„Ach, der März ist ein schöner Monat, der Monat der Überraschungen.“ Ob viele Finanzmarktteilnehmer dem französischen Dichter Alfred de Musset beim „schönen“ Teil zustimmen würden, darf bezweifelt werden - doch in puncto Überraschungen trifft die Zeile ins Schwarze. Man könnte sogar sagen, der Monat sei zum Inbegriff der Dissonanz geworden, mit widersprüchlichen Signalen aus allen Richtungen.
Zunächst der geopolitische Lärm.
Donald Trump erklärt laut Axios bereits zum zwölften Mal in 30 Tagen, der Konflikt mit Iran stehe kurz vor dem Ende. Donald Trump droht, die kritische Infrastruktur des Landes zu pulverisieren. Donald Trump signalisiert seinen Beratern laut Wall Street Journal, er sei bereit, den Krieg zu beenden, ohne die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Benjamin Netanjahu wiederum erklärt, die militärischen Ziele seien bereits zur Hälfte erreicht - wenn auch nicht die zeitliche Dimension des Konflikts. Jede neue Stellungnahme erschüttert weiterhin den Ölmarkt, jedoch nicht ausreichend, um die Preise nachhaltig unter 100 Dollar zu drücken: WTI liegt bei 101 Dollar, Brent bei 114 Dollar. Berichte des Wall Street Journal in der Nacht kompensierten lediglich die Auswirkungen eines iranischen Drohnenangriffs auf einen kuwaitischen Tanker im Hafen von Dubai. Das ist der Nebel des Krieges. Die Nebelmaschine des Weißen Hauses scheint auf Dauerbetrieb festzuhängen – und niemand findet den Ausschalter. Zugleich ist Trump ein Pragmatiker und kennt die politischen wie wirtschaftlichen Kosten, die entstehen, wenn die Zeit gegen ihn arbeitet. Die Schwierigkeit besteht nun darin, einen glaubwürdigen Ausweg zu finden.
Die gleiche Verwirrung prägt die Geldpolitik.
Binnen drei Monaten haben sich die Märkte von der Erwartung sinkender Zinsen zu Spekulationen über Zinserhöhungen gedreht. In den USA sorgte Jerome Powell über Nacht für etwas Beruhigung, indem er Investoren daran erinnerte, dass die Federal Reserve bei Angebotsschocks – insbesondere bei steigenden Ölpreisen – kaum Einfluss hat. Anders gesagt: Höhere Zinsen senken den Ölpreis nicht. Händler strichen daraufhin ihre Wetten auf eine Zinserhöhung bis Jahresende nahezu vollständig. In Europa hingegen gehen Investoren weiterhin davon aus, dass die EZB ihre Geldpolitik in den kommenden Monaten mehrfach straffen muss. In gewisser Weise hat die Straffung bereits begonnen. In jedem Fall ändert der Markt derzeit täglich seine Einschätzung – weil ihm die Orientierung fehlt.
Auch rund um das Thema KI herrscht ein ähnliches Grundrauschen.
Künstliche Intelligenz bleibt ein starkes Investmentthema. Doch wird sie auch zu einer nachhaltigen Quelle für Wachstum und breite Gewinne? Der Markt beginnt daran zu zweifeln, und einige ehemalige Lieblinge werden bereits geopfert. Micron hat binnen einer Woche 20 % verloren. Dennoch bleibt Luft nach unten, wenn man bedenkt, dass sich die Aktie in drei Jahren verfünffacht hat. Nvidia liegt seit Jahresbeginn 12 % im Minus und 22 % unter dem Hoch vom 30. Oktober. Das entspricht einem vernichteten Börsenwert von 1,144 Billionen Dollar – in etwa so viel wie die gesamte Marktkapitalisierung der drei größten börsennotierten Unternehmen Europas: ASML, Roche und AstraZeneca. Paradoxerweise gehören Micron und Nvidia keineswegs zu den am stärksten überbewerteten Titeln im Technologiesektor – eher im Gegenteil. Das macht die aktuelle Bewegung umso schwerer interpretierbar.
Hinzu kommen die Marktreaktionen auf all diese Faktoren.
Der Nasdaq 100 ist in den vergangenen neun Sitzungen lediglich zweimal gestiegen. Gestern verlor er weitere 0,78 %, während der in die Jahre gekommene Dow Jones trotzig um 0,2 % zulegte. Europa hält sich besser – obwohl es an vorderster Front des kurzfristigen Ölschocks steht. Dennoch liegt der STOXX Europe 600 auf Monatssicht 8 % im Minus. Gestern sorgten Hoffnungen auf eine Deeskalation im Nahen Osten für ein Plus von 1 %. Vier positive Sitzungen von neun sind besser als beim Nasdaq, zeichnen aber weiterhin ein fragiles Bild. Entscheidend ist nun, ob die Ölpreise nachgeben. In diesem Fall dürfte auch ein Teil des übrigen Lärms abklingen.
Zudem steht heute ein umfangreicher makroökonomischer Datenkalender an. China setzte über Nacht den Ton mit stärker als erwarteten Aktivitätsdaten für das verarbeitende Gewerbe im März. Vorerst scheint Peking abzuwarten, ohne sich allzu stark zu exponieren. In der englischsprachigen Presse ist zu lesen, dass die Verstrickung der USA China in die Hände spielt – eine Einschätzung, die nicht ganz von der Hand zu weisen ist.
Im asiatisch-pazifischen Raum scheinen Anleger inzwischen nicht mehr bereit zu sein, weiter an der Seitenlinie zu verharren, auch wenn Australien am Morgen ein Plus von 0,25 % verzeichnete. Schwäche bei mehreren KI-bezogenen Aktien belastete Taiwan (-2,4 %) und Südkorea (-3,8 %). Japan gab um 0,6 % nach, während Festlandchina und Hongkong jeweils rund 0,1 % verloren. Indien bleibt aufgrund eines Feiertags geschlossen. Die US-Futures deuten auf Gewinne hin – in der Hoffnung, dass Donald Trump die notwendigen Zugeständnisse für eine Waffenruhe macht. Europa präsentiert sich hingegen uneinheitlicher, während der Angstindex VIX weiterhin über 30 liegt – ein klares Signal für außergewöhnlich hohe Nervosität an den Märkten.
Wirtschaftliche Höhepunkte:
Auf dem Programm heute: die Sitzungsprotokolle der RBA in Australien; die NBS Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor in China; die Wohnungsbaubeginne in Japan; im Vereinigten Königreich, die Nationwide Immobilienpreise MoM und YoY sowie die Leistungsbilanz; in Deutschland, die Einzelhandelsumsätze MoM und YoY gefolgt von den Arbeitslosenzahlen; in Frankreich, die vorläufigen Inflationsraten YoY und MoM; in der Eurozone, die vorläufigen Inflationsraten YoY und MoM; in Italien, die vorläufigen Inflationsraten YoY und MoM; in Kanada, das vorläufige BIP MoM; in den Vereinigten Staaten, der S&P/Case-Shiller Hauspreisindex YoY, der Chicago PMI, die JOLTs Stellenangebote, das CB Verbrauchervertrauen und die Reden von Fed-Mitgliedern Goolsbee und Barr sowie die API-Rohölbestandsänderung. Die gesamte Agenda gibt es hier.
- EUR / USD: 1,15 $
- Gold: 4.559,32 $
- Rohöl (Brent): 107,31 $
- Anleihe Vereinigte Staaten 10 Jahre: 4,32 %
- BITCOIN: 67.350 $
In den Nachrichten:
- SoftwareOne kehrte 2025 in die Gewinnzone zurück und erzielte einen bereinigten Jahresgewinn von 89,6 Millionen Franken, ein Anstieg um 23%.
- Energiekontor steigerte 2025 den Gewinn um mehr als 80% auf 41 Millionen Euro und verdoppelte die Dividende auf 1 Euro je Aktie.
- Romande Energie verdreifachte 2025 den Gewinn auf 80,1 Millionen Franken, trotz eines Umsatzrückgangs von 5%.
- Norma bestätigte die vorläufigen Zahlen für 2025, verzeichnete jedoch einen Nettoverlust von mehr als 108 Millionen Euro und plant eine Kapitalherabsetzung.
- VAT senkte wegen Lieferkettenproblemen die Umsatzprognose für das erste Quartal 2026 auf 215 Millionen Franken, bestätigte aber den Jahresausblick.
- Suss Microtec erwartet für 2026 einen Umsatzrückgang auf 425 bis 485 Millionen Euro und eine niedrigere EBIT-Marge von 8 bis 10%.
- Siemens AG will laut Reuters ihre Sparten Digital Industries und Smart Infrastructure im Rahmen der Strategie „One Tech Company“ in kleinere Einheiten aufteilen.
- Deutsche Bank wird von einem früheren Manager auf mindestens 624 Millionen Dollar Schadenersatz verklagt, berichtet Bloomberg.
- Unilever steht kurz vor einer Fusion mit McCormick im Volumen von 60 Milliarden Dollar. Dabei sollen die Lebensmittelgeschäfte beider Unternehmen zusammengelegt werden.
- HgCapital Trust hat seine Beteiligung an der Geomatikk Group verkauft. Die Investition wurde mit 20,4 Millionen Pfund bewertet.
- Rolls-Royce wurde von Fitch von BBB+ auf A- hochgestuft. Begründet wurde dies mit einer verbesserten Finanzlage.
- RTW Biotech meldete für 2025 einen Anstieg des Nettoinventarwerts je Aktie um 35% und schnitt damit besser ab als mehrere Biotech-Indizes.
- GSK teilte mit, dass das Asthmamittel Exdensur zugelassen wurde und das Hepatitis-B-Medikament Bepirovirsen in China zur Prüfung angenommen wurde.
- UBS könnte bei den regulatorischen Kapitalanforderungen von einem Kompromiss profitieren, berichtet die Financial Times.
- AB Volvo wird exklusiver Vertriebspartner von Lynk in Europa.
- Aena gewann die Ausschreibung für den Flughafen Galeão in Rio mit einem Gebot von 552 Millionen Dollar.
- Eni bekommt laut Bloomberg voraussichtlich erneut Claudio Descalzi als Vorstandschef.
- DHL baut ihre Luftfrachtkapazitäten mit neuen Routen zwischen Europa und Asien aus.
- Holcim schließt die Übernahme von Cementos Pacasmayo ab.
- Merck & Co erreichte mit seiner Cholesterintherapie den primären Endpunkt in einer direkten Vergleichsstudie.
- Chevron meldete schwere Sturmschäden an der Wheatstone-LNG-Anlage in Australien.
- Meta testet laut TechCrunch ein kostenpflichtiges Premium-Abonnement auf Instagram.
- KKR verkauft laut Berichten Atlantic Aviation für 10 Milliarden Dollar an Apollo.
- SpaceX prüft laut Reuters, Robinhood und SoFi beim Börsengang auszuschließen, während die Broker über ihre Beteiligung verhandeln.
Weitere Nachrichten von Unternehmen, die in Deutschland notiert sind, finden Sie hier.
Analystenempfehlungen:
- Oc Oerlikon Corporation Ag: Oddo BHF hält an seiner neutralen Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von CHF 3,20 auf CHF 3,30.
- Beiersdorf: Jefferies hält an seiner Halte-Empfehlung fest und senkt das Kursziel von 88 auf 86 EUR.
- Givaudan Sa: Berenberg stuft von kaufen auf halten mit einem von 3580 CHF auf 2915 CHF reduzierten Kursziel.
- Vonovia Se: Barclays hält an seiner Untergewichtung fest und reduziert das Kursziel von 24 auf 23 EUR.
- Jenoptik Ag: Berenberg hält an seiner Kaufempfehlung fest und erhöht das Kursziel von 31 auf 32 EUR.
- Galderma Group Ag: Berenberg hält an seiner Kaufempfehlung fest und erhöht das Kursziel von CHF 187 auf CHF 200.
- Adecco Group Ag: BNP Paribas hält an einer neutralen Empfehlung fest und senkt das Kursziel von CHF 23,50 auf CHF 20.
- Sonova Holding Ag: Oddo BHF hält an seiner neutralen Empfehlung fest und senkt das Kursziel von CHF 250 auf CHF 210.
- Rheinmetall Ag: Citi gibt eine neutrale Empfehlung mit einem Kursziel von 1480 EUR ab.
- Suss Microtec Se: UBS hält an seiner Kaufempfehlung fest und senkt das Kursziel von 60 EUR auf 55 EUR.
- Swatch Group: UBS hält an seiner Verkaufsempfehlung fest und erhöht das Kursziel von CHF 90 auf CHF 95.
- Clariant Ag: Goldman Sachs hält an seiner Verkaufsempfehlung fest und senkt das Kursziel von CHF 8 auf CHF 7,50.























