Der britische Energieversorger Drax Group plant, einen Teil seines Kraftwerks in Yorkshire, Nordengland, bereits ab 2027 in ein Rechenzentrum umzubauen. Dabei sollen Flächen, Kühlsysteme und Transformatoren genutzt werden, die zuvor der Kohleverstromung dienten.

Europas in die Jahre gekommene Kohle- und Gaskraftwerke suchen nach neuen Verwendungszwecken, da Technologiekonzerne wie Microsoft und Amazon vermehrt Interesse daran zeigen, diese Standorte in Rechenzentren umzuwandeln. Sie profitieren dabei von der vorhandenen Strom- und Wasserversorgung, um den steigenden, von Künstlicher Intelligenz getriebenen Energiebedarf zu decken.

Drax bereitet derzeit einen Bauantrag für ein potenzielles 100-Megawatt-Rechenzentrum am Standort vor. Das Unternehmen strebt an, die Kapazität nach 2031 auf über 1 Gigawatt auszubauen, um von der stark wachsenden Stromnachfrage in Großbritannien durch Künstliche Intelligenz zu profitieren.

„Wir würden im Wesentlichen das Grundstück, den Stromanschluss und die Energie bereitstellen und mit einem Entwickler für Rechenzentren zusammenarbeiten“, erklärte Drax-CEO Will Gardiner in einem Interview.

Das schnelle Wachstum von Rechenzentren hat dazu geführt, dass Unternehmen gezielt Standorte mit bestehendem Stromanschluss suchen, um lange Wartezeiten für den Netzanschluss zu vermeiden.

RWE erzielte im vergangenen Monat einen Buchgewinn von 225 Millionen Euro (263 Millionen US-Dollar) durch den Verkauf eines ehemaligen britischen Kohlekraftwerks an einen Rechenzentrumsentwickler.

„Obwohl noch keine Vereinbarung getroffen wurde, halten wir dies für einen optimistischeren Zeitplan, als Investoren es sonst erwarten würden“, schrieben Analysten von JPMorgan in einer Mitteilung zu Drax' Plänen.

GEWINN AM OBEREN ENDE DER MARKTERWARTUNGEN

Die Aktien des Energieproduzenten stiegen um mehr als 2 %, nachdem das Unternehmen für 2025 einen Kerngewinn am oberen Ende der Markterwartungen in Aussicht stellte. Wachstumstreiber sind dabei die flexible Stromerzeugung, die Pelletproduktion und die Biomasse-Sparte.

Drax plant zwischen 2025 und 2031 einen freien Cashflow von 3 Milliarden Pfund. Davon sollen über 1 Milliarde Pfund an die Aktionäre ausgeschüttet und bis zu 2 Milliarden Pfund in Wachstumsinvestitionen gesteckt werden.

Das Unternehmen schließt zudem seine Pelletfabrik in Williams Lake, Kanada, und stoppt vorerst das Longview-Projekt. Kurz- bis mittelfristig seien keine weiteren Investitionen in zusätzliche Pelletproduktionskapazitäten geplant.

(1 US-Dollar = 0,7478 Pfund)

(1 US-Dollar = 0,8552 Euro)