Ende vergangener Woche kündigte der US-Präsident an, die Zölle auf Autos und Lastwagen aus der Europäischen Union in den kommenden Tagen von bislang 15 % auf 25 % anheben zu wollen. Donald Trump begründet dies damit, dass das Handelsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der EU nicht eingehalten werde.
Der Präsident stellte jedoch klar, dass keine Zölle anfallen würden, „wenn sie Autos und Lastwagen in Fabriken in den Vereinigten Staaten produzieren“, und fügte hinzu: „Zahlreiche Auto- und Lkw-Werke befinden sich derzeit im Bau, mit Investitionen von über 100 Mrd. USD – ein REKORD in der Geschichte der Fahrzeugproduktion.“
All Invest Securities geht davon aus, dass die Auswirkungen für Renault (+0,47 %), das nicht auf dem US-Markt vertreten ist, begrenzt bleiben dürften. Auch für Stellantis (-0,26 %), dessen Produktion für den US-Markt überwiegend in Nordamerika angesiedelt ist, wird der Effekt als relativ moderat eingeschätzt.
Deutschland in der ersten Reihe
Anders stellt sich die Lage laut dem französischen Finanzdienstleister für deutsche Hersteller und Zulieferer dar, die als besonders exponiert gelten. Volkswagen (-1,46 %) stehe „an vorderster Front“, da ein erheblicher Teil der Fahrzeuge – insbesondere von Porsche und Audi – in die USA exportiert wird. Auch Mercedes-Benz (-2,01 %) und BMW (-1,95 %) wären betroffen, „trotz bestehender Produktionskapazitäten vor Ort, da ihr Modell eine Mischung aus lokaler Fertigung und Importen aus Europa umfasst“, so die Analysten. Auch Zulieferer geraten unter Druck: Continental verliert 4,41 % und verzeichnet damit den größten Rückgang im DAX 40.
All Invest Securities betont zudem, dass die Zollanhebung über die kurzfristigen Effekte hinaus den Anreiz verstärkt, die Produktion in die USA zu verlagern, da lokal gefertigte Fahrzeuge von den Maßnahmen nicht betroffen sind – wie Donald Trump selbst hervorhob. Dies könnte Investitionen in den Vereinigten Staaten beschleunigen, zulasten der industriellen Basis in Europa.
Vor diesem Hintergrund ruft der deutsche Automobilverband zur Deeskalation auf und warnt vor hohen Kosten für die europäische Industrie sowie negativen Auswirkungen für US-Verbraucher. Eine Erhöhung der Zölle von 15 % auf 25 % könnte laut dem Kieler Institut die deutsche Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozentpunkte verringern.
Kiel analysiert die Folgen
Nach Einschätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts könnten die Produktionsverluste in Deutschland kurzfristig rund 15 Mrd. Euro betragen und langfristig auf bis zu 30 Mrd. Euro steigen. Auch andere europäische Länder mit bedeutenden Automobilindustrien wie Italien, Schweden oder die Slowakei dürften spürbare Einbußen verzeichnen.
Zugleich bleibt die Europäische Union insgesamt der wichtigste Absatzmarkt für deutsche Autoexporte, während die Vereinigten Staaten das größte einzelne Zielland darstellen – noch vor China und dem Vereinigten Königreich.



















