Frankfurt, 03. Jun (Reuters) - Der anhaltende Krieg im Nahen Osten hat die Stimmung am europäischen Aktienmarkt zur Wochenmitte getrübt. Der Dax verlor bis zum Mittag 0,9 Prozent auf 24.893 Punkte. Der EuroStoxx50 fiel um 0,4 Prozent auf 6084 Zähler. "Immer wieder kommt es zu gegenseitigen militärischen Angriffen, was die Ölpreise wieder in Richtung der 100-Dollar-Marke steigen lässt", sagte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst von CMC Markets. "Die Situation im Nahen Osten bleibt fragil, und die Finanzmärkte müssen jederzeit mit neuem Gegenwind rechnen."
Im Kontrast dazu hält die KI-Euphorie an den internationalen Aktienmärkten an. Angeführt von Kursgewinnen bei Halbleiterwerten überflog der Tokioter Leitindex Nikkei erstmals die Schallmauer von 68.000 Punkten. Als nächster Test für den KI-getriebenen Höhenflug der Wall Street gelten die Quartalszahlen von Broadcom, die nach US-Börsenschluss erwartet werden.
ÖLPREISE STEIGEN DRITTEN TAG IN FOLGE
Am Ölmarkt schwanden die Hoffnungen auf einen Durchbruch im Konflikt zwischen den USA und dem Iran und damit auf eine baldige Wiederöffnung der Straße von Hormus. Die Sorte Brent aus der Nordsee und US-Öl WTI verteuerten sich um je zwei Prozent auf 98,05 und 96,08 Dollar je Barrel (159 Liter). In der Nacht griff das US-Militär nach eigenen Angaben als Reaktion auf iranische Raketenangriffe eine Militärstellung auf einer iranischen Insel an.
Der im Zuge des Konflikts steigende Preisdruck hinterlässt in der Konjunktur seine Spuren. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) der Eurozone erreichte im Mai mit 48,5 Punkten ein 18-Monats-Tief. Der ISM-Index und die Zahlen zu den privaten Beschäftigungszahlen aus den USA werden am Nachmittag erwartet.
MODEHÄNDLER IM AUFWIND - GEPLATZTE ÜBERNAHME BELASTET AKZO
Schlechte Nachrichten kamen vom Schweizer Finanzplatz: Nach der Begrenzung von Rücknahmen eines milliardenschweren Private-Equity-Fonds sackten die Aktien des Vermögensverwalters Partners Group um 17 Prozent ab und waren damit auf Kurs zum größten Tagesverlust der Firmengeschichte. Der europäische Finanzdienstleistungssektor<.SXFP verzeichnete mit einem Minus von 1,7 Prozent die größten Branchenverluste. Im vorbörslichen US-Handel gerieten die Aktien von Finanzinvestoren wie KKR, Blackstone und Carlyle unter Druck. Investoren befürchten, dass private Kredit- und Beteiligungsgesellschaften zu stark in mittelständischen Unternehmen engagiert sind, die anfällig für Störungen durch aufkommende KI-Modelle sind.
Zerstörte Übernahmehoffnungen setzten AkzoNobel zu. Die Aktien stürzten um rund 19 Prozent ab, nachdem die Konkurrenten Nippon Paint und Sherwin-Williams ihr Werben um den niederländischen Farben- und Lackhersteller aufgaben.
Die Zara-Mutter Inditex überzeugte die Anleger mit einem starken Start in den Sommer. Im Mai legten die währungsbereinigten Erlöse um 11,5 Prozent zu und übertrafen damit die Erwartungen von Analysten. Die Aktien gewannen mehr als fünf Prozent. Auch der britische Modehändler Debenhams punktete mit einem gestiegenen Bruttowarenvolumen (GMV) im ersten Quartal. Die Aktien hoben um 23 Prozent ab. Im Dax lagen die Papiere von Zalando mit einem Aufschlag von 1,9 Prozent auf einem der vorderen Plätze.
HOCHTIEF KÖNNTE IN DIE ERSTE BÖRSENLIGA AUFRUTSCHEN
Der Baukonzern Hochtief könnte Indexexperten zufolge erstmals in den Dax aufsteigen. Hochtief profitiert vor allem in den USA massiv vom Bau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. Die Aktien haben in den vergangenen zwölf Monaten rund 190 Prozent zugelegt und lagen am Mittwoch 1,1 Prozent im Plus.
Aktien von Suss Microtec stiegen im Kleinwerteindex SDax um 5,2 Prozent auf ein Rekordhoch von 98,85 Euro. Der Chip-Ausrüster gilt als heißer Aufstiegskandidat für den Nebenwerteindex MDax. Experten zufolge könnte die Online-Apotheke Redcare Pharmacy ihren Platz in dem Auswahlindex räumen. Die Indexentscheidung der Deutsche-Börse-Tochter ISS Stoxx wird gegen 20.00 Uhr erwartet.
(Bericht von Anika Ross, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)


















