Das erklärt die angespannte Stimmung an den Märkten am Dienstag. An der Wall Street deutete sich eine leicht schwächere Eröffnung an. Europa bewegte sich seitwärts. Europäische Aktien hatten gerade ihren niedrigsten Stand seit fast vier Monaten erreicht, die Volatilität blieb auf beiden Seiten des Atlantiks erhöht, und die Investoren versuchten weiterhin einzuschätzen, ob der Optimismus vom Montag der Beginn einer echten Trendwende war oder lediglich ein kurzfristiger Stimmungsaufschwung.
Die Quelle dieser Unsicherheit ist leicht auszumachen. Am 25. Tag des Krieges tauschten Iran und Israel weiterhin Raketenangriffe aus, obwohl Präsident Donald Trump erklärt hatte, die Vereinigten Staaten hätten „wichtige Fortschritte“ in Gesprächen mit Teheran erzielt und seine Drohung, das iranische Stromnetz anzugreifen, vorerst aufgeschoben.
Der Krieg spielt sich derzeit auf zwei Ebenen gleichzeitig ab: auf dem Schlachtfeld und an der Zapfsäule. Die Welt kann eine gewisse Menge politischer Spannungen verkraften – Drohungen, Rückzieher, Dementis und martialische Rhetorik sind nichts Neues. Schwerer zu verkraften sind hingegen Ölpreise von über 100 Dollar pro Barrel und das Gefühl, dass sich die Lage jederzeit in die eine oder andere Richtung entwickeln kann.
Gestern reagierten die Märkte unmittelbar, nachdem Trump von „produktiven“ Gesprächen gesprochen und angekündigt hatte, dass es für fünf Tage keine Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur geben werde. Europäische Aktien drehten von deutlichen Verlusten ins Plus. Der Ölpreis, der zuvor stark gestiegen war, fiel um 10 %. Die Wall Street legte um mehr als 1 % zu.
Bis Dienstagmorgen hatte sich dieser Optimismus jedoch wieder abgeschwächt. Iran bestritt, dass ernsthafte Gespräche im Gange seien. Israelische Vertreter signalisierten, dass Trump zwar eine Einigung anstrebe, ein echter Durchbruch jedoch weiterhin ungewiss sei. Zudem tauchten Berichte auf, wonach einige US-Verbündete am Golf einer direkteren Beteiligung an dem Konflikt näherkommen könnten. Aktienfutures gaben nach, während der Ölpreis erneut anzog.
Die Märkte setzen nicht blind auf Frieden, sind aber ebenso wenig davon überzeugt, dass dieser Konflikt zwangsläufig weiter eskalieren muss. Die starke Reaktion der Investoren auf selbst moderate Signale der Deeskalation erklärt sich aus einer einfachen Logik: Niemand – auch Washington nicht – hat ein Interesse daran, dass sich dieser Konflikt auf unbestimmte Zeit hinzieht.
Die Ölpreise sind zum stärksten Druckmittel Irans geworden. Solange das Regime an der Macht bleibt und der Konflikt anhält, bietet die Gefahr anhaltender Störungen der Energieversorgung Teheran die Möglichkeit, weit über das Schlachtfeld hinaus Kosten zu verursachen. Das ist Washington bewusst – ebenso wie den Verbündeten der USA in Europa, am Golf und in Asien. Länder, die stark von Energieimporten aus dem Nahen Osten abhängig sind, darunter Japan, haben ein großes Interesse daran, dass dieser Konflikt rasch eingedämmt wird.
Kommt es weder zu einem Regimewechsel noch zu einem schnellen, entscheidenden militärischen Ausgang, erscheint Diplomatie weniger als schwache Alternative, sondern vielmehr als pragmatischer Weg nach vorn. Das bedeutet nicht, dass eine Einigung leicht zu erreichen wäre. Es bedeutet jedoch, dass der wirtschaftliche Druck durch höhere Energiepreise alle Seiten zumindest dazu bewegt, eine solche Lösung ernsthaft in Betracht zu ziehen. Hier ist ein gewisser Optimismus durchaus angebracht.
Die Marktbewegungen selbst legen nahe, dass Investoren weiterhin an die Möglichkeit eines Abkommens – oder zumindest einer Pause – glauben. Wären die Händler von einer unvermeidlichen Eskalation überzeugt, hätte es die Rally vom Montag nicht gegeben. Dass der Ölpreis bereits auf eine veränderte Tonlage so stark reagieren kann, zeigt, wie stark die aktuelle Nervosität von Unsicherheit und nicht allein von harten Fakten getrieben ist.
Nahost-Sorgen drücken Dax erneut ins Minus
Die Unsicherheit rund um den Iran-Krieg hält die Anleger fest im Griff. Am deutschen Aktienmarkt deutet sich am Nachmittag an, dass die kurze Erholung zu Wochenbeginn nur von kurzer Dauer war. Der Dax konnte im frühen Handel zwar noch leicht zulegen, rutschte zuletzt aber um 1,2 Prozent auf 22.374 Punkte ab. Der MDax verlor 1,3 Prozent auf 27.865 Zähler, während der EuroStoxx seine Abschläge auf rund ein Prozent ausweitete.
Im Dax gerieten vor allem SAP und Bayer unter Druck. SAP sackten um 4,2 % ab und fielen auf den tiefsten Stand seit Januar 2024, nachdem JPMorgan sein bislang optimistisches Urteil für den Softwarekonzern aufgegeben hatte. Begründet wurde dies mit einer veränderten Sicht auf die erwartete Wachstumsbeschleunigung und die Margenentwicklung. Bayer verloren 3,7 %. Laut einem Bloomberg-Bericht hat Inclusive Capital Partners, die 2023 bei Bayer eingestiegene Beteiligungsgesellschaft des aktivistischen Investors Jeffrey Ubben, ein Aktienpaket verkauft und dabei einen Abschlag von 25 % auf den Einstiegspreis von Anfang 2023 in Kauf genommen.
Im Chemiesektor sorgten mehrere Umstufungen der Deutschen Bank für Bewegung. BASF und Brenntag zählten mit Kursgewinnen von bis zu 3,9 % zu den stärksten Dax-Werten. Lanxess setzten ihre Erholung mit einem Plus von 6 % fort; am Markt wurde dies unter anderem mit der Eindeckung von Leerverkäufen erklärt. Im Nebenwertebereich rückten Nagarro, Indus Holding und Drägerwerk nach Zahlen in den Fokus. Indus legten dank einer höheren Dividende um 2,5 % zu, Drägerwerk stiegen nach einer Kaufempfehlung von MWB um 3,6 % . Ottobock gewannen fast 10 % und setzten damit ihre Erholung nach einer Kaufempfehlung der UBS fort.























