Die Fakten: deutliche Eingriffe in die 2017 eingeführte Steuer
Premierminister Narendra Modi hat eine umfassende Reform der Steuer auf Waren und Dienstleistungen (GST – Goods and Services Tax) angekündigt, die ehrgeizigste seit ihrer Einführung 2017. Die höchste Stufe von 28 %, die insbesondere Autos und Elektronikgeräte betraf, wird abgeschafft. Zudem werden viele Produkte, die bislang mit 12 % besteuert wurden, in die 5-%-Kategorie überführt. Die Reform tritt im Oktober in Kraft. Ziel ist es, ein für seine Komplexität kritisiertes Steuersystem zu vereinfachen und die Kosten für Konsumgüter des täglichen Bedarfs zu senken.
Warum das wichtig ist: politische und geopolitische Dimension
Die Reform erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Spannungen mit den USA, nachdem Donald Trump beschlossen hat, die Zölle auf indische Produkte ab dem 27. August auf 50 % zu erhöhen. Modi ruft die Bevölkerung zum Konsum lokaler Waren auf und will die Inlandsnachfrage ankurbeln. Gleichzeitig gilt die Maßnahme als starkes politisches Signal im Vorfeld der Regionalwahlen im strategisch wichtigen Bundesstaat Bihar, wo die hohe Arbeitslosigkeit für Unmut sorgt.
Profitieren dürften große Konsumgüterkonzerne wie Nestlé, Samsung Electronics oder LG Electronics – und vor allem die breite Bevölkerung, im Gegensatz zu Senkungen der Einkommensteuer, die nur eine Minderheit betrifft. Der Preis: Nach Schätzungen der IDFC First Bank wird die Reform jährliche Steuerausfälle von rund 20 Milliarden Dollar verursachen, könnte das BIP aber binnen eines Jahres um 0,6 Prozentpunkte anheben.
Die Wirkung auf die Märkte: Konsumwerte im Höhenflug
Die Wirtschaft begrüßt eine Reform, die die Nachfrage insbesondere in den Bereichen Elektronik und verarbeitete Lebensmittel ankurbeln dürfte. Auch die Finanzmärkte reagieren positiv: Die Steuervereinfachung wird von Investoren geschätzt, und die Börse selbst wird zunehmend zu einem politischen Faktor in Indien, wo die Zahl der Privatanleger stetig steigt. Der Leitindex NIFTY 50 lag gestern zum Handelsende 1,15 % im Plus, getragen von Konsumwerten wie Maruti Suzuki (+8,7 %), Nestlé India (+6,6 %) und Hero Motocorp (+6 %).
Der indische Markt hatte im Juli unter den handelspolitischen Spannungen mit den USA gelitten. Die Stimulierung des Binnenkonsums ist nun eines der wenigen Instrumente, über die die Regierung Modi verfügt, um die negativen Folgen abzufedern. Es war bereits die dritte Gewinnsitzung in Folge für den NIFTY, der 2025 bislang ein Plus von 5,3 % aufweist – deutlich unter dem Durchschnitt der Schwellenländerbörsen.



















