Bei S&P Dow Jones handelt es sich bislang lediglich um einen Vorschlag, eine endgültige Entscheidung wurde noch nicht getroffen. Die Agentur veranschlagt jedoch ein potenzielles Gewicht von 0,08% für Griechenland im Index – vor Portugal, aber hinter Neuseeland.
Der Indexanbieter Stoxx Ltd. dürfte diese Integration ebenfalls im September vollziehen. Analysten von JPMorgan rechnen mit passiven Zuflüssen von nahezu einer Milliarde, sollten griechische Aktien in die Indizes Stoxx 600 und Eurostoxx aufgenommen werden.
MSCI, der meistbeachtete und zugleich strengste Indexanbieter, hat die Neueinstufung in diesem Jahr hingegen abgelehnt. Zwar lässt er die Tür für das kommende Jahr offen, doch sind die Kriterien in Bezug auf Marktkapitalisierung und Liquidität bislang noch nicht erfüllt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Aufnahme in andere Indizes und die steigende Attraktivität des Aktienmarktes diese beiden Aspekte verbessern könnten.
The Revenant
Im Jahr 2013 wurde Griechenland in die Kategorie der Schwellenländer zurückgestuft.
Seitdem wurden die öffentlichen Finanzen saniert, und heute schließt sich die Wiege der westlichen Zivilisation endlich wieder den übrigen Ländern der Eurozone in der Kategorie der entwickelten Märkte an.
Griechenland war zum Sinnbild des „kranken Mannes Europas“ geworden. Als dann die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen unter jene Frankreichs fielen, schrillten selbst bei jenen die Alarmglocken, die diese Entwicklungen nur aus der Ferne verfolgten.
Die Griechen haben sämtliche IWF-Kredite vorzeitig zurückgezahlt und zählen zu den sechs europäischen Ländern mit einem Haushaltsüberschuss. Zudem hat der griechische Aktienindex den S&P 500 in vier der vergangenen fünf Jahre übertroffen. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs in den letzten zwei Jahren schneller als jenes der Europäischen Union, und die Prognosen weisen auch für die beiden kommenden Jahre in dieselbe Richtung.
Trotz dieser Fortschritte steht die griechische Wirtschaft weiterhin vor mehreren Herausforderungen: Die Arbeitslosigkeit liegt noch über dem europäischen Durchschnitt, die Stundenproduktivität zählt zu den niedrigsten in der EU, das Verhältnis von Schulden zu BIP liegt weiterhin bei rund 150%, und beim BIP pro Kopf rangiert das Land auf Platz 24 von 27 innerhalb der EU.
ATHEX
Der griechische Index umfasst fünf Large Caps mit einer Marktkapitalisierung von jeweils über 10 Milliarden Euro sowie 21 Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung zwischen 1 und 10 Milliarden Euro.
Die größte Marktkapitalisierung weist der Abfüller Coca-Cola Hellenic auf. Es folgen vier Banken, die den Rest der Top 5 bilden. Diese Institute stehen für 2026 bei Analysten von Morgan Stanley, HSBC und JPMorgan hoch im Kurs. Die großen Investmentbanken verweisen auf ihre Unterbewertung gegenüber europäischen Vergleichswerten – trotz einer deutlichen Verbesserung der Fundamentaldaten.
Allerdings haben diese Banken eine ähnliche Entwicklung wie ihre europäischen Pendants durchlaufen und im Jahr 2025 sehr starke Kursgewinne erzielt. Ihr Kurs-Buchwert-Verhältnis hat sich endlich dem Wert von 1 angenähert, wie bei den meisten europäischen Banken. Ihr Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt jedoch weiterhin unter dem anderer Banken.
Damit ist auch der ETF MSCI Greece zu erwähnen, in dem Banken mit 73,5% gewichtet sind. Dieser weist auf Jahressicht eine Performance von 80% auf.
Er wird ergänzt durch Marktführer in ihren jeweiligen Segmenten: OPAP (Glücksspiel), Public Power Corp (Stromversorger), JUMBO (Spielwarenhandel in Osteuropa) sowie Hellenic Telecommunications (Telekommunikation).
Doch an der Athener Börse gibt es noch mehr zu entdecken. So ist etwa der Energiesektor im Index gut vertreten. Das Land will dank seiner strategischen Lage zu einem Energie-Hub werden.
Trotz aller positiven Signale, die diese Neueinstufung impliziert, dürften die kurzfristigen Effekte begrenzt bleiben. Zum einen, weil MSCI, auf den allein rund zwei Drittel der passiven Kapitalströme entfallen, Griechenland in diesem Jahr nicht in seine Indizes aufnehmen wird. Zum anderen, weil die von den Indexanbietern vorgesehene sehr geringe Gewichtung kaum ausreichen dürfte, um das schwindende Interesse risikoorientierter Investoren zu kompensieren.

















