Der Wettlauf um SpaceX-Aktien spielte sich nicht ausschließlich an der Wall Street ab. Die Kryptobranche hat das stark überzeichnete Angebot weit über traditionelle Brokerkonten hinaus geöffnet und Nutzern Zugang über Perpetual Futures, synthetische Vermögenswerte und durch reale Aktien besicherte tokenisierte Wertpapiere verschafft.
Natürlich bieten die meisten dieser Produkte weder Dividenden noch Stimmrechte oder einen direkten Anspruch auf Vermögenswerte von SpaceX. Viele sind aufgrund der unklaren regulatorischen Lage zudem nicht in den USA verfügbar. Dennoch ist die Leichtigkeit, mit der gewöhnliche Kryptonutzer die traditionellen Gatekeeper der Wall Street umgehen und Zugang zu begehrten Anlageprodukten erhalten können, beispiellos.
Wie Kryptonutzer Zugang zu Aktienkursen erhalten
Der Versuch der Kryptobranche, Aktien auf die Blockchain zu bringen, ist nicht neu. Bereits 2018 führte der DeFi-Pionier Synthetix synthetische Versionen von Aktien, Indizes, Rohstoffen und Währungspaaren ein. Nutzer konnten dadurch an Kursbewegungen partizipieren, ohne die zugrunde liegenden Vermögenswerte tatsächlich zu besitzen. Das Modell erzeugte jedoch nicht genügend Handelsvolumen, sodass Synthetix ab 2021 begann, viele dieser Aktien-Synths schrittweise einzustellen. Heute konzentriert sich das Protokoll ausschließlich auf Perpetual Futures für Kryptowährungen.
Ironischerweise ist die Nachfrage nach synthetischen Aktienengagements inzwischen zurückgekehrt. Vor fast einem Jahr bot Robinhood seinen Kunden in Europa Token an, die an SpaceX und OpenAI gekoppelt waren. Das Unternehmen erklärte, es handele sich dabei um „tokenisierte Verträge, die deren Kursentwicklung nachbilden und auf einer Blockchain erfasst werden“.
Eine weitere Möglichkeit, über Krypto an der Entwicklung von SpaceX zu partizipieren, bieten Perpetual Futures. Anfang Juni führte Coinbase ein Perpetual-Futures-Produkt für Unternehmen vor ihrem Börsengang (IPO) ein. Damit können Händler auf die Bewertung eines Unternehmens spekulieren, bevor dessen Aktien offiziell an die Börse kommen. Das Produkt ist derzeit nicht für Nutzer in den USA verfügbar – allerdings „vorerst nur“, wie Coinbase-Chef Brian Armstrong auf X erklärte. Coinbase kündigte zudem an, weitere Vor-IPO-Listings aus den Bereichen Technologie, Künstliche Intelligenz, Energie und Raumfahrt „in Kürze“ vorzustellen.
Perpetual Futures, kurz „Perps“, ermöglichen es Händlern, über Long- oder Short-Positionen auf die Kursentwicklung eines Vermögenswertes zu setzen, ohne diesen direkt zu besitzen. Im Gegensatz zu klassischen Futures-Kontrakten besitzen sie kein Verfallsdatum und eignen sich daher für längerfristige Engagements.
Der bislang ambitionierteste Versuch, die Welten von Aktien und Kryptowährungen miteinander zu verbinden, erfolgte im Mai 2025, als Payward, die Muttergesellschaft von Kraken, xStocks auf den Markt brachte. Die in mehr als 100 Ländern verfügbaren xStocks sind tokenisierte Aktien, die im Verhältnis 1:1 durch reale Wertpapiere gedeckt werden, die von einem regulierten Verwahrer gehalten werden. Anders als synthetische Produkte ist jeder Token durch eine zugrunde liegende Aktie besichert. Allerdings erhalten Inhaber in der Regel keine klassischen Aktionärsrechte wie Stimmrechte.
Trotz dieses vielversprechenden Ansatzes geriet xStocks ausgerechnet bei einem seiner wichtigsten Praxistests ins Straucheln: dem Börsengang von SpaceX. Die enorme Nachfrage legte die Grenzen des Modells offen, da xStocks nicht genügend Aktien für alle beteiligten Handelsplattformen beschaffen konnte. Bybit, Binance und Bitget mussten Kundenzuteilungen stornieren und vollständige Rückerstattungen vornehmen. Binance kündigte zusätzlich an, SpaceX-Aktien im Wert von 1 Mio. US-Dollar über bStocks, die neu gestartete Plattform für tokenisierte Wertpapiere des Konzerns, zu verteilen.
Dennoch sind SpaceX-Aktien inzwischen unter dem Kürzel SPCXx auf xStocks sowie zahlreichen angeschlossenen Kryptoplattformen handelbar. Nach Angaben von xStocks verwaltete der Dienst bereits zum 16. Juni tokenisierte Vermögenswerte im Wert von mehr als 500 Mio. US-Dollar.
Tokenisierte Aktien erreichen 20 Mrd. US-Dollar Handelsvolumen
Trotz gelegentlicher operativer Rückschläge gewinnen tokenisierte Aktien weiter an Dynamik. Wie The Kobeissi Letter hervorhebt, erlebt der Handel mit tokenisierten Vermögenswerten derzeit einen historischen Boom. Allein in den vergangenen 30 Tagen wurden tokenisierte Aktien im Wert von 4,3 Mrd. US-Dollar On-Chain gehandelt – das höchste monatliche Volumen seit Einführung dieses Marktsegments und ein Anstieg von mehr als 140 % seit Jahresbeginn.
Am 15. Juni, unmittelbar nach dem Börsengang von SpaceX, überschritt das 24-Stunden-Spotvolumen tokenisierter Aktien auf Solana erstmals die Marke von 100 Mio. US-Dollar. Solana dominierte den Handel mit tokenisierten SpaceX-Aktien und erreichte zeitweise einen Marktanteil von 99 % des Volumens über alle Blockchains hinweg. Die dezentrale Börse Jupiter entwickelte sich gemessen am Handelsvolumen zur führenden Plattform für tokenisierte SpaceX-Aktien.
Durch diesen Schub stieg das kumulierte Transfervolumen von On-Chain-tokenisierten Aktien erstmals in der Geschichte über die Marke von 20 Mrd. US-Dollar.
Die Tokenisierung gewinnt damit weiter an Fahrt, und die nächste Phase dieser Annäherung zwischen Kapitalmarkt und Blockchain zeichnet sich bereits ab. Im März kündigte die Nasdaq eine Partnerschaft mit Payward, der Muttergesellschaft von Kraken, zur Entwicklung tokenisierter Aktien an, die ein „programmierbares Anleger-Engagement“ ermöglichen sollen. Das Projekt soll in der ersten Hälfte des Jahres 2027 starten und Prozesse wie Kapitalmaßnahmen, die Interaktion mit Aktionären sowie Stimmrechtsvertretungen modernisieren.






















