Nach Einschätzung der Deutschen Bank könnte diese „Rückkehr der Geschichte“ den Anteil von Gold an den globalen Währungsreserven der Zentralbanken wieder auf mindestens 40 % steigen lassen – gegenüber knapp 30 % heute. Gleichzeitig weist die Bank darauf hin, dass der Anteil des USD an diesen Reserven bereits von über 60 % zu Beginn der 2000er Jahre auf rund 40 % gesunken ist, während sich der Goldanteil seit seinen Tiefständen verdreifacht hat.

Der wichtigste Treiber dürfte aus den Schwellenländern kommen. Seit der Finanzkrise 2008 haben deren Zentralbanken mehr als 225 Mio. Feinunzen Gold zugekauft. China, Russland, Indien und die Türkei zählen weiterhin zu den größten Haltern, doch die Deutsche Bank betont die zunehmende Verbreiterung dieses Trends auf Länder wie Polen, Kasachstan, Saudi-Arabien, Katar, Ägypten oder die Vereinigten Arabischen Emirate. Sowohl in Osteuropa als auch im Nahen Osten wurde ein erheblicher Teil der Goldreserven erst seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs aufgebaut.

Nach Ansicht der Bank folgt dieser institutionelle Goldhunger in erster Linie einer Logik der finanziellen Sicherheit. Das Einfrieren russischer Reserven in USD und EUR im Jahr 2022 habe Staaten eindrücklich vor Augen geführt, dass klassische Reserveaktiva anfällig für Sanktionen sein können. Gold hingegen lässt sich im Inland lagern und ist nicht an das Zahlungsversprechen eines Emittenten gebunden. Die Deutsche Bank stellt zudem fest, dass Schwellenländer mit engeren militärischen Beziehungen zu China und Russland im Durchschnitt höhere Goldbestände halten als Staaten, die stärker in den westlichen Block integriert sind.

Den Simulationen der Deutschen Bank zufolge könnte Gold selbst dann auf nahezu 8.000 USD je Unze steigen, wenn die Devisenreserven der Schwellenländer von derzeit rund 8.000 Mrd. USD auf 5.000 Mrd. USD zurückgingen – vorausgesetzt, diese Zentralbanken würden einen Goldanteil von 40 % an ihren Gesamtreserven anstreben.

Die Bank betont jedoch, dass es sich hierbei nicht um eine offizielle Prognose, sondern um ein analytisches Szenario handelt. Die Stoßrichtung ist dennoch eindeutig: Gold wird zunehmend nicht nur von Investorennachfrage oder Zinserwartungen bestimmt, sondern fungiert auch als Gradmesser für das Vertrauen in die vom USD dominierte internationale Währungsordnung. Die weitere Entwicklung dürfte daher ebenso von den Käufen der Zentralbanken in den Schwellenländern abhängen wie von der geopolitischen Lage und der künftigen Rolle des USD im Welthandel.