Im jüngsten Jahresabschluss weist die Fluggesellschaft einen Vorsteuergewinn von 665 Mio. GBP aus – ein Plus von 9 % gegenüber dem Vorjahr und das dritte Jahr in Folge mit wachsendem Gewinn. Haupttreiber dieser Entwicklung war nicht etwa das Kerngeschäft, sondern easyJet Holidays, das mit einem Gewinn von 250 Mio. GBP sein mittelfristiges Ziel früher als geplant erreichte. Bis 2030 soll der Gewinn dieser Sparte auf 450 Mio. GBP steigen. Die Kernfluggesellschaft hingegen erzielte mit 415 Mio. GBP einen leicht rückläufigen Gewinn. Eine schleppende Wintersaison und träge Entwicklung neuer Strecken dämpften die Performance.

Ein Unternehmen mit zwei Geschwindigkeiten

Der Unterschied zwischen den beiden Geschäftsbereichen ist frappierend. Der Umsatz von easyJet Holidays legte um 27 % zu – getragen von einem Anstieg der Kundenzahlen um 20 % sowie höheren Durchschnittspreisen. Der Marktanteil im Vereinigten Königreich stieg von 7 % auf 10 %. Möglich wurde dies durch ein erweitertes Hotelangebot und neue Produkte – darunter erstmals auch Luxusreisen. Die Kundenzufriedenheit liegt bei soliden 83 %. Die wachsende Bedeutung des Pauschalreisegeschäfts verleiht dem Konzern eine Stabilität, die zuvor stark von der Volatilität des europäischen Kurzstreckenverkehrs abhing.

Das Fluggeschäft konnte die angebotene Kapazität um 4 % und die Gesamtkilometerleistung (ASKs) dank längerer Routen um 9 % steigern. Dieser Shift hatte jedoch eine verwässernde Wirkung auf die Erlöse: Der Umsatz pro Kilometer (RASK) sank um 3 %. Zusätzlicher Gegenwind kam durch intensiven Wettbewerb in der Wintersaison und die Umverteilung von Kapazitäten infolge der Lage in Tel Aviv. Auf der Kostenseite gab es Lichtblicke: Der Non-Fuel-CASK sank um 1 % – dank besserer Auslastung, effizienterer Abläufe und geringerer Störungen. Der Fuel-CASK verbesserte sich um 7 %, was auf eine wachsende Flotte neuer, effizienter Flugzeuge zurückzuführen ist. Dennoch machen steigende Kosten für Navigation, Personal und Wartung eine strikte Kostenkontrolle weiterhin schwierig.

Flottenmodernisierung und strategische Netzwerkanpassung

Positiv entwickelte sich die operative Performance: Die Pünktlichkeitsrate stieg um drei Prozentpunkte auf 72 %, und die Kundenzufriedenheit erreichte den höchsten Stand seit zehn Jahren. Investitionen in die betriebliche Resilienz – etwa mehr Personal, kürzere Bodenzeiten und vorausschauende Planung – zeigen offenbar Wirkung. Gleichzeitig eröffnete easyJet neue Basen in Mailand-Linate, Rom-Fiumicino und London-Southend, während Standorte in Toulouse und Venedig geschlossen wurden. Die Strategie bleibt klar: Schwache Standorte straffen, Kapazitäten in renditestärkere Märkte umlenken.

Quelle: easyJet

Ambitionierter Flottenplan – solide Finanzbasis

Auch der Flottenplan bleibt ehrgeizig: Für das kommende Jahr sind 17 neue A320neo vorgesehen, gefolgt von 30 weiteren im Jahr 2027 und 43 im Jahr 2028. Damit sollen ältere A319 ausgemustert und die durchschnittliche Sitzplatzkapazität erhöht werden. Das Geschäftsjahr wurde mit einem Netto-Cash-Bestand von 602 Mio. GBP abgeschlossen – deutlich mehr als die 181 Mio. GBP des Vorjahres. Dies erlaubt es dem Unternehmen, eine Dividende in Höhe von 20 % des bereinigten Gewinns vorzuschlagen.

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet das Management mit einem Kapazitätswachstum (ASK) von 7 %, moderater Kosteninflation und starken Frühbucherquoten: 81 % des ersten Quartals sind bereits verkauft. Auch wenn das Ziel von über 1 Mrd. GBP Jahresgewinn noch nicht erreicht ist, zeigt die Kombination aus operativen Fortschritten, gestärkter Bilanz und wachsender Urlaubssparte: easyJet hat nach Jahren der Turbulenzen offenbar eine stabile Flughöhe erreicht.