Das Monatsende wird vom Risiko einer Ansteckung auf den Anleihemärkten ausgehend von Japan dominiert, das bislang begrenzt bleibt, aber aufmerksam verfolgt werden sollte. Dies geschieht in einem Umfeld, in dem Aktien mittelfristig unterstützt bleiben und in dem Währungen – insbesondere Yen und Dollar – zunehmend zu wichtigen Frühindikatoren für globalen Stress werden, umso mehr nach dem von der japanischen Zentralbank am vergangenen Freitag beschlossenen Status quo. Die Normalisierung der Geldpolitik in Japan führt zu einem raschen Anstieg der Renditen japanischer Staatsanleihen (JGB), mit ersten Anzeichen einer Übertragung auf Bundesanleihen und US-Treasuries. Die zu beobachtenden Schwellen sind klar definiert: ein Bund 10Y über 3 % und ein US 10Y über 5 % wären klare Signale für globalen Stress.

Quelle: Bloomberg

Am Vorabend einer systemischen Krise ?

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine unmittelbar bevorstehende systemische Krise, doch erhöhte Wachsamkeit ist angebracht. Wir raten dazu, die weiteren Entwicklungen genau zu verfolgen, ohne in Panik zu verfallen – zumindest solange die globalen Renditen ihre langfristigen Widerstandsniveaus nicht überschreiten.

Die Auswirkungen auf die Aktienmärkte entsprechen eher einer technischen Verschnaufpause als einer Trendwende, trotz einer Stressphase zu Beginn der vergangenen Woche nach den Ankündigungen des US-Präsidenten. Die mittelfristige Ausrichtung bleibt somit weiterhin positiv.

Yen und Zins-Spread

Quelle: Bloomberg

In den vergangenen Jahren war die Entwicklung des JPY (weiß) eng mit der Zinsdifferenz zwischen der Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen und jener der zehnjährigen japanischen Anleihen (blau) korreliert. Seit Mitte 2025 ist jedoch eine Entkopplung zu beobachten: Der Yen setzt seinen Abwärtstrend fort, obwohl sich der Zinsabstand verengt. Für dieses Phänomen lassen sich sechs Erklärungsfaktoren anführen:

  • Der Markt blickt auf reale Zinsen, nicht auf nominale Zinsen
  • Die BoJ wird als „hinter der Kurve“ wahrgenommen
  • Der JPY-Carry-Trade ist nicht tot, sondern verändert seine Struktur
  • Der Schock am JGB-Markt führt zu Kapitalabflüssen aus Japan, nicht zu einer Yen-Stärkung
  • Japanische Institutionen exportieren weiterhin Kapital
  • Der FX-Markt fokussiert sich auf das „Bruchrisiko“, nicht auf die Konvergenz

Wann würde der Yen wirklich aufwerten ?

Der JPY würde sich abrupt aufwerten, falls eines der folgenden Szenarien eintritt:

  • Globales Risk-off-Szenario (Abwicklung des Carry-Trades)
  • Glaubwürdiger und rascher Anstieg der japanischen Realzinsen
  • Koordinierte Intervention von BoJ / MoF / Fed
  • Globaler Stress, der eine Rückführung japanischen Kapitals erzwingt

Aus technischer Sicht ist USDJPY letztlich am Widerstand bei 159,25 gescheitert und hat die erste Unterstützung bei 158,85 nach unten durchbrochen, was eine Phase der Yen-Erholung markiert. Die nächsten Kursziele liegen bei 154,60 (derzeit in der Erprobung) und anschließend bei 151,65/35. Insgesamt hat der US-Dollar in der vergangenen Woche deutlich an Boden verloren, was sich auch im EURUSD widerspiegelt, der seine Hochs vom vergangenen Sommer bei 1,1920 erneut getestet hat. Ein nachhaltiger Ausbruch über dieses Niveau dürfte eine neue, mehrmonatige Abwärtsbewegung des US-Dollars auslösen. Ein erstes Unterstützungsniveau ist bei 1,1790 zu beobachten.