Im Jahr 2012 standen einige Länder im Zentrum der europäischen Staatsschuldenkrise. Aus dieser Zeit ist ein Akronym geblieben: die PIIGS (Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien). Seither haben die meisten dieser Staaten ihre öffentlichen Finanzen jedoch deutlich konsolidiert.
Heute richtet sich die Aufmerksamkeit der Märkte auf drei andere Länder: Frankreich, das Vereinigte Königreich und Italien. Craig Inches, Portfoliomanager bei Royal London Asset Management, fasst sie unter dem Kürzel BIF zusammen. Diese drei Volkswirtschaften weisen sowohl hohe Schuldenstände als auch erhebliche Haushaltsdefizite auf – und stehen damit besonders im Fokus, wenn die Zinsen steigen.
Genau das ist infolge des Krieges im Iran geschehen. Die Inflation ist erneut in den Vordergrund gerückt, und Marktteilnehmer, die zu Jahresbeginn noch auf Zinssenkungen gesetzt hatten, rechnen inzwischen wieder mit steigenden Leitzinsen.
Der kräftige Zinsanstieg spiegelt zudem die Erwartung höherer Defizite wider. Zum einen aufgrund kurzfristiger Maßnahmen zur Abfederung der Krise. In Italien etwa wird die Senkung der Kraftstoffsteuern mit rund 417 Millionen Euro veranschlagt.
Zum anderen zwingt der Konflikt im Iran die Staaten dazu, ihre Abhängigkeit von fossilen Energien zu verringern und zugleich ihre Verteidigungskapazitäten auszubauen. So hat die französische Regierung kürzlich eine Aktualisierung des Militärprogrammgesetzes vorgeschlagen, die für den Zeitraum 2024 bis 2030 zusätzliche Verteidigungsausgaben in Höhe von 36 Milliarden Euro vorsieht.
Wie wir in der vergangenen Woche auf MarketScreener erläutert haben, scheinen die Aktienmärkte den Iran-Konflikt bereits weitgehend verarbeitet zu haben. Die US-Indizes haben neue Höchststände erreicht. Am Anleihemarkt stellt sich die Lage jedoch differenzierter dar. Zwar kam es nach der Ankündigung eines Waffenstillstands zwischen den USA und Iran vor zehn Tagen zu einer gewissen Entspannung, doch die Renditen verharren auf erhöhtem Niveau. Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen erreichte Ende März mit 3,89 Prozent den höchsten Stand seit 2009 und liegt aktuell bei 3,67 Prozent – immer noch mehr als 40 Basispunkte über dem Niveau von Ende Februar.

Auch politische Unsicherheit trägt dazu bei, dass die BIF im Fokus der Investoren bleiben. Seit der Auflösung der Nationalversammlung im Juni 2024 hat Frankreich vier Regierungen erlebt, und die Verabschiedung des Haushalts gestaltet sich als äußerst schwierig. Im Vereinigten Königreich ist die Labour-Partei zwar seit zwei Jahren an der Macht, doch Premierminister Keir Starmer wirkt angeschlagen, während das Trauma der Amtszeit von Liz Truss noch nachwirkt.
Historisch galt Italien als Inbegriff politischer Instabilität. Seit 2022 ist es Giorgia Meloni jedoch gelungen, diesen Ruf zumindest vorübergehend zu widerlegen. Ihre Regierung könnte in diesem Jahr zur langlebigsten seit dem Zweiten Weltkrieg werden und damit den bisherigen Rekord des zweiten Berlusconi-Kabinetts (3 Jahre, 10 Monate und 12 Tage) übertreffen.






















