Die Wall Street hat das zweite Quartal mit einem Paukenschlag beendet. Der S&P 500 legte im Quartalsverlauf um 18,22 % zu und erzielte damit seine beste Quartalsperformance seit der Erholung nach der Corona-Pandemie vor sechs Jahren. Auch der Nasdaq überzeugte mit einem spektakulären Plus von 32 % und zeigte damit, dass die Nachfrage nach Technologiewerten trotz der Diskussionen über deren Bewertung ungebrochen ist.

Der Speicher rückt in den Mittelpunkt

Die größten Gewinner im S&P 500 kamen im zweiten Quartal nicht aus dem Kreis der bekannten Tech-Schwergewichte wie Nvidia oder Microsoft. Stattdessen verzeichneten vor allem Halbleiterunternehmen die stärksten Kursanstiege.

SanDisk gewann 258 %, Micron Technology 242 %, Intel 216 %, Marvell Technology 201 % und AMD 186 %.

Die Entwicklung beschränkte sich nicht auf einzelne Aktien. Der SOX-Index, der die wichtigsten Halbleiterunternehmen umfasst, sprang um 88 % nach oben und verzeichnete damit das stärkste Quartal seiner Geschichte.

KI-Modelle benötigen nicht nur immer mehr Rechenleistung, sondern auch mehr Speicher, größere Speicherkapazitäten und leistungsfähigere Datenübertragung. Je größer die Modelle werden, desto höher fällt der Bedarf an Halbleitern aus.

Diese Entwicklung zeigt vor allem, dass die Performance des S&P 500 inzwischen nicht mehr ausschließlich von den „Magnificent Seven“ getragen wird. Das Gewinnwachstum der übrigen Unternehmen im S&P 500 erreichte im zweiten Quartal 20,5 %.

Quelle: LPL Research, Bloomberg

KI schafft nicht nur Gewinner

Während die Anbieter von KI-Infrastruktur kräftig zulegen, bleiben zahlreiche Softwareunternehmen, Dienstleister und zyklischere Industrieunternehmen außen vor. Intuit gehörte mit einem Kursverlust von 40 % zu den schwächsten Werten des Quartals. Zoetis verlor 39 %, Accenture 37 % und LyondellBasell knapp 35 %.

Der Markt belohnt Unternehmen, die unmittelbar von den Investitionen in Rechenzentren profitieren, während Geschäftsmodelle, die als anfälliger gelten, abgestraft werden.

Hohe Erwartungen

Für Investoren bleibt die Logik klar: Solange die großen Technologiekonzerne Milliarden in Rechenzentren investieren, werden die Zulieferer dieser Infrastruktur davon profitieren.

Allerdings steigen damit auch die Erwartungen an die kommenden Quartale. Der Analystenkonsens rechnet für die Unternehmen des S&P 500 im zweiten Quartal mit einem Gewinnwachstum von rund 23 %, wobei die Technologiebranche erneut den größten Beitrag leisten soll.

Die Märkte für Speicher- und Speicherlösungen bleiben jedoch zyklisch. Sollten die Preise nachgeben, die Bestellungen zurückgehen oder die großen Cloud-Anbieter ihre Investitionen vorübergehend zurückfahren, könnte die außergewöhnliche Rally zum Stillstand kommen – oder sich zumindest deutlich abschwächen.