Der Nikkei 225 legt einen fulminanten Jahresauftakt hin und notiert seit dem 1. Januar 13 % im Plus. Dies folgt auf drei bereits ausgesprochen starke Jahre: +28 % im Jahr 2023, +19 % im Jahr 2024 und +26 % im Jahr 2025.
Unter den Indizes der Industrieländer schneiden lediglich zwei besser ab als der Nikkei: der südkoreanische KOSPI (+31 %) und der taiwanesische TWSE (+19 %). Beide Indizes weisen jedoch eine Besonderheit auf, da ihre Entwicklung stark von ein oder zwei Halbleitergiganten abhängt – dem Sektor, der seit Jahresbeginn im Fokus der Anleger steht (Samsung und SK Hynix in Südkorea, TSMC in Taiwan).
Die Rally am japanischen Aktienmarkt wird insbesondere vom Wahlsieg der Premierministerin bei den Parlamentswahlen getragen. Gestützt auf hohe Zustimmungswerte seit ihrem Amtsantritt im vergangenen Oktober entschied sich Sanae Takaichi im Januar zur Auflösung des Repräsentantenhauses. Ein politisches Wagnis, das sich angesichts der Ergebnisse vom 8. Februar ausgezahlt hat.
Mit 316 von 465 Sitzen sicherte sich Sanae Takaichi die stärkste Mehrheit der Liberaldemokratischen Partei im Unterhaus. Dieser Erfolg verschafft ihr erheblichen Spielraum zur Umsetzung ihrer Agenda. Innenpolitisch setzt sie auf eine wirtschaftliche Belebung, außenpolitisch auf ein selbstbewusster auftretendes Japan. Für das Magazin The Economist ist Sanae Takaichi damit „die mächtigste Frau der Welt“.
Unterstützung erhalten japanische Aktien zudem durch die Stabilisierung des Yen. Japanische und amerikanische Behörden signalisierten im Januar die Möglichkeit einer Intervention über eine technische Operation der Federal Reserve Bank of New York. Ziel ist es, dem Markt ein klares Signal zu senden und die Abwertung der Währung zu stoppen. Die Yen-Schwäche hatte internationale Investoren lange abgeschreckt, da sie eine reale Wertminderung ihrer Engagements bedeutete.
Nach dem Platzen der Blase Ende der 1980er-Jahre waren japanische Märkte über Jahre hinweg von internationalen Investoren gemieden worden. Seit einigen Jahren rückt Japan jedoch wieder stärker in den Fokus. Zum einen, weil der Markt zahlreiche qualitativ hochwertige Unternehmen bei attraktiven Bewertungsniveaus vereint. Zum anderen, weil sich die Corporate Governance verbessert hat, insbesondere durch den schrittweisen Abbau von Überkreuzbeteiligungen. Schließlich haben viele Unternehmen ihre Ausschüttungspolitik überarbeitet und geben inzwischen deutlich mehr Kapital an ihre Aktionäre zurück.
Für den weiteren Verlauf des Nikkei wird entscheidend sein, ob Sanae Takaichi ihr wirtschaftliches Stimulusprogramm erfolgreich umsetzen kann und wie die Bank of Japan ihren Kurs in der fortgesetzten Normalisierung der Geldpolitik gestaltet.


















