Intel ist der jüngste Profiteur dieser Entwicklung. Der Konzern, lange als „alternder Onkel“ der Chipindustrie belächelt, überraschte mit KI-getriebenen Ergebnissen. Die Aktie sprang deutlich an (+24 %) und steuert auf einen möglichen Rekordgewinn zu.

Auch der deutsche Softwarekonzern SAP (+4,7 %) sendete aus einer anderen Perspektive ein ähnliches Signal. Die Aktie legte zu, nachdem das Unternehmen ein weiterhin stark wachsendes Cloud-Geschäft präsentierte. Der Cloud-Auftragsbestand stieg währungsbereinigt um 25 % und lag damit leicht über den Erwartungen. Dies folgt auf eine Phase, in der Softwarewerte unter Druck geraten waren, da Investoren befürchteten, KI könnte den Wert klassischer Unternehmenssoftware schmälern. Die Zahlen von SAP deuten darauf hin, dass Kunden sich vorerst nicht von bestehenden Systemen abwenden. Stattdessen versuchen sie, KI darauf aufzusetzen – in der Hoffnung, dass daraus kein teurer Aktenschrank mit eigener Meinung wird.

Die Struktur des KI-Investments im Jahr 2026 bleibt ungewöhnlich. Zunächst dominierten die offensichtlichen Gewinner: Microsoft, Alphabet und andere Hyperscaler mit ausreichend Kapital, Daten und Rechenleistung, um KI von einer Demo zu einem globalen Geschäftsmodell zu machen. Danach rückten die Zulieferer in den Fokus – die Phase von Nvidia und Broadcom. Anschließend die Zulieferer der Zulieferer: ASML, TSMC, Applied Materials. Es folgten die indirekten Profiteure: Serverhersteller, Rechenzentrumsbetreiber, Anbieter von elektrischer Infrastruktur, Versorger, Speicherchip-Hersteller und Netzwerkausrüster. Mit anderen Worten: KI hat sich von einer Produktgeschichte zu einer Infrastrukturstory entwickelt. Daher fällt zunehmend der Begriff „Superzyklus“.

Der Begriff wird zwar häufig überstrapaziert, ist aber nicht bedeutungslos. Ein echter wirtschaftlicher Superzyklus benötigt zwei Voraussetzungen: Größe und Dauer. An der Größenordnung bestehen kaum noch Zweifel. Die Investitionen sind enorm. Rechenzentren, Chips, Energieinfrastruktur, Netzwerktechnik, Cloud-Plattformen – das ist kein kurzfristiger Trend, der aus Marketingbudgets finanziert wird. Die entscheidende Frage ist die Dauer. Dreieinhalb Jahre nach dem Durchbruch von ChatGPT rollt die Investitionswelle weiterhin. Ob sie jedoch lange genug anhält, um die aktuellen Bewertungen zu rechtfertigen, bleibt offen.

Oracle zeigt, warum hier Risiken bestehen. Der massive Rechenzentrumsdeal mit OpenAI – im Umfang von rund 300 Mrd. USD – stößt auf Finanzierungsprobleme. Banken tun sich Berichten zufolge schwer, die Kredite zu syndizieren, da sie ihre Risikolimits bereits weitgehend ausgeschöpft haben. Der KI-Boom benötigt Chips, Energie, Flächen, Kühlung, Strom – und vor allem viel Fremdkapital.

Hinzu kommen gesellschaftliche Kosten, die an den Märkten bislang kaum eingepreist sind. Meta hat kürzlich einen Einblick gegeben, wie sich die Arbeitswelt verändern könnte: Menschen trainieren und überwachen KI-Systeme, die langfristig ihre eigenen Aufgaben ersetzen könnten. In der gesamten Technologiebranche werden Stellenstreichungen sichtbarer. Nike, obwohl kein Tech-Konzern, baut ebenfalls rund 1.400 Stellen ab, etwa 2 % der Belegschaft. Die zentrale Botschaft ist klar: Unternehmen versuchen weiterhin, ihre Margen zu schützen – selbst während Investoren Wachstum feiern.

Derzeit ist der KI-Superzyklus stärker als seine Nebenwirkungen. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Nebenwirkungen nicht existieren. Softwarewerte wurden bereits von der Sorge getroffen, dass KI Geschäftsmodelle untergraben könnte, die lange als stabil galten. Ganze Branchen müssen sich fragen, ob ihre Markteintrittsbarrieren jemals wirklich existierten – oder lediglich bequem waren. Der Markt ist sich dessen bewusst, entscheidet sich aber, darüber hinwegzusehen, weil die Kapitalströme in die KI-Infrastruktur größer, lauter und attraktiver erscheinen.

Unterdessen steigt der Ölpreis den fünften Tag in Folge, mit Brent über 105 USD je Barrel, da der Konflikt im Nahen Osten die Märkte weiter belastet. Ein dritter US-Flugzeugträger ist in der Region eingetroffen, was Donald Trump zusätzlichen militärischen Spielraum verschafft, um die Blockade iranischer Häfen durchzusetzen und mögliche Angriffe wieder aufzunehmen. Berichte über ein von einem US-Zerstörer verfolgtes iranisches Schiff verdeutlichen die Fragilität der Lage.

Unternehmensseitig hat das chinesische KI-Labor DeepSeek Vorschauversionen seines mit Spannung erwarteten V4-Modells vorgestellt und spricht von deutlichen Fortschritten im Bereich des agentischen Codings. Das Modell dient intern bereits als Standard-Coding-Agent und schneidet laut Unternehmen im Nutzungserlebnis im Vergleich zu führenden westlichen Modellen gut ab, liegt jedoch bei komplexeren Denkprozessen noch zurück. Der KI-Wettlauf verlangsamt sich nicht – und er ist längst kein rein kalifornisches Phänomen mehr.

Avis Budget geriet unterdessen massiv unter Druck und brach nach einem zweitägigen Kurssturz deutlich ein. Boyd Gaming enttäuschte die Anleger, während Carlisle und Chemed positiv überraschten. Spirit Airlines fand sich im Zentrum einer außergewöhnlichen politisch-wirtschaftlichen Debatte wieder, nachdem Donald Trump erklärte, die Regierung könne die angeschlagene Fluggesellschaft stützen oder sogar übernehmen.