Berlin, 28. Jan (Reuters) - Der verstaatlichte Strom- und Gaskonzern Uniper setzt bei der Privatisierung in einem zentralen Punkt auf Nachsicht der EU-Kommission.
Die Wettbewerbshüter hätten Verständnis dafür, dass die russische Tochtergesellschaft Unipro derzeit unverkäuflich sei, sagte Vorstandschef Michael Lewis in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters am Rande des "Handelsblatt Energie-Gipfels 2026" in Berlin. Die EU-Kommission verstehe, dass Unipro in eine andere Kategorie falle als die anderen Vermögenswerte, die Uniper im Gegenzug für die Rettung durch den Staat verkaufen musste. Die Experten in Brüssel wüssten, dass Uniper keine Kontrolle über den Vermögenswert habe und ihn nicht veräußern könne.
Uniper war 2022 infolge der europäischen Energiekrise vom deutschen Staat gerettet worden. Die EU-Kommission hatte die Genehmigung für das 13,5 Milliarden Euro schwere Rettungspaket an mehrere Bedingungen geknüpft. Dazu zählte der Verkauf von zehn Vermögenswerten bis Ende 2026. Neun davon, darunter das Steinkohlekraftwerk Datteln 4, sind inzwischen veräußert worden oder der Verkaufsprozess läuft.
Unipro, an der Uniper eine Beteiligung von 83,7 Prozent hält, steht jedoch unter russischer Zwangsverwaltung. Die Beteiligung hat einen Wert von 106,5 Milliarden Rubel (rund 1,17 Milliarden Euro). Lewis erklärte, dass mögliche Erlöse aus einem späteren Verkauf ein Zusatzgewinn wären, da die Beteiligung bereits abgeschrieben sei. Er erwarte, dass die Tochtergesellschaft vorerst unter russischer Kontrolle bleibe.
Die Bundesregierung versucht derzeit, ihre Beteiligung von 99,12 Prozent an Uniper wieder zu verkaufen. Dies soll über eine Börsennotierung oder einen direkten Verkauf geschehen. Lewis sagte, das Unternehmen sei für beides bereit, nachdem kürzlich ein Dividendenverbot aufgehoben worden sei. Die Zahlung einer Dividende gilt als Voraussetzung für eine erfolgreiche Reprivatisierung.
Der Manager, der seit Juni 2023 das Düsseldorfer Unternehmen führt, erklärte zudem, dass Uniper seine schwedischen Kernkraft- und Wasserkraftaktivitäten behalten wolle. Es gebe keine Pläne, dieses Geschäft zu veräußern. "Es liefert einen soliden Cashflow und solide Erträge, und das ist genau das, was wir brauchen." Für den Fall eines Verkaufs bis Ende 2026 hat der finnische Konzern Fortum ein Vorkaufsrecht.
(Bericht von Christoph Steitz, bearbeitet von Tom Käckenhoff, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
- von Christoph Steitz


















