Nvidia legte zu, nachdem das Unternehmen einen mehrjährigen Vertrag über die Lieferung von Millionen hochentwickelter KI-Chips an Meta bekanntgegeben hatte. Amazon und Microsoft tendierten ebenfalls fester. Analog Devices sprang nach einem optimistischen Ausblick nach oben. Cadence Design Systems zog an, nachdem die Umsatzerwartungen übertroffen wurden. Selbst die New York Times erhielt Rückenwind, nachdem bekannt wurde, dass Berkshire Hathaway eine Beteiligung eingegangen ist.

Nicht alle profitieren von der Erholung. Palo Alto Networks geriet unter Druck, nachdem das Unternehmen seine Gewinnprognose gekappt und dabei auf höhere Kosten im Zusammenhang mit dem Ausbau seiner KI-Kapazitäten verwiesen hatte. Die Aktien von Sandisk fielen, nachdem Western Digital angekündigt hatte, einen Teil seiner Beteiligung zu veräußern. Die Märkte befinden sich offenbar weiterhin in einem „Beweis es uns“-Modus. Optimismus ist willkommen – blinder Glaube hingegen nicht.

Diese Spannung zwischen Überzeugung und Zweifel prägt den Februar. Technologiewerte stehen weiterhin unter Druck – getrieben von einer Sorge, die zugleich groß und schwer greifbar ist: dass künstliche Intelligenz alles verändern wird, womöglich jedoch anders, als Investoren zunächst angenommen hatten. Noch vor wenigen Tagen bestand die Furcht darin, KI könne ganze Branchen hinwegfegen. Inzwischen hat sich die Angst wieder gedreht. Was, wenn die massiven Investitionsoffensiven der Tech-Giganten nicht die nötigen Gewinne abwerfen, um sie zu rechtfertigen?

In der jüngsten Berichtssaison signalisierten die größten Technologieunternehmen deutlich steigende Investitionsausgaben für 2026. Statt die Ambitionen zu feiern, reagierten Investoren verhalten. Laut der jüngsten Fondsmanager-Umfrage der Bank of America ist rund ein Drittel der Befragten der Ansicht, dass Unternehmen zu viel investieren – der höchste Wert seit Beginn der Erhebung.

Die Folge ist eine schrittweise Bewertungsanpassung nach unten. Microsoft hat seit Jahresbeginn rund 18 % verloren, Amazon etwa 13 %. Beide werden nun zu Kurs-Gewinn-Verhältnissen gehandelt, die im historischen Vergleich niedrig erscheinen und sich – gemessen an ihren langfristigen Durchschnittswerten – auf Niveaus bewegen, die zuletzt vor rund einem Jahrzehnt zu beobachten waren. Es handelt sich nicht um angeschlagene Unternehmen, doch sie gelten nicht mehr als unverwundbar.

Gleichzeitig weigert sich der Gesamtmarkt, einzubrechen. Der S&P 500 bewegt sich seit zwei Monaten in einer engen Spanne zwischen etwa 6.800 und 7.000 Punkten – eine bemerkenswert stabile Bandbreite. Der gestrige Handel lieferte ein Musterbeispiel: Der Nasdaq eröffnete mit einem Minus von mehr als 1 %, arbeitete sich jedoch im Tagesverlauf zurück und schloss nahezu unverändert. Der S&P 500 verzeichnete ein leichtes Plus. In Europa endeten die Börsen trotz anfänglicher Schwäche klar im grünen Bereich.

Kapital fließt verstärkt in defensive Sektoren: Versorger, Basiskonsumgüterhersteller, Unternehmen also, deren Produkte unabhängig vom Konjunkturverlauf gefragt sind. Walmart liegt seit Jahresbeginn rund 16 % im Plus und hat jüngst die Marke von 1 Billion US-Dollar Marktkapitalisierung überschritten. Damit ist der Konzern wertvoller als alle bis auf einen der sogenannten „Magnificent Seven“-Technologiewerte. Die Bewertung wirkt inzwischen überraschend technologieähnlich – getragen vom wachsenden E-Commerce-Geschäft.

Wenn Technologie einst die Zukunft versprach, versprechen defensive Werte nun Stabilität. Investoren setzen auf beides – lediglich in unterschiedlicher Gewichtung.

Im Fokus steht heute das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung. Die Terminmärkte preisen mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von rund 63 % für eine Zinssenkung bis Juni ein – erstmals liegt die Quote über 50 %. Dieser Stimmungsumschwung spiegelt die wachsende Erwartung wider, dass die Kreditkosten im Sommer sinken könnten. Doch nicht alle Notenbanker scheinen bereit, den Sieg über die Inflation auszurufen. Fed-Gouverneur Michael Barr betonte, er wolle klare Belege dafür sehen, dass die Güterinflation tatsächlich nachhaltig zurückgeht, bevor er weitere Zinssenkungen unterstütze. Der Arbeitsmarkt erscheine derweil ausgeglichen.

Auch geopolitische Faktoren üben ihren gewohnten, subtilen Einfluss aus. Die Gespräche zwischen den USA und dem Iran in Genf zeigen Anzeichen von Fortschritten, was die Ölpreise leicht drückte, zugleich jedoch eine geopolitische Risikoprämie aufrechterhält. Japan kündigte Investitionen in den USA in Höhe von rund 36 Mrd. US-Dollar im Rahmen eines umfassenderen Handelsabkommens an, was dem Dollar Auftrieb verlieh. In Europa deuten Berichte darauf hin, dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde ihr Amt vor dem regulären Ende ihrer Amtszeit im Jahr 2027 niederlegen könnte – die Märkte reagierten bislang jedoch kaum.

Dax pendelt um 25.000 Punkte – Rüstungswerte treiben, Bayer bricht ein

Der Dax hat zur Wochenmitte sein Schwanken um die Marke von 25.000 Punkten fortgesetzt. Am Mittwochvormittag lag der Leitindex rund ein halbes Prozent höher bei 25.202 Zählern, der EuroStoxx50 gewann in ähnlichem Umfang auf 6077 Punkte. Für Auftrieb sorgte vor allem der Rüstungssektor: Ein überraschend starker Geschäftsbericht von BAE Systems ließ die Aktie des Londoner Konzerns zeitweise um 6,3 Prozent steigen, bevor sich das Plus bei rund drei Prozent einpendelte. Auch Rivalen wie Rheinmetall, Hensoldt und Renk legten zu und hievten den europäischen Branchenindex um fast zwei Prozent ins Plus. Ein klarer mittelfristiger Trend ist jedoch nicht erkennbar. An der Frankfurter Börse wechselten sich in den vergangenen vier Handelstagen Gewinne und Verluste ab. Im Vorjahr lag der Dax zu diesem Zeitpunkt bereits 15 Prozent im Plus – aktuell wirkt der Markt orientierungslos.

Abseits der Rüstungswerte geriet Bayer massiv unter Druck: Die Aktie verlor mehr als acht Prozent. Der Leverkusener Agrar- und Pharmakonzern will mit einem bis zu 7,25 Milliarden Dollar schweren Vergleich den Großteil der Sammelklagen zu angeblichen Krebsrisiken seines Unkrautvernichters Glyphosat in den USA beilegen. Doch der Ausgang bleibt offen. Für den Vergleich sind die Zustimmung der Kläger sowie die Genehmigung des Bezirksgerichts in St. Louis erforderlich. Zudem ist ein Verfahren vor dem Obersten Gericht der USA anhängig. Dessen Entscheidung dürfte maßgeblich dafür sein, ob die Kläger dem Vergleich letztlich zustimmen.

In Asien schließlich sorgen die Feiertage zum Mondneujahr für geringere Handelsvolumina und verleihen den globalen Märkten einen leichten, fast festlichen Ruheton.