Beginnen wir mit dem derzeit wichtigsten Thema an den Märkten: dem Öl. Gestern schlug die Internationale Energieagentur vor, 400 Millionen Barrel aus den strategischen Reserven ihrer Mitgliedsländer freizugeben. Ziel war es, einen Markt zu entlasten, der seit der faktischen Schließung der Straße von Hormus unter erheblichem Druck steht, und damit die Preise wieder zu senken. Doch die Ankündigung löste keine nennenswerte Marktreaktion aus. Einige Stunden zuvor, als Bloomberg die Nachricht veröffentlichte, war der Brent-Preis sogar um drei Dollar pro Barrel gestiegen. Das war eine durchaus kontraintuitive Reaktion, denn ein größeres Angebot sollte die Preise in einem Markt normalerweise nach unten drücken.

Dabei sprechen wir hier von der Mobilisierung von bis zu einem Drittel der Reserven der IEA-Mitglieder. Doch der Rückgriff auf strategische Bestände signalisiert Investoren zugleich, dass die Störungen auf dem Ölmarkt noch eine gewisse Zeit anhalten könnten. Außerdem wird das Gleichgewicht am Ölmarkt durch Ströme bestimmt, nicht durch Lagerbestände. Entscheidend ist daher, wie viele zusätzliche Barrel pro Tag tatsächlich auf den Markt gebracht werden können. Citigroup schätzt, dass derzeit zwischen elf und sechzehn Millionen Barrel pro Tag aus dem Persischen Golf fehlen. Die Freigabe strategischer Reserven kann diese Lücke nur teilweise schließen.

Am Morgen näherte sich der Brent-Preis wieder der Marke von 100 Dollar pro Barrel, nachdem zwei Tanker in irakischen Hoheitsgewässern getroffen worden waren. Vor diesem Hintergrund bleiben Inflationssorgen ein zentrales Thema. Die gestern veröffentlichten US-Verbraucherpreisdaten für Februar lösten an den Märkten kaum Reaktionen aus. Zwar fiel die Kerninflation auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren, doch die Investoren rechnen inzwischen weitgehend damit, dass sie in den kommenden Monaten wieder anziehen dürfte - vorausgesetzt, der Energieschock hält an.

Die Sitzung am Mittwoch endete für die europäischen Indizes im Minus, belastet vor allem durch Verteidigungswerte. Die Zahlen von Rheinmetall enttäuschten die Anleger. Die Aktie schloss acht Prozent im Minus und zog den gesamten Sektor nach unten. An der Wall Street fiel der Handelsschluss gemischt aus: −0,08 % für den S&P 500, +0,03 % für den Nasdaq und −0,61 % für den Dow Jones.

Ein Blick auf die vergangenen zehn Tage zeigt jedoch, dass sich die US-Indizes vergleichsweise robust gehalten haben. Der S&P 500 liegt seit Freitag, dem 27. Februar – dem Tag vor dem Beginn der US-israelischen Operation – lediglich rund zwei Prozent im Minus. In Europa fiel der Rückgang deutlicher aus, da der Kontinent stärker vom Energieschock betroffen ist. Der Stoxx 600 verlor im gleichen Zeitraum fünf Prozent. Dennoch bleibt das ein begrenzter Rücksetzer für Indizes, die zuvor nahe ihren Rekordständen notierten.

Die Aktienmärkte scheinen also weiterhin auf die These eines kurzen Konflikts zu setzen. Diese Einschätzung wurde durch mehrere Äußerungen von Donald Trump seit Beginn der Woche gestützt. Nachdem er erklärt hatte, der Krieg könne „sehr bald“ enden, sagte er gestern gegenüber Axios zudem, dass es in Iran ohnehin nichts mehr zu zerstören gebe.

Doch überschätzen die Märkte womöglich seine Fähigkeit, den Verlauf der Ereignisse zu bestimmen? Es handelt sich hier nicht um einen „Liberation Day“. Es geht nicht einfach darum, Zölle zu verhängen und sie später wieder aufzuheben. Der US-Präsident hat einen regionalen Konflikt mit globalen Auswirkungen ausgelöst. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten ihrerseits, dass sie entscheiden würden, wann der Konflikt endet. Sie konnten kaum etwas anderes sagen. Doch selbst ein stark geschwächtes iranisches Regime könnte weiterhin über beträchtliche Störpotenziale verfügen und den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus noch monatelang beeinträchtigen.

Am Nachmittag werden die Märkte eine neue Reihe von US-Wirtschaftsdaten auswerten, darunter Zahlen zum Arbeitsmarkt, zum Immobiliensektor und zum Außenhandel. Doch die Aufmerksamkeit richtet sich derzeit auf andere Themen. Auf Öl natürlich – aber auch auf den Markt für sogenanntes Private Debt. Gemeint ist damit das enorme Volumen an Krediten, die von Nichtbanken-Finanzinstituten an private Unternehmen vergeben und anschließend in verschiedene Produkte umgeschichtet werden, von denen einige – vorsichtig formuliert – recht aggressiv bewertet sind. Es handelt sich um einen lukrativen und zugleich wenig transparenten Markt. Kommt Ihnen das bekannt vor? In den vergangenen Wochen haben sich die Warnzeichen gehäuft, und erfahrene Finanzmarktakteure schlagen inzwischen fast täglich Alarm. Ich habe heute Morgen mit zwei Geschichten begonnen, doch eine dritte könnte in den kommenden Tagen zunehmend an Gewicht gewinnen.

Heute dürfte der Anstieg des Ölpreises in Richtung 100 Dollar pro Barrel erneut auf die Stimmung drücken. In der gesamten Asien-Pazifik-Region notieren die Indizes im Minus. Tokio schloss 1,5 % schwächer, während der MSCI Asia Pacific Index 1,6 % verlor. Auch die europäischen Leitindikatoren deuten am Morgen klar nach unten – im Einklang mit den Futures an der Wall Street.

Wirtschaftliche Höhepunkte:

Auf der heutigen Agenda: der RICS-Hauspreisindex und die Rede von BoE-Gouverneur Bailey im Vereinigten Königreich; In den Vereinigten Staaten die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, Wohnungsbaubeginne, vorläufige Baugenehmigungen, Handelsbilanz, Exporte, Importe und die Rede von Fed Bowman; In Kanada die Handelsbilanz. Die gesamte Agenda gibt es hier.

  • EUR / USD: 1,15 $
  • Gold: 5.167,04 $
  • Rohöl (Brent): 96,63 $
  • Anleihe Vereinigte Staaten 10 Jahre: 4,23 %
  • BITCOIN: 69.716,4 $

In den Nachrichten:

  • RTL: 2025 gingen Umsatz und Gewinn zurück. Für 2026 peilt das Unternehmen ein höheres operatives Ergebnis an und rechnet im Streaming-Geschäft erstmals mit Gewinn.
  • Siltronic: 2025 entstand ein Verlust von 77,9 Millionen Euro. Deshalb wird keine Dividende gezahlt.
  • BMW: 2025 sanken Umsatz und Gewinn. Die Dividende steigt dennoch auf 4,40 Euro je Stammaktie.
  • Hannover Rück: Der Nettogewinn stieg 2025 um 13% auf 2,64 Milliarden Euro. Die Dividende wird auf 12,50 Euro je Aktie erhöht.
  • Brenntag: 2025 fiel der Gewinn um mehr als die Hälfte. Trotzdem plant das Unternehmen eine Dividende von 1,90 Euro je Aktie.
  • Zalando: Der Umsatz stieg 2025 um 16,8% auf 12,3 Milliarden Euro. Zudem kündigte das Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm über 300 Millionen Euro an.
  • Daimler Truck: 2025 sank der Umsatz um 10%. Die Dividende bleibt mit 1,90 Euro je Aktie stabil.
  • RWE: Der bereinigte Nettogewinn ging 2025 auf 1,8 Milliarden Euro zurück. Für 2026 plant das Unternehmen eine Dividende von 1,32 Euro je Aktie und rechnet mit steigenden Gewinnen.
  • K+S: 2025 lag das EBITDA bei 613 Millionen Euro. Für 2026 erwartet das Unternehmen ein Ergebnis zwischen 600 und 700 Millionen Euro.
  • Grenke: 2025 stieg der Gewinn auf 71,8 Millionen Euro. Für 2026 werden bis zu 86 Millionen Euro erwartet.
  • International Personal Finance: Die Aktionäre stimmten dem überarbeiteten Übernahmeangebot von BasePoint Capital einschließlich einer Sonderdividende zu. Der Abschluss ist für das zweite Quartal 2026 geplant.
  • Legal & General Group: Der operative Gewinn stieg im Geschäftsjahr 2025 um 6% auf 1,623 Milliarden Pfund. Zugleich verwies das Unternehmen auf Sorgen wegen der schwächeren Kapitalausstattung und der Nachhaltigkeit der Ausschüttungen.
  • Hill & Smith: Der Vorsteuergewinn stieg 2025 um 6,5% auf 111,3 Millionen Pfund. Die Dividende wird um 8% auf 53,0 Pence je Aktie angehoben.
  • Revolut: Das Unternehmen erhielt eine vollständige Banklizenz im Vereinigten Königreich. Damit kann es geschützte Einlagenkonten anbieten und sein Angebot ausbauen.
  • Balfour Beatty: Der Vorsteuergewinn sprang 2025 um 51% auf 323 Millionen Pfund. Für 2026 wurde ein Aktienrückkauf über 200 Millionen Pfund angekündigt.
  • SBM Offshore: Das Unternehmen ersetzt Randstad im niederländischen AEX-Index.
  • Protector Forsikring: Das Unternehmen ersetzt MPC Container Ships im norwegischen OBX-Index.
  • Holcim: Der Konzern baut seine Position in Kolumbien aus.
  • Salvatore Ferragamo: Das Unternehmen will 2025 und 2026 insgesamt 70 Geschäfte schließen.
  • Allianz: Der Konzern prüft gemeinsam mit Sun Life ein mögliches Gebot für HSBC Life Singapore, wie Bloomberg berichtet.
  • Sun Life: Der Konzern erwägt zusammen mit Allianz ein Gebot für HSBC Life Singapore, wie Bloomberg berichtet.
  • Munters: Stefan Aspman soll als CEO auf Klas Forsström folgen.
  • Caesars Entertainment: Tilman Fertitta führt exklusive Gespräche über einen Kauf des Unternehmens.
  • Morgan Stanley: Die Bank begrenzt ebenfalls Auszahlungen aus ihren Private-Credit-Fonds.
  • Anthropic: Das Unternehmen spricht laut The Information mit Blackstone und anderen Private-Equity-Firmen über ein Joint Venture für KI-Beratung.
  • Blackstone: Die Beteiligungsgesellschaft verhandelt laut The Information mit Anthropic und weiteren Investoren über ein Joint Venture für KI-Beratung.
  • Netflix: Der Konzern will laut Bloomberg bis zu 600 Millionen Dollar für die KI-Produktionsfirma InterPositive zahlen.
  • Atlassian: Das Unternehmen baut rund 10% der Stellen ab.
  • Salesforce: Investoren verlangten laut Financial Times bei der Anleiheplatzierung über 25 Milliarden Dollar am Mittwoch deutliche Zugeständnisse.
  • Microsoft: Der Konzern bereitet die nächste Xbox-Konsole vor.
  • Palo Alto Networks: Das Unternehmen erhöht sein Aktienrückkaufprogramm um 1 Milliarde Dollar.
  • Sable Offshore: Donald Trump will zugunsten des Unternehmens ein Notstandsgesetz nutzen, während Sable Offshore die Wiederaufnahme der Förderung an mehreren Offshore-Plattformen vor Kalifornien anstrebt.

Weitere Nachrichten von Unternehmen, die in Deutschland notiert sind, finden Sie hier.

Analystenempfehlungen:

  • Porsche Ag: Landesbank Baden-Wuerttemberg hält an seiner Kaufempfehlung fest und reduziert das Kursziel von 50 EUR auf 48 EUR.
  • Andritz Ag: Oddo BHF stuft von Outperform auf Neutral mit einem von 74 EUR auf 72 EUR reduzierten Kursziel.
  • Lufthansa: DZ Bank AG Research hält an seiner Halte-Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von 7,50 EUR auf 8,60 EUR.
  • Henkel Ag & Co. Kgaa: BNP Paribas hält an seiner Outperform-Empfehlung fest und reduziert das Kursziel von 85 auf 84 EUR.
  • Wacker Chemie Ag: Barclays hält an seiner Marktgewichtung-Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von 69 auf 74 EUR.
  • Erste Group Bank Ag: UBS hält an seiner Kaufempfehlung fest und erhöht das Kursziel von 108 EUR auf 109 EUR.
  • Fraport Ag: Morgan Stanley hält an seiner Marktgewichtung-Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von 81 auf 82 EUR.
  • Rheinmetall Ag: Jefferies hält an seiner Kaufempfehlung fest und reduziert das Kursziel von 2.060 EUR auf 2.020 EUR.
  • Avolta Ag: Oddo BHF hält an seiner Outperform-Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von CHF 54 auf CHF 56.
  • Also Holding Ag: Berenberg stuft von kaufen auf halten mit einem von 320 CHF auf 165 CHF reduzierten Kursziel.