Erfolgreicher Start – und nun die Ernüchterung

Gegründet im Jahr 2023 durch den Zusammenschluss der niederländischen DSM und der Schweizer Firmenich, hatte das neue Unternehmen mit einer gelungenen Integration und schnell realisierten Synergien für positive Schlagzeilen gesorgt. Die Anleger zeigten sich überzeugt: Nach anfänglichen – angesichts der Größenordnung durchaus berechtigten – Zweifeln kletterte die Aktie bis zum Spätsommer des vergangenen Jahres über ihren Börseneinführungspreis hinaus.

Seither jedoch hat sich der Trend umgekehrt – trotz einzelner Zwischenerholungen hat sich die Abwärtsbewegung zuletzt deutlich beschleunigt.

Vier belastende Faktoren drücken auf die Stimmung

Erstens war ein wesentlicher Teil des jüngsten Wachstums auf einen einmaligen Preiseffekt bei Vitaminverkäufen zurückzuführen. Die Preise für Vitamine A und E waren sprunghaft angestiegen, nachdem es bei BASF – einem der Hauptproduzenten – zu einer Explosion und einem anschließenden Brand gekommen war. Dieses Ereignis verschleierte jedoch die eher verhaltene Entwicklung in anderen Bereichen – etwa im Segment Parfümerie & Schönheit, das im ersten Halbjahr unter einem ungünstigen Produktmix litt. Besonders schwach war die Nachfrage nach hochmargigen Spezialitäten.

Zum Hintergrund: DSM-Firmenich ist in vier Geschäftsbereiche gegliedert. Die Sparte Parfümerie & Schönheit (etwa ein Drittel des Umsatzes) produziert Aromen und Duftstoffe für Kosmetik, Feinstparfümerie, Körperpflege und Haushaltsprodukte. Der Bereich Geschmack, Textur & Gesundheit (ein Viertel) liefert Lebensmittelzutaten – von Aromen über Texturgeber bis zu Enzymen. Gesundheit, Ernährung & Pflege (17 % des Umsatzes) ist auf Vitamine, Mineralstoffe, Probiotika und andere Wirkstoffe für menschliche Ernährung und pharmazeutische Formulierungen spezialisiert. Die verbleibenden 25 % entfallen auf den Bereich Tierernährung & Gesundheit, der Additive, Vormischungen und Diagnoselösungen für Geflügel, Rinder und Aquakulturen entwickelt.

Zweitens macht das starke Geschäftsjahr 2024 die Vergleichsbasis für das laufende Jahr äußerst anspruchsvoll – ein Faktor, der die Erwartungen dämpft, zumal Investoren angesichts geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten verstärkt auf Stabilität setzen.

Drittens erzielt das Unternehmen knapp ein Viertel seiner Umsätze in den USA – und ist damit Wechselkursrisiken sowie möglichen Zollerhebungen ausgesetzt. Die Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar belastet die Gewinn- und Verlustrechnung. In diesem Zusammenhang hat das Management die EBITDA-Prognose für 2025 leicht angepasst – von „mindestens“ 2,4 Mrd. € auf „rund“ 2,4 Mrd. €.

Viertens hatte DSM-Firmenich im Februar 2024 angekündigt, sich von der Sparte Tierernährung & Gesundheit trennen zu wollen, um die Entwicklung der verbleibenden Einheiten gezielter voranzutreiben. Diese Entscheidung stößt bei einigen Aktionären auf Skepsis, da sie einen negativen Effekt auf Profitabilität und Geschäftsdynamik befürchten. Nach dem Verkauf eines ersten Geschäftsbereichs an Novonesis sind aktuell noch drei Bieter im Rennen: CVC, Apollo und Nutreco.

Ein solides Fundament bleibt – trotz Unsicherheit

Insgesamt verstärken diese Faktoren ein Umfeld der Unsicherheit, das sich im Kursverlauf widerspiegelt. Dennoch bleibt DSM-Firmenich solide aufgestellt: Die Verschuldung ist moderat, die Margen stabil, und das Liquiditätsmanagement gilt als diszipliniert. Ein Bewertungsmultiplikator von rund dem 25-Fachen des Gewinns erscheint angesichts der Unsicherheiten und im Vergleich mit Wettbewerbern wie Givaudan, Symrise oder Evonik nach wie vor vertretbar. Schon ein kleiner Lichtblick könnte reichen, um die Aktie wieder in Bewegung zu bringen.