Eine neue Woche, ein neues Kapitel in der Hormus-Saga. Montage bringen oft Überraschungen, und die heutige Episode – „Project Freedom“ – kommt mit einer klaren Schlagzeile daher: Das US-Militär bereitet sich darauf vor, ab sofort Schiffe durch die Meerenge zu eskortieren. Donald Trump hat den Plan erst vor wenigen Stunden angestoßen. Das Pentagon erklärt, die Operation werde Marineeinheiten, Kampfflugzeuge und Drohnen umfassen, insgesamt rund 15.000 Einsatzkräfte. Die Details bleiben – wie so oft in einer frühen Phase – unscharf, doch das Ziel ist klar: Den Hunderten festliegenden Schiffe soll wieder Bewegung verschafft werden. Noch am Samstag lag der Verkehr bei lediglich 9 % des normalen Niveaus.
Die Märkte reagierten prompt. Die Ölpreise gaben nach – ohne jedoch einzubrechen. Brent, das am vergangenen Donnerstag noch bei 125 $ seinen Höchststand markierte, notiert inzwischen bei rund 108 $. WTI liegt bei etwa 101,50 $. Damit bleiben die Preise hoch genug, um Verbraucher und Unternehmen zu belasten – und politisch brisant. In den USA unterstreicht die Insolvenz von Spirit Airlines – mit 210 Flugzeugen und rund 11.000 Beschäftigten – die realwirtschaftlichen Folgen erhöhter Treibstoffkosten.
Genau deshalb hat das Weiße Haus allen Grund, die Lage zu entschärfen. Noch vor der Ankündigung von „Project Freedom“ bezeichnete Trump die jüngsten Gespräche mit Teheran als „sehr positiv“ – eine Formulierung, die vieles bedeuten kann, aber zumindest auf einen fortgesetzten Dialog hindeutet. Die Märkte werten dies als moderat positiv und setzen ihren Aufwärtstrend fort.
Doch die Geopolitik ist nicht der einzige Treiber. Die Unternehmenszahlen fallen solide aus, und vor allem strömt weiterhin Kapital in alles, was mit Künstlicher Intelligenz zu tun hat. Dort liegt das Geld – und das zeigt sich deutlich. Der FOMO-Trade ist lebendig. Ist das vollkommen rational? Nicht wirklich. Völlig irrational? Auch nicht. Investoren wissen, wo das Momentum liegt.
Der Freitag (in mehreren Märkten ein Feiertag, nicht jedoch in den USA) folgte dem inzwischen vertrauten Muster: KI-Aktien legten kräftig zu, während der Rest zurückblieb. Seit dem Tief Ende März ist der Nasdaq 100 um 20,5 % gestiegen, gegenüber 7,6 % beim S&P 500 Equal Weight Index – ein klarer Hinweis darauf, dass weiterhin die Mega-Cap-Technologiewerte den Markt treiben.
Worauf zu Wochenbeginn zu achten ist:
- Donald Trump hat mit einem Zoll von 25 % auf europäische Autos gedroht und wirft der EU vor, ihren Verpflichtungen aus Handelsabkommen nicht nachzukommen. Einige sehen darin eine Spitze gegen Deutschland, nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz die Iran-Operation kritisiert hatte.
- OPEC+ hat eine dritte Förderausweitung seit der Störung in der Straße von Hormus beschlossen.
- China hat seine Unternehmen angewiesen, US-Sanktionen gegen fünf heimische Raffinerien mit Bezug zu iranischem Öl zu ignorieren.
- Japan hat vermutlich Ende vergangener Woche zur Stützung des Yen eingegriffen, auch wenn offizielle Bestätigungen bislang ausstehen.
- Marco Rubio wird am Donnerstag voraussichtlich Papst Leo XIV. treffen.
- Makroökonomisch steht am Freitag der US-Arbeitsmarktbericht für April im Fokus. Die Entscheidung der australischen Notenbank am Dienstag dürfte weniger Gewicht haben.
- Die Berichtssaison bleibt ein zentrales Thema. In den USA stehen unter anderem Palantir Technologies, Advanced Micro Devices und The Walt Disney Company im Blick. In Europa: UniCredit, Novo Nordisk, AXA und Engie.
Im asiatisch-pazifischen Raum setzt sich die KI-Rally fort. Südkorea liegt 4,5 % im Plus und Taiwan 4,4 %, getragen von Werten wie SK Hynix, Samsung Electronics und TSMC. Hongkong gewinnt 1,7 %, Indien 0,7 %. Australien hinkt hinterher – eine begrenzte KI-Exponierung und steigende Kosten belasten die Unternehmen, der ASX 200 verliert 0,4 %. Japan bleibt wegen der Golden Week geschlossen.






















