Block 1: Die wichtigsten Nachrichten

Tether strebt eine Rekord-Kapitalaufnahme von 20 Milliarden Dollar an, um ein Imperium jenseits von Stablecoins aufzubauen

Der Stablecoin-Riese Tether soll sich laut Bloomberg in fortgeschrittenen Gesprächen befinden, um zwischen 15 und 20 Milliarden US-Dollar einzuwerben. Ziel: eine beschleunigte Diversifizierung weit über den USDT hinaus, der mit mehr als 172 Milliarden Dollar im Umlauf bereits Marktführer ist. Diese Kapitalaufnahme, die Tether mit bis zu 500 Milliarden Dollar bewerten würde (vergleichbar mit OpenAI oder SpaceX), soll seine Projekte in den Bereichen KI, Energie, Medien, Kommunikation und Rohstoffe finanzieren. Ein gewaltiges Vorhaben, just in dem Moment, in dem das Unternehmen USAT lanciert hat, einen Stablecoin speziell für den US-Markt, um die regulatorischen Hürden des USDT in den Vereinigten Staaten zu umgehen. Sollte die Transaktion gelingen, würde sich Tether als einer der mächtigsten Finanzakteure des globalen Web3 etablieren.

Changpeng Zhao investiert 10 Milliarden über Yzi Labs, seinen global ausgerichteten Krypto-Fonds

Der Ex-Binance-Chef Changpeng Zhao bleibt über Yzi Labs ein Schwergewicht im Krypto-Ökosystem. Der Anfang 2025 gestartete Fonds verfügt über 10 Milliarden Dollar, gespeist aus Zhaos persönlichem Vermögen sowie Beiträgen ehemaliger Binance-Manager. Unter Leitung von Ella Zhang könnte sich Yzi Labs bald für externe Investoren öffnen, während zugleich das Know-how in KI, Biotechnologie und Robotik gestärkt wird – auch wenn 70 % der Mittel weiterhin in Kryptowährungen fließen. Während CZ seine Strafe wegen Geldwäschevorwürfen absitzt und auf eine Begnadigung hofft, sehen manche in Yzi Labs bereits die Startrampe für sein Comeback. Unbestritten ist: Der Fonds etabliert sich als bedeutender Player im Web3-Risikokapital, gestützt auf eines der größten Krypto-Vermögen der Welt: 81 Milliarden Dollar.

Trump & Krypto: World Liberty Financial bereitet eigene Bezahlkarte vor

Das Krypto-Projekt der Trump-Familie, World Liberty Financial (WLFI), verliert keine Zeit. Nach der Lancierung zweier Kryptowährungen bringt das Unternehmen nun eine eigene Bezahlkarte auf den Markt, die bald in Apple Pay integrierbar sein soll, so Mitgründer Zak Folkman. Auch eine Zahlungs-App ist geplant – halb Venmo, halb Robinhood –, jedoch ohne eigene Blockchain. World Liberty will „agnostisch“ sein und nicht selbst als Infrastrukturbetreiber auftreten. Trotz Kontroversen um mögliche Interessenkonflikte treibt das Projekt seine Expansion voran, untermauert von einer Langfriststrategie: „Wir denken in Jahrzehnten“, versichert Zak Folkman.

Die Deutsche Bank vergleicht Bitcoin mit Gold

In einem diese Woche veröffentlichten Bericht zieht die Deutsche Bank einen kühnen Vergleich zwischen Bitcoin und Gold. BTC, lange Zeit als spekulativer Vermögenswert betrachtet, befinde sich in einem Wandel, getragen vom wachsenden Interesse institutioneller Investoren und seinem Potenzial als makroökonomisches Absicherungsinstrument. Die Bank konstatiert, dass „die Geschichte sich wiederholt“: Wie einst Gold gewinne Bitcoin trotz Volatilität und anfänglicher Zweifel an Reife. Mit dem Rückgang des Dollar-Anteils an den weltweiten Reserven (43 % gegenüber 60 % im Jahr 2000) könnte BTC Zentralbanken anziehen, die nach neuen Reservewerten suchen. Nach Einschätzung der Deutschen Bank könnte Bitcoin bis 2030 in offizielle Bilanzen aufgenommen werden – Seite an Seite mit Gold. Ein Szenario der Koexistenz, in dem beide Vermögenswerte als strategische Diversifizierung dienen würden – gegen geopolitische wie monetäre Unsicherheiten.

Block 2: Die Krypto-Analyse der Woche

Die US-Börsenaufsicht SEC hat soeben generische Listing-Standards für ETFs genehmigt, die auf Kryptowährungen basieren. Vorbei das prozedurale Labyrinth mit 240 Tagen Prüfungszeit. Nun erlaubt eine einheitliche Regel – die berühmte Rule 6c-11 – die Genehmigung binnen weniger Wochen dessen, was zuvor Monate dauerte.

Für Altcoin-Fans bedeutet das eine Revolution. Solana, XRP, Litecoin, Dogecoin und ein Dutzend weiterer Assets, die bereits über Futures-Kontrakte auf Coinbase oder über bestehende Überwachungsrahmen verfügen, könnten bald einen genehmigten Spot-ETF erhalten. Die Logik ist simpel: Ist ein Asset bereits über Futures oder existierende ETFs überwacht, kann es künftig als Basiswert dienen, ohne erneut das langwierige Rule-19b-4-Verfahren durchlaufen zu müssen.

  • Rule 19b-4: Das Schwerlast-Verfahren. Jedes Mal, wenn eine Börse (NYSE/Nasdaq/Cboe) einen neuen „ungewöhnlichen“ ETF (z. B. Krypto-Spot) listen will, muss sie eine Regeländerung bei der SEC beantragen. Diese hat dann rund 240 Tage Zeit für eine Entscheidung. Langwierig und unsicher.
  • Rule 6c-11: Der Schnellweg für Standard-ETFs. Wenn der ETF vordefinierte Kriterien erfüllt (Marktüberwachung, Transparenz, Liquidität etc.), ist keine Rule-19b-4-Prozedur nötig. Die Börse kann den ETF quasi „standardmäßig“ listen – deutlich schneller. Für Kryptowährungen, die bereits durch regulierte Futures oder bestehende Rahmenwerke überwacht werden, kann ein Spot-ETF somit in Wochen statt Monaten Realität werden.

Liste aller Kryptowährungen mit Futures-Kontrakten auf Coinbase = Kandidaten für die Umwandlung in Spot-ETFs. (Quelle: Bloomberg)

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. James Seyffart (Bloomberg Intelligence) sprach von dem „Framework, auf das man jahrelang gewartet hat“. Eric Balchunas (Bloomberg) ergänzte: „Als die SEC das letzte Mal generische Standards für ETFs eingeführt hat, verdreifachte sich die Zahl der Lancierungen. Rechnen Sie mit mehr als 100 Krypto-ETFs, die in den nächsten 12 Monaten auf den Markt kommen.“ Kurz gesagt: ein regulierter Dammbruch.

Die Präzedenzfälle geben die Richtung vor. 2019 ließ die Einführung generischer Standards für Aktien-ETFs die Zahl der Neulancierungen von 117 pro Jahr auf fast 370 steigen.

Explosion der Zahl neuer Aktien-ETFs nach den Regeländerungen (Quelle: Bitwise)

Ein vergleichbares Szenario auf Kryptowährungen angewendet könnte die Investmentlandschaft fundamental verändern: nicht nur Dutzende neuer Produkte, sondern auch eine massive Öffnung bislang blockierter Kapitalquellen. Pensionsfonds, Versicherungen, 401(k)-Programme, Vermögensverwalter – allesamt Akteure, die bisher weder Willen noch Möglichkeit hatten, ein Konto bei einem Krypto-Exchange zu eröffnen, aber problemlos einen ETF am Nasdaq kaufen können.

Ganz automatisch wird es allerdings nicht gehen. Die Regeln verlangen weiterhin, dass die betreffenden Assets seit mindestens sechs Monaten reguliert überwacht oder Basiswert von Futures-Kontrakten sind. Doch die Tür steht offen – und für Altcoins, die bislang auf der Ersatzbank saßen, ist die Perspektive eindeutig: ein legitimes Eintrittsticket in die traditionelle Finanzwelt.

Neben dem unmittelbaren Effekt verstärkt sich ein weiterer Trend: die Diversifikation. Grayscale hat grünes Licht erhalten, seinen Digital Large-Cap Fund in einen ETF umzuwandeln – ein Schritt in Richtung Krypto-Indexprodukte. Wie bei klassischen Aktienindizes besteht die Idee darin, mit einem einzigen Produkt Zugang zu einem Korb von Tokens zu bieten, statt auf nur einen zu setzen. Eine attraktive Option für vorsichtige institutionelle Investoren – aber auch für Privatanleger, die einen „schlüsselfertigen“ Einstieg ins volatile Krypto-Universum suchen.

Kurzum: Nachdem Bitcoin (BTC) und Ether (ETH) den Sprung ins ETF-Zeitalter geschafft haben, eröffnet die SEC nun die Bühne für den Rest. Die nächste „Altcoin-Season“ wird womöglich nicht mehr auf Binance oder Coinbase gespielt – sondern auf den Bildschirmen der Portfoliomanager an der Wall Street. Fortsetzung folgt.

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Block 3: Lesestoff der Woche

Bessent bets on stablecoins to stimulate demand for Treasury bills (The Atlantic)

Cryptocurrencies losebns every year. Traditional finance is watching (CoinDesk)