Edelstahlhersteller erscheinen stärker gefährdet, da ihr Absatzmix stark von den Sektoren Bau und Investitionsgüter geprägt ist. Insgesamt dürften Aktivitäten außerhalb Europas robuster bleiben, da der Einfluss der Energiepreise dort weniger stark ausfällt. Davon profitieren insbesondere ArcelorMittal (Nordamerika und Brasilien), SSAB (USA), Aperam (Brasilien) und Outokumpu (Nordamerika).

Darüber hinaus sieht Oddo BHF Energie vor allem für Edelstahlproduzenten als Risiko, die stark von Elektrolichtbogenöfen abhängig sind. Outokumpu (finnischer Hersteller von Edelstahl) und Acerinox (spanischer Produzent und Vertreiber von warm- und kaltgewalztem Edelstahl) erscheinen aufgrund ihrer geografischen Lage und ihrer Energieabsicherungen relativ gut geschützt, während Aperam vermutlich etwas anfälliger ist. Hersteller von Kohlenstoffstahl sind dank der Dominanz von Hochöfen und ihrer eigenen Energieerzeugung weniger exponiert.

Finanzielle Revisionen

Auf finanzieller Ebene werden die EBITDA-Schätzungen für 2026 nach unten revidiert, und zwar in einer Spanne von -2 % bis -18 %. Anbieter mit Fokus auf hochwertige Produkte und Infrastruktur, wie SSAB (schwedischer Stahlkonzern) oder Voestalpine (österreichischer Spezialist für Stahlverarbeitung), dürften sich laut Oddo BHF besser behaupten. Im Edelstahlsegment werden die Erwartungen für Aperam und Outokumpu gesenkt, während Acerinox als einziger Akteur keine Abwärtsrevision verzeichnet. Die Kursziele des Brokers werden angepasst, insbesondere unter Berücksichtigung höherer gewichteter Kapitalkosten (WACC).

„Nach dem starken Anstieg der Aktienkurse und Bewertungen im Jahr 2025 sind die Stahlunternehmen naturgemäß anfällig für das aktuelle Umfeld. Die derzeitigen Bewertungen von durchschnittlich rund 5x EBITDA auf Sicht der nächsten zwölf Monate (gegenüber 5,5x vor einem Monat) basieren auf Konsensschätzungen, die vermutlich noch etwas zu optimistisch sind. Daraus ergibt sich ein weiteres Abwärtspotenzial von etwa 1x auf Basis historischer Tiefzyklen“, betont Oddo BHF.

Vor diesem Hintergrund fällt es dem Broker schwer, eine offensive Haltung einzunehmen. Gleichwohl geht man davon aus, dass Unternehmen mit starker Präsenz auf dem US-Markt bei anhaltender Unsicherheit besser abschneiden dürften. „Wir heben hier insbesondere SSAB und Acerinox hervor, bei denen die Senkung unserer Kursziele begrenzt bleibt. Die übrigen Akteure erscheinen risikoreicher, auch wenn ArcelorMittal und Aperam von ihrer starken internationalen Aufstellung profitieren sollten“, so Oddo BHF.

„Im Einklang mit unserer Analyse aus der vergangenen Woche sehen wir die größte Verwundbarkeit in einem möglichen Rückgang der Nachfrage. Der am stärksten gefährdete Absatzmarkt ist vermutlich der Bereich Investitionsgüter, der rund 20 % der Nachfrage nach Kohlenstoffstahl ausmacht“, ergänzt das Brokerhaus.

Auch die Automobilindustrie (etwa 30 %) und der Bausektor (rund 20 %) gelten als anfällig, während Infrastruktur und Verteidigung (etwa 15 %) robuster erscheinen. Der Absatzmix der Edelstahlhersteller wird als besonders risikobehaftet eingeschätzt, da er stark auf Bau (nahezu 50 % einschließlich Konsumgüter) und Investitionsgüter (rund 40 %) ausgerichtet ist.