Berlin, 22. Jan (Reuters) - Der deutsche Online-Handel ist 2025 etwas stärker gewachsen als erwartet - und dies vor allem durch Impulse von umstrittenen Billiganbietern aus China.
Der Bruttoumsatz mit Waren stieg um 3,2 Prozent auf 83,1 Milliarden Euro und übertraf die Prognose von plus 2,5 Prozent, wie der Branchenverband bevh am Donnerstag mitteilte. Der Umsatz mit digitalen Dienstleistungen wie Reisen, Flügen und Kinotickets wuchs sogar um 7,3 Prozent auf 14,4 Milliarden Euro. Für dieses Jahr rechnet der Verband mit 3,8 Prozent Wachstum im Waren-Geschäft. Anbieter aus China wie Temu, Shein und Aliexpress sichern sich derweil immer größere Stücke vom Kuchen. Jede 15. Bestellung im Internet wird bei einer der großen Plattformen aus Asien gemacht. Vom Wachstum des gesamten E-Commerce mit Waren entfiel 2025 laut bevh 30 Prozent auf den Zuwachs chinesischer Plattformen.
"Der Online-Handel ist ein seltener Lichtblick in der deutschen Wirtschaft", sagte bevh-Präsident Gero Furchheim. Die Menschen konsumierten auch in unsicheren Zeiten - und dies digital. Geopolitische Konflikte und die kritische Lage deutscher Schlüsselindustrien schränkten jedoch ein stärkeres Wachstum ein. "Insgesamt wird der E-Commerce sich aber deutlich besser entwickeln als der traditionelle Einzelhandel."
Die Kauflaune der Verbraucher zeigte sich dabei robust. So blieb der Anteil der sogenannten Vielkäufer stabil. Gut jeder dritte Kunde in Deutschland bestellte durchschnittlich zweimal wöchentlich oder öfter Waren online. Der Bestellwert stieg im Schnitt um rund zwei Euro auf 146,19 Euro.
Besonders stark legten die Umsätze mit Medikamenten (6,0 Prozent), Lebensmitteln (5,5 Prozent) und Tierbedarf (5,0 Prozent) zu. Auch die für die Branche wichtigen Bereiche Mode sowie Möbel und Dekoration verzeichneten ein deutliches Plus. Der Handel mit Elektronik und Telekommunikation wuchs mit 1,4 Prozent hingegen unterdurchschnittlich.
SORGE UM FAIREN WETTBEWERB DURCH TEMU UND SHEIN
Eine wesentliche Verschiebung zeigte sich bei den Vertriebswegen. Am stärksten wuchsen die Umsätze auf Online-Marktplätzen wie Amazon oder Ebay mit 4,9 Prozent. Einen überproportionalen Anteil daran hatten Plattformen chinesischer Herkunft wie Shein, Temu und AliExpress. Ihr Umsatz kletterte um 27,2 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Die EU will allerdings die Flut von Billig-Paketlieferungen dieser Anbieter eindämmen und damit gegen mangelnde Qualitätsstandards vorgehen. Ab Juli 2026 soll für jedes in der Europäischen Union eingeführte Paket mit einem Warenwert von bis zu 150 Euro eine Abgabe von drei Euro gelten.
Dieses sogenannte Handling Fee könnten Anbieter aber umgehen, wenn sie sich im deutschen Markt etablierten, sagte bevh-Expertin Alien Mulyk. Dazu könnte es kommen, wenn die asiatischen Firmen Logistikzentren aufmachten und die Importe nicht mehr Einzelsendungen wären, sondern Container-Lieferungen im großen Stil. Dies wiederum würde dem Zoll eine bessere Kontrolle ermöglichen, hieß es. Eine Verbands-Umfrage zeigte, dass sich viele Verbraucher - trotz negativer Medienberichte - bewusst für einen Kauf bei Temu oder Shein entscheiden.
Künstliche Intelligenz beim Online-Shopping spielt derzeit noch keine große Rolle. Der bevh betonte, KI-Plattformen dürften sich nicht zu übermächtigen Playern am Markt entwickeln. Die Branche würde sich aber freuen, wenn durch die KI mehr Vielfalt bei der Internetsuche entstehe, sagte bevh-Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer. "Denn mit Google haben viele Händler ein Verhältnis eher der Hassliebe in vielen Bereichen."
(Bericht von Klaus Lauer, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



















