Das beherrschende Thema bleibt der Iran. Die Verhandlungen scheinen auf ein Interimsabkommen zuzusteuern, das die Wiederöffnung der Straße von Hormus ermöglichen würde. Mehrere US-amerikanische, pakistanische und iranische Vertreter haben erklärt, dass ein entsprechender Text nahezu fertiggestellt sei. Diese Aussicht sorgte Ende vergangener Woche für eine deutliche Entspannung am Ölmarkt und löste gleichzeitig eine Erholung bei Anleihen, Gold und den globalen Aktienmärkten aus.

Diese Entwicklung ist besonders wichtig, da sich die Inflationslage in den USA weiter verschlechtert. Der Verbraucherpreisindex (CPI) liegt inzwischen bei 4,2 % gegenüber dem Vorjahr und damit auf dem höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Allein die Energiepreise waren für nahezu 60 % des monatlichen Preisauftriebs verantwortlich; die Energiekosten stiegen binnen Jahresfrist um 23,5 %. Der Erzeugerpreisindex (PPI) folgt demselben Trend und legte um 6,5 % gegenüber dem Vorjahr zu. Mit anderen Worten: Der Ölpreisschock schlägt nun vollständig auf die offiziellen Inflationsdaten durch.

Unter anderen Umständen hätten diese Zahlen wahrscheinlich eine deutlich stärkere Marktkorrektur ausgelöst. Doch die US-Wirtschaft zeigt weiterhin bemerkenswerte Widerstandskraft. Die Redbook-Einzelhandelsumsätze steigen um 9,1 % gegenüber dem Vorjahr, das GDPNow-Modell der Federal Reserve Bank von Atlanta signalisiert ein Wachstum von rund 3,3 %, das Kreditvolumen der Banken wächst um 7,7 % und die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe bleibt historisch niedrig. Die These eines abrupten Einbruchs am Arbeitsmarkt lässt sich damit immer schwerer aufrechterhalten.

Genau das bringt die Federal Reserve zunehmend in eine schwierige Lage. Der Markt betrachtet die Juni-Sitzung als ersten echten Härtetest für Fed-Chef Kevin Warsh. Zwar wird keine Zinserhöhung erwartet, doch die Wahrscheinlichkeit, dass die Notenbank ihren bisher eher lockeren Grundton aufgibt, ist hoch. Nach der Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank und der Aussicht auf einen weiteren Zinsschritt der Bank of Japan rechnen Investoren mit einer deutlich wachsameren Fed im Umgang mit Inflationsrisiken.

Dennoch verhalten sich die Märkte nicht so, als stünde eine Rezession unmittelbar bevor. Sowohl Nebenwerte als auch mittelgroße Unternehmen haben neue Höchststände erreicht. Auch der gleichgewichtete S&P 500 markierte Rekorde, unterstützt von Unternehmensgewinnen, die weiterhin mit mehr als 20 % wachsen.

Das vorherrschende Narrativ bleibt daher die Entspannung geopolitischer Risiken und nicht eine Abschwächung der Wirtschaft. Sollte tatsächlich ein Abkommen zur Straße von Hormus unterzeichnet werden, könnte der Rückgang der Ölpreise die Inflationssorgen rasch lindern und den Fokus der Märkte wieder auf Gewinne und Wachstum lenken. Andernfalls dürfte die Inflation das größte Risiko für die zweite Jahreshälfte bleiben.

Aus technischer Sicht bleibt der US-Dollar-Index in der Nähe eines wichtigen Widerstandsbereichs zwischen 100,64 und 101,15 Punkten gefangen, der angesichts der jüngsten geopolitischen Entwicklungen zunehmend schwer zu überwinden scheint. Auf der Unterseite liegt eine erste kurzfristige Unterstützung bei 99,30 Punkten, gefolgt von 98,95 Punkten. Beim EUR/USD-Paar richtet sich der Blick auf die Marke von 1,1640. Ein Ausbruch darüber dürfte die seit April laufende Korrekturbewegung beenden.

Im übrigen Währungsmarkt nähert sich USD/JPY mit 160,70 dem Hoch von Ende April, während USD/CHF unter 0,8040 bleibt – idealerweise als Ausgangspunkt für eine Fortsetzung der Dollar-Schwäche. Unter den rohstoffnahen Währungen hat der australische Dollar das erste Kursziel bei 0,7020 erreicht, bleibt jedoch unter Druck, solange die Widerstandsmarke von 0,7100 nicht überwunden wird.