Zweifellos hat J.P. Morgan in dieser Zeit ihre Krone mit Bravour verteidigt – mit einer Serie außergewöhnlich starker Ergebnisse, insbesondere dank der Performance im Bereich Investment- und Firmenkundengeschäft.

Letzteres trägt im laufenden Geschäftsjahr einen größeren Anteil zum konsolidierten Vorsteuergewinn bei als das Privatkundengeschäft – vor allem wegen des Handelsgeschäfts, das die Hälfte der Segmenterlöse ausmacht und weiterhin von extrem dynamischen Kapitalmärkten profitiert.

Das zu Ende gehende Jahr ist somit ein weiterer Jahrgang mit Spitzenqualität: Die Eigenkapitalrendite liegt bei 17 %, die Einlagen wuchsen um 6 %, und die vergebenen Kredite legten um 11 % zu – insbesondere im Bereich der Großfinanzierungen für andere Finanzinstitute. Bemerkenswert ist dabei, dass die Nettozinsmarge trotz sinkender US-Leitzinsen weiter steigt.

Der den Aktionären zurechenbare Nettogewinn ist im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 Milliarden USD zurückgegangen. Doch dank der weiterhin massiven Aktienrückkäufe – ungeachtet der unten erwähnten Risiken – klettert der Gewinn je Aktie auf 20,02 USD, nach 19,75 USD im Vorjahr.

Dennoch ist es schwer, zwei Aspekte nicht als mögliche Warnsignale eines Marktspätherbstes zu deuten: die dominierende Rolle des Handelsgeschäfts und die zunehmende Bedeutung der Großkreditvergabe. Zumal die Bewertung der Aktie mittlerweile nahe an historischen Höchstständen liegt – auf dem Niveau des Dreifachen des materiellen Eigenkapitals (tangible book value).

Die letzte Phase, in der solche Bewertungsniveaus erreicht wurden, war im Jahr 2008 – kurz vor Ausbruch der Subprime-Krise. Vor diesem Hintergrund überrascht es, dass die von Jamie Dimon geführte Bank im laufenden Jahr knapp 30 Milliarden USD – netto, also abzüglich aktienbezogener Neuemissionen – für Rückkäufe eigener Aktien aufgewendet hat.

Dabei hatte Dimon selbst im Mai 2024 unmissverständlich davor gewarnt, eigene Titel zu einem Preis über dem Zweifachen des Tangible Book Value zurückzukaufen – ein Punkt, den MarketScreener bereits vor genau einem Jahr kritisch aufgegriffen hatte. Trotzdem wurde die Aktie weiterhin von Investoren gefeiert – ungeachtet aller mahnenden Stimmen.

Dass die Quartalszahlen von J.P. Morgan gestern negativ aufgenommen wurden, lag insbesondere an einer Ankündigung der Bank: Die operativen Aufwendungen sollen im kommenden Jahr um 10 Milliarden USD steigen.