Morning Meeting: Die Rückkehr von TINA

Die vorletzte Aprilwoche steht ganz im Zeichen einer Flut an Quartalszahlen. Doch diese Veröffentlichungswelle dürfte die Anleger kaum davon abhalten, die Entwicklung im Iran-Konflikt weiterhin genau zu verfolgen - ein Thema, das noch reichlich Wendungen bereithält. Solange keine Lösung in Sicht ist, setzen Investoren erneut auf ihren bevorzugten Trade: Technologieaktien, insbesondere jene, die vom Investitionsboom rund um Künstliche Intelligenz profitieren dürften.

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Romain Fournier

Veröffentlicht am 20.04.2026 um 08:33 - Geändert am 20.04.2026 um 08:46

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Morning Meeting:  Die Rückkehr von TINA

Vor einigen Wochen kündigte Céline Dion ihr lang erwartetes Comeback auf der Bühne an. An den Märkten jedoch ist nicht Céline zurück, sondern TINA. Das Akronym steht für „There Is No Alternative“ - es gibt keine Alternative zu Aktien im Allgemeinen und zur Wall Street im Besonderen. Erfahrungsgemäß signalisiert das Wiederauftauchen dieses Schlagworts, dass die US-Börsen von Rekord zu Rekord eilen und kaum noch jemand so recht erklären kann, was die Rally treibt - was allerdings immer noch überzeugender ist als die altbekannte Erzählung vom bloßen Schnäppchenjagen.

Wie bereits in der vergangenen Woche ausführlich erörtert, spiegelt diese Rally einen Markt wider, der den Iran-Krieg weitgehend ausgeblendet hat und auf eine schrittweise Normalisierung setzt. Die Vorwoche endete entsprechend freundlich: Der Iran kündigte die Wiederöffnung der Straße von Hormus an. Europäische Indizes schlossen am Freitag mit einem Plus von 2 %. An der Wall Street legten die wichtigsten Indizes um mehr als 1 % zu. Der S&P 500 markierte damit erneut ein Rekordhoch, während der Nasdaq seine Gewinnserie fortsetzte. Inzwischen steht er bei 13 Handelstagen in Folge im Plus – die längste Serie seit 1992. Ehrlich gesagt würden wir es fast begrüßen, wenn der Nasdaq einmal fiele, allein damit wir morgens nicht mehr die Kerzen im Chart zählen müssen.

Das Wochenende verlief jedoch deutlich weniger positiv. Donald Trump erklärte zunächst, die US-Blockade bleibe bestehen. Der Iran wertete dies als Bruch der Waffenruhe und kündigte am Samstag die Schließung der Straße von Hormus an. Am Sonntag wiederum warf Trump dem Iran Angriffe auf Schiffe in der Meerenge vor und damit einen Verstoß gegen die Waffenruhe. Zugleich kündigte der US-Präsident eine zweite Verhandlungsrunde in Islamabad für Montag an – eine Information, die Teheran wenige Stunden später dementierte. Kurz gesagt: Die Lage erinnert an einen Schulhofstreit – mit dem Unterschied, dass es um Atomwaffen geht. Laut Axios stehen die Iraner den Gesprächen skeptisch gegenüber und vermuten ein taktisches Manöver Trumps im Vorfeld möglicher militärischer Schritte.

Die Geopolitik dürfte somit auch in dieser Woche das Geschehen dominieren – zumal die Waffenruhe morgen Abend ausläuft und Trump wiederholt für kurzfristige Kehrtwenden gesorgt hat. Auf Unternehmensseite nimmt die Berichtssaison Fahrt auf. In den USA stehen unter anderem Tesla, IBM, GE Aerospace, Boeing und Philip Morris im Fokus. In Europa rücken SAP, Thales, L’Oréal, EssilorLuxottica, Roche und Nestlé in den Mittelpunkt.

Ein weiterer wichtiger Termin ist die Anhörung von Kevin Warsh vor dem US-Senat am morgigen Tag. Trump hat ihn als Nachfolger von Jerome Powell an der Spitze der Fed nominiert. Wie bereits vergangene Woche angedeutet, dürfte der Weg dorthin steinig werden. Ein republikanischer Senator hat sogar angedroht, die Ernennung zu blockieren, falls die vom Weißen Haus angestoßenen juristischen Schritte gegen Powell nicht eingestellt werden. In einem solchen – bislang hypothetischen – Szenario könnte Powell vorübergehend im Amt bleiben, was Donald Trump wohl kaum gefallen dürfte. Abgesehen davon bleibt es bei der Fed ruhig: Am Wochenende begann die sogenannte „Blackout Period“, in der sich Notenbankvertreter vor einer Sitzung nicht öffentlich äußern dürfen. Die nächste Sitzung ist für den 28. und 29. April angesetzt.

Die wichtigsten Entwicklungen zum Wochenauftakt:

  • Mehr als 20 Schiffe passierten am Samstag die Straße von Hormus, doch die abrupte Verschärfung der Spannungen hat das Transitvolumen seither wieder sinken lassen.
  • China ließ seine Leitzinsen im April den elften Monat in Folge unverändert.
  • Nordkorea hat am Wochenende mehrere ballistische Raketen abgefeuert.
  • Das US-Justizministerium hat den französischen Behörden laut Wall Street Journal offenbar die Unterstützung bei deren Ermittlungen gegen Elon Musks Plattform X verweigert.
  • Das Weiße Haus und der CEO von Anthropic prüfen offenbar eine Zusammenarbeit angesichts von Bedenken rund um das Modell Mythos.

Auf makroökonomischer Ebene bleibt die Agenda in den USA überschaubar, mit den Einzelhandelsumsätzen für März am Dienstag als einzigem wichtigen Termin. International stehen die britischen Inflationsdaten am Mittwoch sowie die japanischen Inflationszahlen am Freitag im Fokus, flankiert von den vorläufigen PMI-Daten für April am Donnerstag.

Im asiatisch-pazifischen Raum setzen die Märkte zu Wochenbeginn ihren Aufwärtstrend fort. Technologiegetriebene Indizes wie der japanische Nikkei 225, der südkoreanische KOSPI, der taiwanische TAIEX und der Hang Seng in Hongkong legen jeweils um rund 1 % zu, während die Gewinne in Australien und Indien moderater ausfallen. In Europa wird hingegen ein schwächerer Handelsstart erwartet, und die US-Futures notieren zum Wochenauftakt deutlich im Minus – wobei sich die Stimmung je nach Entwicklung im Nahen Osten rasch wieder drehen kann.

Wirtschaftliche Höhepunkte:

Auf der heutigen Agenda: die 1- und 5-Jahres-Leitzinsen in China; der jährliche Erzeugerpreisindex in Deutschland; die kumulierten ausländischen Direktinvestitionen in China; in Kanada die Kerninflationsrate im Jahresvergleich, die monatlichen und jährlichen Inflationsraten sowie die Geschäftsausblick-Umfrage der BoC; schließlich die Rede von EZB-Präsidentin Christine Lagarde im Euroraum. Die gesamte Agenda gibt es hier.

  • EUR / USD: 1,18 $
  • Gold: 4.788,29 $
  • Rohöl (Brent): 95,19 $
  • Anleihe Vereinigte Staaten 10 Jahre: 4,27 %
  • BITCOIN: 74.472,2 $

In den Nachrichten:

  • Wacker Chemie erwartet im ersten Quartal ein besseres operatives Ergebnis und einen höheren Umsatz als bisher prognostiziert, mit einem EBITDA von rund 173 Millionen Euro und einem Umsatz von rund 1,41 Milliarden Euro.
  • Bayer hat bisher 24 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit der Monsanto-Übernahme ausgegeben, darunter Kosten für Glyphosat-Klagen und andere Verfahren.
  • Hipp hat in Österreich alle Babygläschen zurückgerufen, nachdem in einem Glas Rattengift gefunden wurde. Das deutet auf einen möglichen Erpressungsversuch hin.
  • Swiss Re steigert mit Künstlicher Intelligenz die Produktivität deutlich und plant dabei keinen Stellenabbau.
  • 4DMedical hat einen Vertrag mit GlaxoSmithKline für Lungenbild-Analytik unterzeichnet und für seine CTVQ-Technologie eine britische Zulassung für den klinischen Einsatz erhalten.
  • Rightmove meldet für April einen Anstieg der durchschnittlichen Hauspreise in Großbritannien um 0,8 Prozent. Getrieben wurde dies vor allem von hochpreisigen Immobilien, trotz höherer Hypothekenzinsen.
  • Moody's hält am negativen Ausblick für Close Brothers Group fest. Als Gründe nennt die Ratingagentur die schwache Profitabilität und strategische Risiken, trotz einer soliden Liquidität.
  • UniCredit stellt heute ihre Strategie zur Wertschöpfung für Commerzbank vor.
  • BP plc erhält vom norwegischen Staatsfonds Unterstützung für die Wiederwahl des Verwaltungsratsvorsitzenden.
  • Saipem hat mit Eni einen neuen Vertrag im Wert von 700 Millionen Euro für eine Bioraffinerie in Priolo unterzeichnet.
  • UCB will Neurona Therapeutics für bis zu 1,15 Milliarden US-Dollar übernehmen.
  • Siemens AG hat einen großen Liefervertrag für das Lionheart-Projekt von Vulcan Energy gewonnen.
  • TA Associates prüft laut Sky News ein Gebot von 600 Millionen Pfund für das britische Unternehmen Advanced Medical Solutions.
  • TUI nimmt die abgesagten Kreuzfahrten wieder auf, nachdem ihre Schiffe die Straße von Hormus passiert haben.
  • Evonik verlängert den Vertrag des Vorstandsvorsitzenden und ernennt einen neuen Finanzvorstand.
  • Pharol zieht die geplante Aktienzusammenlegung zurück.
  • QXO will den US-Baustoffhändler TopBuild für 17 Milliarden US-Dollar übernehmen, entsprechend 505 US-Dollar je Aktie.
  • Google spricht laut The Information mit Marvell über die Entwicklung neuer KI-Chips für Inferenz.
  • Spirit Airlines beantragt laut Air Current staatliche Hilfe wegen stark gestiegener Ölpreise.
  • Meta plant am 20. Mai eine erste Entlassungsrunde mit 8.000 Stellen, das entspricht 10 Prozent der Belegschaft.
  • Tesla startet den Robotaxi-Dienst in Dallas und Houston.
  • Eli Lilly befindet sich in fortgeschrittenen Verhandlungen zur Übernahme von Kelonia Therapeutics für mehr als 2 Milliarden US-Dollar.
  • Philip Morris International teilt mit, dass die FDA die Vermarktungsgenehmigung für IQOS als Tabakprodukt mit reduziertem Risiko verlängert hat.
  • Cerebras Systems hat als Nvidia-Konkurrent einen Börsengang beantragt.

Weitere Nachrichten von Unternehmen, die in Deutschland notiert sind, finden Sie hier.

Analystenempfehlungen:

  • Atoss Software Se: Deutsche Bank hält an seiner Kaufempfehlung fest und reduziert das Kursziel von 120 EUR auf 110 EUR.
  • Abb Ltd: RBC Capital hält an seiner Empfehlung zur Sektorleistung fest und erhöht das Kursziel von CHF 62 auf CHF 65.
  • Sap Se: Deutsche Bank hält an seiner Kaufempfehlung fest und reduziert das Kursziel von 220 EUR auf 200 EUR.
  • Bayer Ag: Goldman Sachs hält an seiner Kaufempfehlung fest und erhöht das Kursziel von 54 EUR auf 55 EUR.
  • Sonova Holding Ag: Bernstein hält an seiner Outperform-Empfehlung fest und reduziert das Kursziel von CHF 256 auf CHF 248.
  • Basf: Bernstein hält an seiner Outperform-Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von 53 auf 61 EUR.
  • Hensoldt Ag: Landesbank Baden-Wuerttemberg stuft von halten auf kaufen mit einem von 80 EUR auf 95 EUR erhöhten Kursziel.
  • Aurubis Ag: Landesbank Baden-Wuerttemberg stuft von kaufen auf halten mit einem von 178 EUR auf 197 EUR erhöhten Kursziel.
  • Evotec Se: Oddo BHF hält an seiner neutralen Empfehlung fest und senkt das Kursziel von 7,50 EUR auf 6,70 EUR.
  • Bechtle Ag: UBS hält an seiner Kaufempfehlung fest und reduziert das Kursziel von 41 EUR auf 40 EUR.
  • Bawag Group Ag: Morgan Stanley hält an seiner Übergewichten-Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von 155 auf 156 EUR.

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