Das italienische Finanzministerium hat am späten Donnerstag die Wiederernennung von Claudio Descalzi für eine fünfte Amtszeit als CEO des staatlich kontrollierten Energiekonzerns Eni vorgeschlagen. Damit festigt er seine Position als dienstältester CEO eines westlichen, börsennotierten Ölmultis.

Seine neue Amtsperiode bei Eni beginnt im Mai, nachdem seine Nominierung auf der Hauptversammlung des Konzerns, bei der die italienische Regierung das Sagen hat, bestätigt wurde.

Der 71-jährige Descalzi hat seine Karriere innerhalb des italienischen Energiekonzerns als Experte für Upstream und Exploration mit Schwerpunkt Afrika aufgebaut.

Kein anderer CEO unter den westlichen börsennotierten Ölkonzernen ist länger im Amt als Descalzi, der Eni seit Mai 2014 leitet, wenngleich Patrick Pouyanné von TotalEnergies, der im Oktober 2014 CEO wurde, ihm dicht auf den Fersen ist.

Im Gegensatz dazu wurde beim europäischen Konkurrenten BP mit Meg O'Neill in diesem Monat bereits der fünfte CEO innerhalb von sechs Jahren ernannt.

Allerdings blieb die Performance der Eni-Aktie seit Descalzis Amtsantritt hinter der von TotalEnergies, Exxon, Chevron und Shell zurück.

Eni sah sich zudem massiver und wiederholter Kritik von Umweltgruppen wie Greenpeace und ReCommon ausgesetzt. Grund ist das Engagement des Konzerns im Bereich fossiler Brennstoffe und deren Beitrag zur globalen Erwärmung, die nach Ansicht der Organisationen sowohl gegenwärtig als auch zukünftig Schäden verursacht.

"Die Kontinuität im Management von Eni stellt angesichts des komplexen geopolitischen Kontextes und der starken Erfolgsbilanz einen positiven Faktor dar", kommentierte der italienische Broker Equita. Als Descalzis Verdienste wurden die Stärkung des Upstream-Geschäfts, ein pragmatischer Ansatz zur Dekarbonisierung sowie der Aufbau neuer Geschäftsbereiche hervorgehoben.

Unter Descalzi forcierte Eni die Ausgliederung von Geschäftsteilen in Joint Ventures und eigenständige Unternehmen, wie etwa das norwegische Geschäft in Vaar, Teile der afrikanischen Einheiten in Azule und die Sparte für erneuerbare Energien in Plenitude.

Anschließend öffnete er diese Unternehmen für Industriepartner und Investmentfirmen, was es Eni ermöglichte, einen Teil des für deren Entwicklung erforderlichen finanziellen Aufwands auf finanzstarke Partner zu übertragen.

Descalzi sah sich zusammen mit Eni, Shell sowie einigen ehemaligen und aktuellen Führungskräften einem Prozess wegen mutmaßlicher Korruption im Zusammenhang mit dem nigerianischen Tiefsee-Ölfeld OPL 245 ausgesetzt. Alle Beteiligten, die jegliches Fehlverhalten bestritten hatten, wurden jedoch 2021 freigesprochen.

Zu den neuen Projekten, an denen Eni arbeitet, gehören ein Joint Venture in Fernost mit der malaysischen Petronas sowie der Start eines Flüssigerdgas-Projekts in Argentinien.