Die US-Erzeugerpreise stiegen im Januar um 0,5 % gegenüber dem Vormonat – deutlich mehr als die erwarteten 0,3 %. Auf Jahressicht legten sie um 2,9 % zu, während Ökonomen mit 2,6 % gerechnet hatten. Der Verbraucherpreisbericht der vergangenen Woche hatte gezeigt, dass der Preisdruck nachlässt, aber keineswegs verschwindet. Nun ist klar: Auf Großhandelsebene ist er weiterhin präsent.

Inflation verläuft typischerweise in Stufen. Unternehmen zahlen zunächst mehr für Rohstoffe, Transport und Arbeitskräfte. Anschließend entscheiden sie, wie viel dieser Kostensteigerungen sie weitergeben. Die Erzeugerpreise fungieren als Frühwarnsystem. Fallen sie – wie jetzt – höher aus als erwartet, deutet das darauf hin, dass Unternehmen weiterhin mit steigenden Kosten konfrontiert sind und ihre Margen womöglich durch Preiserhöhungen schützen werden.

Ökonomen hatten für Januar lediglich einen moderaten Anstieg der Großhandelspreise erwartet – langsamer als im Dezember. Das hätte die These untermauert, dass die Inflation allmählich nachgibt. Stattdessen zeigen die Daten in die entgegengesetzte Richtung. Die Märkte geben sich nicht mehr mit „nicht katastrophal“ zufrieden. Sie verlangen klare Fortschritte. Erhalten haben sie die Erinnerung daran, dass der Rückgang der Inflation holprig verlaufen dürfte.

Die Renditen von US-Staatsanleihen, die in Erwartung von Zinssenkungen beim zehnjährigen Papier unter die Marke von 4 % gefallen waren, stehen nun zur Neubewertung an. Ein heißer PPI-Bericht erschwert der Federal Reserve die Aufgabe. Beschleunigen sich die vorgelagerten Preise, werden die Währungshüter kaum bereit sein, vorschnell zu lockern. Das Konzept des „Fed Put“ funktioniert nur, wenn die Inflation mitspielt. Mit stärker als erwarteten Erzeugerpreisen wirkt dieses Sicherheitsnetz deutlich dünner.

Auch die Handelspolitik erhöht den Druck. Der Supreme Court hatte kürzlich den Großteil der im vergangenen Jahr verhängten Zölle für nichtig erklärt. Präsident Trump reagierte mit einem vorübergehenden globalen Zoll von 10 %, der in dieser Woche in Kraft trat. Zölle wirken wie Importsteuern. Unternehmen absorbieren sie teilweise, geben sie jedoch häufig weiter. Höhere als erwartete Erzeugerpreise nähren die Vermutung, dass diese neuen Handelskosten bereits in die Lieferkette einsickern. Steigen die Inputpreise durch Zölle und werden sie weitergereicht, kann sich die Inflation auch ohne Nachfrageboom erneut beschleunigen.

Der heutige PPI-Bericht ist daher mehr als eine Routineveröffentlichung. Er deutet darauf hin, dass die Inflation nicht von selbst verschwindet – möglicherweise sammelt sie nur Kräfte für die nächste Runde.

Weitere Signale mahnen zur Vorsicht. Die Ölpreise stabilisieren sich, während die USA und der Iran kommende Woche die Atomgespräche wieder aufnehmen wollen. Energiekosten beeinflussen alles – vom Transport bis zu Lebensmitteln. Ein erneuter Preisschub würde zusätzlichen Druck erzeugen. Gold steuert auf den siebten monatlichen Anstieg in Folge zu – eine Serie, wie es sie seit 1973 nicht mehr gegeben hat. Anleger greifen typischerweise dann zu Gold, wenn sie sich um Geldwertstabilität, Politik oder Geopolitik sorgen.

Auch die Kreditmärkte rücken in den Fokus. Der Zusammenbruch des britischen Hypothekenfinanzierers MFS hat Teile des Private-Credit-Sektors verunsichert. Große Kreditgeber könnten Verluste erleiden. Ein Apollo-Global-Fonds mit Engagement in diesem Segment hat seine Risiken reduziert. Treten Spannungen im Kreditmarkt gleichzeitig mit überraschend hohen Inflationsdaten auf, wird der geldpolitische Zielkonflikt schärfer. Die Fed möchte das Wachstum stützen – doch eine hartnäckige Inflation schränkt ihren Handlungsspielraum ein.

Vor diesem Hintergrund haben Technologiewerte an Strahlkraft verloren.

Nvidia legte gestern beeindruckende Zahlen vor. Der Umsatz sprang kräftig an, und die Nachfrage nach den Chips bleibt hoch. Dennoch fiel die Aktie nach anfänglichen Gewinnen um mehr als 5 %. Im vorbörslichen Handel bewegte sie sich kaum. Die Reaktion legt nahe, dass Investoren zunehmend hinterfragen, wie lange das derzeitige Tempo der KI-Investitionen anhalten kann – insbesondere in einem Umfeld, in dem die Finanzierungskosten länger hoch bleiben könnten.

Chipwerte insgesamt tendieren schwächer. Einige Softwareunternehmen, die zu Jahresbeginn aus Angst vor KI-bedingter Disruption unter Druck geraten waren, stabilisieren sich hingegen. Industrieunternehmen mit Bezug zu Rechenzentren entwickelten sich robuster. Der Dow Jones steuert auf den zehnten Gewinnmonat in Folge zu, während der Nasdaq auf seinen stärksten monatlichen Rückgang seit Anfang 2025 zusteuert und seit Wochen unter seinem 50-Tage-Durchschnitt notiert.

Technologie wird nicht länger als eine homogene, unaufhaltsame Kraft betrachtet. Investoren differenzieren stärker und stellen kritischere Fragen zur Kapitalrendite und zur langfristigen Nachfrage.

Damit rückt die Inflation erneut ins Zentrum. Hätten die Erzeugerpreise deutlich nachgegeben, hätte die Fed mehr Flexibilität gewonnen. Zinssenkungen wären wahrscheinlicher geworden, Risikoanlagen hätten festen Boden unter den Füßen gefunden. Stattdessen enttäuschten die Daten. Die Notenbank dürfte vorsichtig bleiben – und die Märkte müssen sich auf das Szenario einstellen, dass die Zinsen länger hoch bleiben.

Dax tritt auf der Stelle – BASF-Ausblick und Airlines belasten

Nach der jüngsten Erholung halten sich die Anleger am deutschen Aktienmarkt zurück. Der Dax lag am frühen Freitagnachmittag mit 25.236 Punkten 0,2 Prozent im Minus, blieb aber über der viel beachteten Marke von 25.000 Punkten, die er im Wochenverlauf zurückerobert hatte. Sein Rekordhoch von 25.507,79 Punkten stammt von Mitte Januar. Auf Wochensicht zeichnet sich ein kleines Minus ab, für Februar steht jedoch ein Plus von fast drei Prozent zu Buche. Angesichts zahlreicher Störfaktoren und der angespannten Lage zwischen dem Iran und den USA ist dies jedoch eine beachtliche Entwicklung.

Der MDax gewann 0,2 % auf 31.524 Punkte, während der EuroStoxx 50 um 0,6 % nachgab. Im Dax bremste vor allem BASF: Der weltgrößte Chemiekonzern rechnet nach einem Gewinneinbruch mit einem weiteren schwierigen Jahr und verschärft seinen Sparkurs. Die fehlende Gewinndynamik schickte die Aktie zeitweise um mehr als 5 % ins Minus. Auch Delivery Hero enttäuschte mit Geschäftszahlen unter den Erwartungen. Der zunehmende Wettbewerbsdruck belastet den Essenslieferanten, die Aktie verlor im MDax in der Spitze fast 8 %.

Gefragt waren dagegen Scout24 mit einem Plus von 3,6 %. Rückenwind kam von positiven Aussagen des britischen Branchenkollegen Rightmove, dessen Chef in Künstlicher Intelligenz mehr Chancen als Risiken für die Branche sieht. United Internet und die Mobilfunktochter 1&1 legten im MDax beziehungsweise SDax jeweils um mehr als 11 % zu. Medienberichten zufolge zeigt der spanische Telekomkonzern Telefonica Interesse an 1&1, eine Stellungnahme blieb jedoch aus. Telefonica gewannen bis zu 5,9 %, Hypoport sprangen im SDax um fast 9 % an, nachdem der Finanzdienstleister für 2026 einen deutlich höheren operativen Gewinn in Aussicht stellte. Europaweit gerieten dagegen zahlreiche Airlines unter Druck: Trotz Gewinnplus bei IAG sackten die Aktien der British-Airways-Mutter um 6,2 % ab, Lufthansa verloren 3,6 %, Air France-KLM 4,2 %. Als Belastungsfaktor gilt der steigende Ölpreis.