Erfolgreiche Berichtssaison als Befreiungsschlag für die Märkte?
Die wichtigsten europäischen Börsen dürften am Dienstagmorgen im Plus eröffnen. Gestützt wird die Stimmung durch Friedenshoffnungen im Nahen Osten sowie einen gewissen Optimismus zum Auftakt der Quartalssaison. Dies könnte es den Anlegern ermöglichen, die Sorgen rund um die Iran-Krise vorerst beiseite zu schieben und sich wieder auf die Fundamentaldaten zu konzentrieren. Den ersten Indikationen zufolge steuert der CAC 40 zur Eröffnung auf ein Plus von über 0,1 % zu, der DAX wird rund 0,7 % höher erwartet und der Euro STOXX 50 notiert vorbörslich knapp 0,6 % im Aufwind.
Veröffentlicht am 14.04.2026 um 08:38
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Das Tempo der Veröffentlichungen wird in den kommenden Tagen deutlich anziehen: Auf der Agenda stehen die Zahlen von vier Dow-Jones-Konzernen und 28 Werten aus dem S&P 500.
Nach den gemischten Zahlen von Goldman Sachs werden zur Mittagszeit weitere Bankenschwergewichte wie JPMorgan Chase, Citi und Wells Fargo ihre Quartalsergebnisse vorlegen, ebenso wie der Pharmariese Johnson & Johnson.
Am Donnerstagabend folgt Netflix, was einen ersten Einblick in die finanzielle Verfassung der Tech-Größen gewähren wird.
Unternehmensergebnisse auf dem Prüfstand des Ölschocks
Die Investoren können somit beginnen, die Unternehmensbilanzen zu analysieren, um eine erste Vorstellung von den konkreten Auswirkungen des Krieges gegen den Iran und des daraus resultierenden Energiepreissprungs zu erhalten.
Laut Daten von FactSet dürften die Gewinne der im S&P 500 gelisteten Unternehmen im ersten Quartal im Schnitt um 12,6 % gestiegen sein – dies wäre das sechste Quartal in Folge mit einem zweistelligen Wachstum.
Diese Performance könnte jedoch durch die Ausblicke auf die kommenden Quartale und die potenziellen Folgen der gestiegenen Energiekosten überschattet werden.
Einige Marktteilnehmer sind jedoch der Ansicht, dass die schlechten Nachrichten bereits weitgehend in den Kursen eingepreist sind und Wall Street während der Berichtssaison zulegen könnte.
S&P 500 macht Verluste wett und nähert sich Rekordniveaus
Tatsächlich hat der S&P 500 seit seinem Tiefststand vom 30. März bereits wieder fast 8 % an Wert gewonnen. Dies verdeutlicht, dass die Aussicht auf solide Ergebnisse die Indizes aus ihrer jüngsten Lethargie befreien könnte. Der Referenzindex der US-Fondsmanager liegt damit nur noch 1,7 % unter seinem Allzeithoch.
"Diese Bewegung bestätigt, dass sich die Marktstimmung deutlich gedreht hat: Nach der Korrektur fließt wieder Kapital zu, und die Nachfrage ist robust genug, um den Trend kurzfristig zu stützen", erklärt Linh Tran, Marktanalystin bei XS.com.
Während die Ergebnisse dazu dienen, die Auswirkungen des Iran-Konflikts auf US-Großkonzerne zu bewerten, liefern sie auch verlässliche Hinweise auf die wirtschaftliche Lage in Europa, wo die Unternehmen des alten Kontinents ebenfalls vor einem echten Test stehen.
LVMH meldete gestern Abend Erstquartalsumsätze im Rahmen der Erwartungen, gab sich jedoch mit Blick auf die "aktuelle" Lage wachsam. Der Konzern schätzt, dass der Konflikt das organische Wachstum im Quartal mit etwa 1 % belastet hat.
Heute Morgen präsentierte Publicis für die ersten drei Monate des Jahres ein organisches Wachstum von 4,5 %, was den Prognosen entsprach, und bestätigte die Ziele für das Gesamtjahr.
Die erste große Bewährungsprobe steht jedoch morgen mit der Vorlage der Quartalszahlen von ASML an, dem niederländischen Giganten für Halbleiter-Equipment.
Nach Daten der Deutschen Bank dürften die Gewinne der börsennotierten europäischen Unternehmen im Jahresvergleich im Schnitt um 2 % gestiegen sein. Die deutsche Bank hält jedoch eine positive Überraschung von bis zu 3 % für möglich.
Diplomatische Front bleibt unter genauer Beobachtung
Dennoch wird die Wiederaufnahme der Berichtssaison die Geschehnisse im Nahen Osten nicht völlig verdrängen. Die Anleger beobachten die jüngsten diplomatischen Entwicklungen weiterhin sehr genau.
In diesem Punkt wird der Optimismus durch jüngste Aussagen von Donald Trump genährt, wonach der Iran ein Abkommen anstrebe, während er gleichzeitig jegliche Möglichkeit für Teheran ausschloss, in den Besitz von Nuklearwaffen zu gelangen.
Diese Äußerungen fallen in ein weiterhin angespanntes Umfeld, nachdem Washington eine Militärblockade gegen Schiffe aus iranischen Häfen angekündigt hat, während der Iran nach dem Scheitern der Verhandlungen mit Vergeltungsmaßnahmen gegen die Hafeninfrastruktur seiner Nachbarn am Golf drohte.
Angesichts dieser neuen Anzeichen einer Deeskalation verzeichnen die Ölpreise einen deutlichen Rückgang. Ein Barrel der Sorte Brent verbilligt sich um 0,8 % auf 98,5 Dollar, während WTI um 1,7 % auf 97,3 Dollar nachgibt.
Der Rückgang der Risikoaversion belastet sichere Häfen jedoch kaum: Der Yen legt gegenüber dem Dollar um 0,1 % zu, Gold gewinnt 0,4 % auf 4 786,8 Dollar pro Unze, und die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen sinkt um zwei Basispunkte auf unter 4,30 %.
Der Euro gewinnt den vierten Handelstag in Folge gegenüber dem Dollar an Boden; die Gemeinschaftswährung legt um 0,1 % auf über 1,1760 zum Greenback zu.
Zu den heute erwarteten Indikatoren gehören die Erzeugerpreise in den USA. Da Energie etwa 5 % des Indexgewichts ausmacht, dürfte der kräftige Anstieg der Ölpreise im Vormonat die Erzeugerpreise im März auf über 4 % im Jahresvergleich getrieben haben – den höchsten Stand seit drei Jahren.



















