Berlin, 16. Jan (Reuters) - Die Energiebranche hat die Einigung der Bundesregierung mit der EU-Kommission auf eine neue Kraftwerksstrategie begrüßt, dringt aber auf eine rasche Umsetzung.

Der Verzicht auf ein festes Datum für den Umstieg neuer Gaskraftwerke auf Wasserstoff reduziere das Investitionsrisiko erheblich, sagte die Chefin des Branchenverbands BDEW, Kerstin Andreae, am Freitag. Sie forderte die Regierung auf, das nötige Gesetz möglichst noch vor dem Sommer zu verabschieden. Dies sei die Voraussetzung für die endgültige EU-Genehmigung und den Start der Ausschreibungen. Die Grünen sprachen von einem "Eigentor beim Klimaschutz".

Die Bundesregierung hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass sie zur Sicherung der Stromversorgung noch 2026 neue, steuerbare Kraftwerkskapazitäten mit einer Leistung von insgesamt zwölf Gigawatt ausschreiben will. Die neuen Anlagen sollen spätestens 2031 in Betrieb gehen und einspringen, wenn Sonne und Wind nicht ausreichend Strom liefern. Da sich der Bau solcher nur bei Bedarf zugeschalteten Anlagen für Investoren kaum rechnet, müssen sie voraussichtlich mit einem Milliardenbetrag gefördert werden. Eine Größenordnung der Kosten nannte die Regierung nicht. Die staatliche Förderung ist eine Beihilfe und muss daher noch von der EU-Kommission endgültig genehmigt werden.

Von den zwölf Gigawatt sind zehn für Anlagen wie Gaskraftwerke vorgesehen, die über längere Zeit ununterbrochen Strom liefern können. Zwei Gigawatt sollen technologieoffen vergeben werden. Alle neuen Gaskraftwerke müssen von Beginn an für eine Umrüstung auf Wasserstoff ausgelegt und spätestens 2045 vollständig klimaneutral sein. Um den Umstieg zu beschleunigen, sollen ab 2027 in einem Stufenplan Anreize für eine frühere Umstellung auf Wasserstoff geschaffen werden.

Andreae nannte die Einigung ein entscheidendes Signal für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Bei den Grünen stießen die Regierungspläne auf Kritik. "Das späte Datum zur Umstellung auf grünen Wasserstoff verlängert unsere Abhängigkeit von fossilem Gas", sagte ihr Energieexperte Michael Kellner der Nachrichtenagentur Reuters. "Es ist zugleich ein Eigentor beim Klimaschutz."

Die neuen Kraftwerke sind nach Darstellung der Regierung notwendig, um die Versorgungssicherheit nach dem Atomausstieg und im Zuge des schrittweisen Kohleausstiegs zu gewährleisten. Sie sollen als flexible Reserve dienen, um die schwankende Einspeisung aus erneuerbaren Energien auszugleichen.

(Bericht von Holger Hansen, redigiert von Myria Mildenberger Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)