US-Investoren sind nach einem verlängerten Feiertagswochenende an ihre Schreibtische zurückgekehrt. Die vergangene Woche brachte den stärksten Rückgang an der Wall Street seit Mitte November. Auslöser war weder eine Rezessionsangst noch eine Bankenkrise, sondern Zweifel – konkret die Frage, ob die Milliardeninvestitionen in KI schnell genug Gewinne generieren, um die ambitionierten Bewertungen zu rechtfertigen.
Softwareunternehmen, Brokerhäuser, Speditionen und selbst Immobilienwerte aus dem Gewerbebereich gerieten in eine breite Verkaufswelle. Der Nasdaq schloss inzwischen fünf Wochen in Folge im Minus.
Der frühe Handel am heutigen Tag spiegelt diese Unsicherheit wider. Nvidia, Microsoft und Alphabet stehen erneut unter Druck. Gleichzeitig stellte Alibaba ein aktualisiertes KI-Modell namens Qwen 3.5 vor, das komplexe Aufgaben über Text, Bild und Video hinweg eigenständig bearbeiten kann. Die in den USA gelisteten Aktien des Konzerns legten daraufhin leicht zu.
Rund drei Viertel der Unternehmen im S&P 500 haben inzwischen Quartalszahlen vorgelegt, und nahezu 75 % übertrafen die Erwartungen – deutlich über der üblichen Quote von 67 %. Je nach Berechnung lagen sogar rund 80 % mindestens im Rahmen oder darüber. Die Gewinne halten sich, doch entweder waren die Erwartungen zu hoch – oder die Bewertungen.
Etwa ein Viertel der Unternehmen steht noch aus. Die Schlussphase der Berichtssaison könnte entweder zur Stabilisierung beitragen oder die These untermauern, dass der Höhepunkt des Optimismus überschritten ist.
Bemerkenswert ist die Ankündigung von Micron, 200 Mrd. USD investieren zu wollen, um Engpässe im Bereich KI-Speicher zu beheben – ein klares Bekenntnis zur strukturellen Nachfrage nach entsprechender Infrastruktur.
Die anstehende Woche verspricht zudem mehr Klarheit bei Inflation und Wachstum. Am Freitag wird der PCE-Index veröffentlicht, das bevorzugte Inflationsmaß der Federal Reserve. Er folgt auf eine in der Vorwoche überraschend moderate Verbraucherpreisinflation, die die Erwartungen an Zinssenkungen leicht erhöhte.
An den Terminmärkten werden die Chancen für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte bis Juni inzwischen etwa mit 50 % bewertet – etwas optimistischer als noch vor einer Woche. Die Renditen von US-Staatsanleihen sind entsprechend leicht gesunken. Einige Analysten argumentieren, dass bei weiter nachlassendem Inflationsdruck sowohl Renditen als auch der US-Dollar zusätzlich nachgeben könnten.
Auch politisch gibt es Bewegung. Die Nominierung von Kevin Warsh als künftiger Fed-Vorsitzender hat Sorgen um die Unabhängigkeit der Notenbank etwas gedämpft. Eine Umfrage der Bank of America deutet jedoch darauf hin, dass seine Führung letztlich höhere Renditen und einen schwächeren Dollar bedeuten könnte.
Am Freitag richtet sich der Blick zudem auf den Supreme Court, der eine Entscheidung zu Donald Trumps Handelzöllen treffen könnte. Je nach Ausgang hat das Urteil das Potenzial, Teile der Handelsarchitektur – und damit auch Unternehmensmargen – neu zu definieren.
Abseits von Gewinnen und Inflation rückt auch die Geopolitik wieder stärker in den Fokus. Vertreter der USA und des Iran haben in Genf indirekte Gespräche über ihren langjährigen Atomstreit aufgenommen. Irans oberster Führer hat US-Bemühungen, seine Regierung zu untergraben, bereits zurückgewiesen. Die Ölpreise gaben im Vorfeld der Gespräche nach – Ausdruck eines fragilen Gleichgewichts: Eine Entspannung könnte zusätzliches Angebot auf den Markt bringen, ein Scheitern hingegen die geopolitische Risikoprämie wieder erhöhen.
Parallel beobachten Investoren von den USA vermittelte Gespräche zwischen russischen und ukrainischen Vertretern. Hinzu kommt die angespannte Lage der iranischen Binnenwirtschaft, in der angesichts der Währungsschwäche Ratenzahlungen selbst für Lebensmittel zur Normalität geworden sind. Die Energiemärkte versuchen, diplomatische Fortschritte einzupreisen – ohne deren Erfolg vorwegzunehmen.
Der Unternehmenskalender nimmt nach der Pause am Montag wieder Fahrt auf. Drei Namen stechen zum Handelsauftakt hervor: Medtronic im Gesundheitswesen, Palo Alto Networks in der Cybersicherheit und Cadence Design Systems im Softwarebereich.
Dax trotzt trüber Konjunkturstimmung und klettert wieder an die 25.000-Punkte-Marke
Der Dax hat am Dienstag nach einem durchwachsenen Auftakt deutlich zugelegt. Am Nachmittag gewann der Markt an Dynamik, nachdem die zunächst schwachen US-Börsen ihre Verluste weitgehend wettgemacht hatten. In Frankfurt stieg der Dax um 0,80 Prozent auf 24.998,40 Punkte und schob sich im Verlauf der Schlussrally zeitweise wieder über die hart umkämpfte Marke von 25.000 Punkten, die den gesamten Februar über im Fokus steht.
Auch aus charttechnischer Sicht setzte der Leitindex ein positives Signal: Er löste sich nach oben von seinem 21-Tage-Durchschnitt. Der MDax gewann 0,25 Prozent auf 31.444,33 Punkte. Die Anleger ließen die schwachen Konjunkturerwartungen für Deutschland, die das ZEW-Institut für Februar gemeldet hatte, weitgehend unbeachtet. Im Hintergrund bleibt die Frage, wie stark Künstliche Intelligenz ganze Branchen verändern kann – im Dax allerdings spielen diese Sorgen derzeit nur eine untergeordnete Rolle.























