Die wichtigste Stütze für den Dollar bleibt aktuell der Ölpreis. Der Anstieg der Energiepreise schürt höhere Inflationserwartungen und zwingt die US-Notenbank zu einer abwartenden Haltung. Jerome Powell hat dies klar formuliert: Die Geldpolitik sei restriktiv genug, um den Schock ohne unmittelbare Reaktion zu absorbieren. In diesem Umfeld wurden Zinssenkungserwartungen nach hinten verschoben, während Erwartungen weiterer Erhöhungen rasch verschwanden – ein insgesamt unterstützendes Umfeld für den Dollar.

Allerdings ist dieser Rückenwind fragil. Der Anleihemarkt sendet zunehmend differenziertere Signale. Nach einer Phase steigender Renditen infolge des Ölpreisschocks zeigen die langfristigen Zinsen Anzeichen einer Stabilisierung oder sogar eines Rückgangs. Historisch deutet ein solches Muster auf eine allmähliche Verschiebung vom Inflations- hin zum Wachstumsrisiko hin. Mit anderen Worten: Der Markt beginnt zu antizipieren, dass der Energieschock eher die Konjunktur belastet, als sich dauerhaft in der Inflation zu verfestigen.

Gleichzeitig bleiben die wirtschaftlichen Fundamentaldaten robust. Der Konsum in den USA hält sich, der Arbeitsmarkt zeigt keine größeren Risse, und die Aktivitätsindikatoren befinden sich weiterhin im expansiven Bereich. Diese Resilienz begrenzt die Nachfrage nach dem Dollar als sicherem Hafen und verhindert eine deutlichere Aufwertung.

Der entscheidende Faktor bleibt damit exogen: der Verlauf des Konflikts – und vor allem die Entwicklung des Ölpreises. Solange Rohöl um oder über 100 Dollar notiert, behält der Dollar über den Zins- und Erwartungskanal einen Aufwärtsbias. Eine glaubwürdige Deeskalation hingegen, begleitet von einem nachhaltigen Rückgang der Ölpreise, könnte diese Dynamik rasch umkehren und die Erwartungen von Zinssenkungen wiederbeleben.

Unterm Strich befindet sich der Dollar derzeit nicht in einem klaren Trendregime. Er schwankt zwischen zwei gegenläufigen Kräften: Inflation und Wachstum. Und wie so oft in solchen Konstellationen dürfte letztlich eine einzige Variable den Ausschlag geben – der Ölpreis.

Aus technischer Sicht bewegt sich der Dollar-Index weiterhin in einem engen Korridor zwischen 99,00 und 100,55 Punkten. Wir erwarten nach wie vor einen Ausbruch nach oben, der die seit Jahresbeginn laufende Aufwärtsbewegung in Richtung 101,10 bis 101,57 vollenden dürfte. Dies würde sich in einer letzten Abwärtsbewegung des EUR/USD unter 1,1665 niederschlagen, mit einem Zielbereich von 1,1315 bis 1,1290, bevor eine erneute Aufwärtsbewegung einsetzt.