Die Sitzung am Donnerstag beginnt verhalten. Nach drei Handelstagen mit Kursgewinnen gaben die Aktienfutures nach, während Technologieriesen wie Apple, Nvidia und Meta im frühen Handel unter Druck gerieten. Auch Walmart, Gradmesser für den US-Konsum und seit Kurzem Mitglied im Club der Billionen-Dollar-Unternehmen, trug nicht zur Stimmungsaufhellung bei. Der Ausblick für das laufende Jahr blieb hinter den Erwartungen zurück und schickte die Aktie noch vor Handelsbeginn ins Minus. Wenn der größte Einzelhändler der Vereinigten Staaten vorsichtig klingt, hören Investoren genau hin.

Der Ölpreis wiederum tut in unsicheren Zeiten das, was er oft tut: Er steigt. Die Notierungen kletterten auf den höchsten Stand seit dem vergangenen Sommer, befeuert von wachsenden Sorgen, dass die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran in eine ernsthaftere Eskalation münden könnten. Berichte deuten auf einen erheblichen militärischen Aufbau der USA im Nahen Osten hin. Störungen von Satellitensignalen in der Nähe eines wichtigen iranischen Petrochemie-Standorts verstärken die Nervosität zusätzlich. Gold übersprang erneut die Marke von 5.000 US-Dollar je Unze – ein Niveau, das weniger Euphorie als vielmehr Absicherungsbedarf signalisiert.

Vor diesem angespannten Hintergrund stehen zudem neue Konjunkturdaten an. Die heute veröffentlichten Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA beliefen sich in der Woche bis zum 14. Februar auf 206.000 und lagen damit deutlich unter den Erwartungen der Ökonomen von 225.000. Am Freitag folgen eine erste Schätzung zum Bruttoinlandsprodukt des vierten Quartals sowie der PCE-Preisindex, das bevorzugte Inflationsmaß der US-Notenbank. Mehrere Fed-Vertreter äußern sich in dieser Woche, und das Protokoll der jüngsten Sitzung sendet eine klare Botschaft: Die Zinsen bleiben vorerst unverändert. Innerhalb des Offenmarktausschusses gehen die Einschätzungen über den weiteren Kurs auseinander. Einige Mitglieder halten zusätzliche Zinserhöhungen für möglich, falls die Inflation hartnäckig bleibt. Andere würden Zinssenkungen in Betracht ziehen, sollte sich der Preisdruck weiter abschwächen. Eine Senkung im März gilt als unwahrscheinlich, und selbst zwei Schritte in diesem Jahr sind an den Terminmärkten noch nicht vollständig eingepreist.

Auf Unternehmensseite legten DoorDash und eBay nach optimistischen Prognosen und Transaktionsmeldungen deutlich zu. Etsy sprang an, nachdem das Unternehmen sein Depop-Geschäft veräußert hatte. Hims & Hers übernimmt in einem milliardenschweren Deal ein australisches Digital-Health-Unternehmen. Carvana hingegen geriet nach einer Gewinnenttäuschung kräftig unter Druck.

Die Sektoren wechseln sich derzeit mit den Schlagzeilen ab. Die Spreizung zwischen den besten und den schwächsten Branchen der vergangenen sechs Wochen ist ungewöhnlich groß, obwohl der S&P 500 nur rund 2% unter seinem Rekordhoch notiert. Eine derart ausgeprägte Divergenz ist sonst eher in Krisenzeiten zu beobachten.

Der gestrige Handelstag brachte diese Ambivalenz exemplarisch zum Ausdruck. Aktien legten zu, gestützt von einer Erholung der großen Technologiewerte nach den jüngsten KI-bedingten Verunsicherungen. S&P 500, Dow Jones und Nasdaq schlossen im Plus. Gegen Ende der Sitzung bröckelten die Gewinne jedoch, nachdem das Fed-Protokoll die Vorsicht der Währungshüter unterstrichen hatte. Öl zog aufgrund geopolitischer Sorgen an. Gold verteuerte sich. Und dennoch setzten die Aktien ihre Aufwärtsbewegung fort.

Anleger scheinen derzeit zwei Gedanken gleichzeitig im Kopf zu haben: Die US-Wirtschaft bleibt robust – und die Weltlage wird komplexer.

Tatsächlich zeigt sich die Konjunktur widerstandsfähig. Die Industrieproduktion überraschte positiv. Die Unternehmensinvestitionen halten sich stabil. Die Nachfrage am Immobilienmarkt ist nicht eingebrochen. Diese Daten sprechen gegen die These, dass die Geldpolitik das Wachstum bereits abwürgt. Gleichzeitig sind Inflationsrisiken nicht verschwunden, was die Fed zur Vorsicht mahnt.

Kommt die geopolitische Dimension hinzu, wird das Bild fragiler. Ein umfassenderer US-Militärschlag gegen den Iran hätte deutlich weitreichendere Folgen als frühere, begrenzte Aktionen. Das offensichtlichste Marktrisiko bleibt die Straße von Hormus, durch die rund ein Drittel der weltweiten Öllieferungen transportiert wird. Schon die Andeutung einer Störung kann die Energiemärkte empfindlich treffen.

Auch die politische Komponente ist nicht zu unterschätzen: In der US-Bevölkerung – auch unter vielen Wählern, die Donald Trump 2024 unterstützt haben – ist die Bereitschaft gering, sich auf langwierige Auslandseinsätze einzulassen. Eine größere Eskalation im Ausland könnte mit dem Wunsch kollidieren, den Fokus auf innenpolitische Themen zu legen. Märkte handeln nicht nach politischer Philosophie, wohl aber nach Unsicherheit.

Vorerst dominiert vorsichtiger Optimismus. Die Aktienmärkte haben drei Tage in Folge zugelegt, die Futures geben moderat nach. Öl verteuert sich, Gold glänzt erneut. Die Fed beobachtet die Lage genau – und mit ihr die Anleger.

Dax rutscht unter 25.100 Punkte – Airbus und Freenet unter Druck

Nach dem kräftigen Vortagesanstieg bis über 25.300 Punkte sind die Anleger am Donnerstag wieder vorsichtiger geworden. Anschlusskäufe blieben aus – auch mit Blick auf die wachsende Gefahr eines Konflikts zwischen dem Iran und den USA. Während die Ölpreise zulegten, fiel der Dax um 0,95 Prozent auf 25.038 Punkte und näherte sich damit erneut der runden Marke von 25.000 Zählern. Besonders deutlich unter Druck stand Airbus mit einem Minus von 7 Prozent. Marktteilnehmer kritisierten den Ausblick: Zwar sei er konservativ, liege aber klar unter den Erwartungen. Analysten hatten mit höheren Auslieferungszahlen gerechnet. Der MDax verlor 0,55 Prozent auf 31.569 Punkte, der EuroStoxx 50 gab um 0,9 Prozent nach.

Auch im MDax sorgten Analystenkommentare für Bewegung. Eine Verkaufsempfehlung der UBS drückte Freenet um mehr als 8 Prozent und beendete vorerst den jüngsten Aufwärtstrend. Flatexdegiro verlor trotz erhöhter Dividende über 6 Prozent; die Rendite gilt als weiterhin niedrig, zudem blieb die Gewinnprognose für 2026 hinter den Erwartungen zurück. Krones gab nach vorgelegten Jahreszahlen rund 5 Prozent ab – diese fielen sogar schwächer aus als befürchtet, positiver erscheint hingegen der Ausblick. Dagegen gewann Vonovia nach einer Hochstufung durch Morgan Stanley 1,6 Prozent, DWS stieg nach einer Kaufempfehlung der UBS um 2,6 Prozent, und Knorr-Bremse legte nach Geschäftszahlen um 3,7 Prozent zu.