Der Brent-Ölpreis notiert unter 90 Dollar pro Barrel, nachdem eine turbulente Phase ihn zu Wochenbeginn kurzzeitig in die Nähe von 120 Dollar getrieben hatte. Dieser Rückgang konnte die Nervosität etwas dämpfen. Dazu beigetragen hat auch ein Bericht, wonach die Internationale Energieagentur (IEA) eine rekordhohe Freigabe strategischer Ölreserven erwägt, um die Märkte zu beruhigen. Sollte es dazu kommen, wäre die Maßnahme größer als die Notfallfreigaben nach Russlands Invasion in der Ukraine im Jahr 2022.

Das ist deshalb wichtig, weil Öl derzeit nahezu alles andere beeinflusst. Es prägt die Erwartungen der Investoren hinsichtlich Inflation, Zinsen, Konsum, Transportkosten und sogar der politischen Entwicklung. Der Fokus für heute ist daher klar: den Ölpreis beobachten, den Inflationsbericht für Februar analysieren und verfolgen, ob es den politischen Entscheidungsträgern gelingt, einen größeren wirtschaftlichen Schock zu verhindern.

Unter normalen Umständen wäre der US-Verbraucherpreisbericht das zentrale Ereignis des Tages. Die heute Morgen veröffentlichten Daten zeigen, dass die Verbraucherpreise im Februar gegenüber dem Vormonat um 0,3 % gestiegen sind, während die Kerninflation – ohne Lebensmittel und Energie – um 0,2 % zulegte. Beide Werte entsprechen den Erwartungen. Auf Jahressicht lag die Gesamtinflation bei 2,4 %, die Kerninflation bei 2,5 %, ebenfalls im Rahmen der Prognosen. Das deutet darauf hin, dass der Inflationsdruck weiterhin relativ begrenzt ist und sich der Zielmarke der US-Notenbank weiter annähert – ohne eine unangenehme Überraschung nach oben.

Doch die aktuellen Bedingungen sind alles andere als normal. Mehrere Analysten haben es unterschiedlich formuliert, aber im Kern dieselbe Botschaft vermittelt: Entscheidend ist nicht, wie sich die Inflation im vergangenen Monat entwickelt hat, sondern welche Auswirkungen höhere Energiepreise in den kommenden Monaten haben könnten.

Deshalb haben sich auch die Erwartungen hinsichtlich möglicher Zinssenkungen der Federal Reserve bereits verschoben. Händler, die zuletzt noch mit einer Zinssenkung im Juli gerechnet hatten, halten nun eher einen Schritt im September für wahrscheinlich. Die Sorge ist klar: Wenn steigende Ölpreise Benzin- und Transportkosten in die Höhe treiben, könnte die Inflation hartnäckig bleiben, selbst wenn sich das Wachstum abschwächt. Damit stünde die Fed vor einem klassischen Dilemma – zwischen Inflationsbekämpfung und Konjunkturstützung, ohne eine wirklich schmerzfreie Option.

Der Druck ist inzwischen keineswegs nur theoretisch. Die Dieselpreise in den USA verzeichneten laut Regierungsdaten gerade den stärksten wöchentlichen Anstieg aller Zeiten: plus 96 Cent pro Gallone. Für Spediteure, Einzelhändler, Industrieunternehmen und letztlich auch Verbraucher sind das schlechte Nachrichten. Diesel ist keine abstrakte Größe aus der Welt der Finanzmärkte. Er bestimmt die Kosten dafür, reale Güter quer durch ein reales Land zu transportieren. Wenn dieser Preis so stark steigt, schlägt sich Inflation oft genau dort nieder, wo Menschen sie unmittelbar spüren – und nicht nur dort, wo Ökonomen sie prognostizieren. Vorerst halten sich die Aktienmärkte allerdings besser, als man erwarten könnte.

Die US-Aktienfutures liegen leicht im Minus, aber nur moderat. Der VIX, das Angstbarometer der Wall Street, ist wieder über die Marke von 20 gestiegen – ein Signal für Nervosität, aber noch keine Panik. Die Renditen von US-Staatsanleihen ziehen leicht an. Der Dollar bewegt sich insgesamt kaum. Gold gibt nach einem vorherigen Anstieg etwas nach. Kupfer fällt, da Industriemetalle empfindlich auf Turbulenzen im Energiesektor reagieren, während Aluminium wegen Angebotsrisiken und sinkender Lagerbestände an den Börsen zulegt.

Die Stimmung kann sich inzwischen beinahe stündlich ändern, weil der Nachrichtenfluss eine enorme Bedeutung bekommen hat. Donald Trump erklärt, der Krieg mit dem Iran könnte bald enden – Öl fällt, Aktien steigen. Dann kommen Zweifel auf, und beide Bewegungen kehren sich wieder um. Der US-Energieminister meldet, ein eskortierter Tanker habe die Straße von Hormus passiert – der Markt entspannt sich. Das Weiße Haus relativiert die Aussage – die Anspannung kehrt zurück. Von klassischer Preisfindung zu sprechen fällt schwer, wenn die Märkte eher an kollektiven Schleudertrauma leiden.

Dennoch gibt es Gründe, warum der Markt bisher nicht eingebrochen ist. Einer davon ist die Aussicht auf politische Interventionen. Die mögliche Freigabe strategischer Reserven durch die IEA hat zumindest etwas Vertrauen geschaffen, dass Regierungen nicht tatenlos zusehen werden, falls der Ölpreis außer Kontrolle gerät.

Ein weiterer Grund für die relative Stabilität ist, dass Investoren weiterhin in anderen Bereichen nach positiven Signalen suchen – insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz. Oracle sorgte für Auftrieb, nachdem das Unternehmen seine Umsatzprognose anhob und erklärte, die Nachfrage nach Cloud-Infrastruktur für KI-Anwendungen übersteige weiterhin das Angebot. Die Aktie legte im vorbörslichen Handel deutlich zu, und auch Halbleiterwerte wie Nvidia, Broadcom und AMD konnten leicht zulegen.

Das mag nach einer separaten Geschichte klingen, ist es aber nicht. In einem derart angespannten Markt suchen Investoren verzweifelt nach Belegen dafür, dass zumindest ein Teil der Wirtschaft weiterhin Dynamik besitzt. Oracle lieferte genau dieses Signal. Das Unternehmen erklärte, der KI-Boom werde voraussichtlich bis mindestens 2027 anhalten. Gleichzeitig teilte es mit, KI intern auch zur Automatisierung und zum Ersatz bestimmter Arbeitsplätze einzusetzen – eine effiziente Entwicklung, wenn man eine Tabellenkalkulation ist, aber deutlich weniger erfreulich, wenn man ein Mensch ist.

Auch andere Unternehmenszahlen werden heute genau beobachtet, um ähnliche Hinweise zu erhalten. Campbell’s veröffentlicht Ergebnisse und versucht, einen Rückgang der Umsätze zu stoppen. Sprinklr und UiPath werden daraufhin analysiert, wie sich Unternehmenssoftware im KI-Bereich entwickelt. Nike erhielt zusätzlich Unterstützung durch eine Analystenhochstufung.

Auch die Politik erleichtert die Situation an den Märkten nicht gerade. Trump deutet an, der Krieg gegen den Iran sei beinahe gewonnen, doch Berichte legen nahe, dass die USA und Israel nicht vollständig übereinstimmen, wann der Konflikt enden sollte oder wie ein Ende überhaupt aussehen würde. Für die Vereinigten Staaten ist ein kurzer Konflikt entscheidend, um eine breitere Inflationswelle zu vermeiden. Iran hingegen hat durchaus ein Interesse daran, den Druck möglichst lange aufrechtzuerhalten.

Über Nacht schlossen die asiatischen Märkte überwiegend im Plus, unterstützt durch Oracle und Hoffnungen auf ein Eingreifen der IEA. Japan, Festlandchina, Australien, Taiwan und Südkorea legten zu, während Hongkong und Indien schwächer tendierten. Europa notiert heute hingegen im Minus, obwohl es gestern eine kräftige Erholung gegeben hatte. Diese Mischung sagt viel über die aktuelle Stimmung aus. Investoren sind weiterhin bereit, Kursrückgänge zu kaufen – aber sie vertrauen ihnen nicht wirklich.

Die Märkte haben sich so sehr daran gewöhnt, nach Schocks schnell wieder zu steigen, dass Widerstandsfähigkeit inzwischen als Beweis dafür interpretiert wird, dass alles unter Kontrolle ist. Dahinter steckt womöglich die Annahme, dass irgendjemand eingreifen wird – den Ölpreis beruhigt, die Inflation stabilisiert und verhindert, dass dieser Krieg wirtschaftlich zu teuer wird.

Vielleicht geschieht genau das. Vielleicht greift die IEA ein. Vielleicht beruhigt sich der Konflikt. Vielleicht liefern Oracle und der KI-Sektor weiterhin genügend gute Nachrichten, um die schlechten zu überlagern.

Die Gefahr besteht jedoch in der Selbstzufriedenheit. Der Markt dürfte deutlich stärker unter Druck geraten, wenn aus Schlagzeilen tatsächlich höhere Energiekosten, verzögerte Zinssenkungen, sinkende Margen und zunehmender Druck auf die Haushalte werden.

Nahost-Sorgen bremsen Dax – Rheinmetall und Henkel unter Druck

Die Anleger bleiben am Mittwoch wegen der angespannten Lage im Nahen Osten vorsichtig. Nach der Erholung vom Vortag geriet der Dax zeitweise erneut deutlich unter Druck und verlor zwischenzeitlich fast zwei Prozent. Gegen Mittag konnte der Leitindex die Verluste jedoch begrenzen und notiert aktuell bei 23.692 Punkten noch -1,15 Prozent im Minus. Der MDax gab ähnlich stark auf 29.481 Zähler nach, während der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 zuletzt rund ein halbes Prozent verlor.

Auf Unternehmensseite sorgten mehrere Geschäftszahlen für deutliche Kursbewegungen. Besonders negativ fiel die Reaktion auf die Ergebnisse von Rheinmetall und Henkel aus: Die Aktien verloren 6,6 bzw. 4,2 %. Experten kritisierten in beiden Fällen ein enttäuschendes Abschneiden im vergangenen Jahr. Beim Rüstungskonzern Rheinmetall vermochte selbst das im Zuge des Rüstungsbooms erwartete Wachstum die Anleger nicht mehr zu überzeugen. Nach den starken Kursanstiegen der Vorjahre haben die Titel 2026 Mühe, sich im Plus zu behaupten. Auch Henkel büßte einen Großteil seines Jahresgewinns ein, nachdem die Aktie bereits in den letzten Tagen unter Druck gestanden hatte. SAP verlor zudem 1,9 % und konnte nicht davon profitieren, dass der US-Konkurrent Oracle seine hohen Investitionen in KI-Infrastruktur erfolgreich in Umsatzwachstum ummünzen konnte.

Im MDax fiel die Reaktion auf Unternehmensnachrichten teilweise freundlicher aus. Die Aktien der Porsche AG setzten ihre Erholung vom Vortag fort und legten um 1 % zu – ein Zeichen dafür, dass Anleger selbst auf schwächere Nachrichten inzwischen gelassener reagieren. Auch Wacker Chemie profitierte von optimistisch aufgenommenen Unternehmenszielen und gewann 5,8 %. Dagegen standen Lufthansa mit einem Minus von fast 3 % wegen Streikankündigungen der Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit sowie Delivery Hero, dessen Aktien nach einer negativen Einschätzung der Bank of America fast 2 % nachgaben, unter Druck. Gerresheimer sackten ebenfalls um 4 % ab, da der Verpackungshersteller seinen Geschäftsbericht wegen laufender Bilanzprüfungen erst nach dem 31. März vorlegen kann und damit voraussichtlich aus dem SDax ausscheiden muss. Positiv stachen dagegen Vossloh hervor, die nach einer Kaufempfehlung von Kepler Cheuvreux um 3,5 % zulegten.