Rohölpreise abnimmt.

Es zeigt sich deutlich, dass die Investoren wieder in den Modus von Euphorie und maximalem Optimismus gewechselt sind und die Inflationsängste offenbar begraben wurden. Dies führt zu einer deutlichen Entspannung bei den US-Zinsen: Die Rendite 10-jähriger Treasuries sinkt um 6,5 Basispunkte auf 4,35%.

Diese Optimismuswelle kommt auch den europäischen Rentenmärkten zugute, wobei die Renditen deutscher Bunds um sieben Punkte nachgeben und sich wieder der Marke von 3% nähern.

Wirtschaftsindikatoren und Unternehmenszahlen unter genauer Beobachtung

Wichtigster Termin im heutigen Wirtschaftskalender: Die deutschen Industrieaufträge sind im März trotz der durch den Krieg im Nahen Osten verursachten Sorgen und der daraus resultierenden Spannungen bei den Energiepreisen um 5% gesprungen.

Um 11:00 Uhr folgen die Zahlen zu den Einzelhandelsumsätzen in der Eurozone, bevor am frühen Nachmittag in den USA die jüngsten Daten zur Produktivität und die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe veröffentlicht werden.

Auf der Ergebnisseite verspricht die Sitzung mit den Publikationen von Engie, Henkel, Legrand oder auch Shell auf dem alten Kontinent erneut intensiv zu werden. Diesen wird zur Mittagszeit die Veröffentlichung von McDonald's auf der anderen Seite des Atlantiks folgen.