Frankfurt, 10. Mrz (Reuters) - Die Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende in Nahost verleiht dem Dax Flügel. Angesichts eines deutlichen Rückgangs beim Ölpreis ist der deutsche Leitindex am Dienstag um bis zu 2,7 Prozent auf 24.045 Punkte in die Höhe geschnellt, der EuroStoxx50 legte drei Prozent zu. "Dass der Ölpreis nachgibt, nimmt Druck vom Kessel", sagt Timo Emden von Emden Research. "Für die Börsen ist das ein klares Signal zum Durchatmen - der Startschuss für eine Erleichterungsrallye könnte nun gefallen sein." Ausgelöst wurde die Kehrtwende nach den zuletzt herben Kursverlusten durch US-Präsident Donald Trump. Dieser hatte angedeutet, dass der Krieg der USA und Israels gegen den Iran bald abgeschlossen sein könnte.
Trump sagte am Montag in einem Interview mit CBS News, dass er den Krieg gegen den Iran "für so gut wie beendet" halte und dass Washington seinem ursprünglich geschätzten Zeitrahmen von vier bis fünf Wochen "sehr weit voraus" sei. Insidern zufolge erwägt der US-Präsident zudem Maßnahmen zur Marktberuhigung. Dazu könnten eine Lockerung der Ölsanktionen gegen Russland sowie die Freigabe strategischer Reserven gehören.
Das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI verbilligten sich am Dienstag in der Spitze um rund elf Prozent auf 88,05 beziehungsweise 84,43 Dollar je Fass. Zu Wochenbeginn waren die Notierungen des schwarzen Goldes wegen der Furcht vor Versorgungsengpässen bis auf 119,50 Dollar je Fass geschossen, den höchsten Stand seit Mitte 2022. Der rasante Preisanstieg von zeitweise mehr als 60 Prozent seit Beginn des Krieges Ende Februar schürte Konjunktur- und Inflationssorgen. Der Dax kommt seit vergangenen Montag auf ein Minus von gut fünf Prozent.
GEFAHR FÜR DIE MÄRKTE NOCH NICHT GEBANNT
Doch noch ist die Gefahr für die Börsen nicht gebannt. "US-Präsident Trump mag den Krieg einseitig für nahezu beendet erklären, doch die Frage bleibt, ob der Iran derselben Meinung ist", warnte Jochen Stanzl von der Consorsbank. "Vor allem muss nun der Beweis erbracht werden, dass die Straße von Hormus wieder sicher für die Passage von Dutzenden Tankern ist, die Öl und Gas in die Welt exportieren wollen." Durch die Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman fließt etwa ein Fünftel des weltweiten Ölangebots.
Am Devisenmarkt ließen viele Anleger die gern als sicherer Hafen angesteuerte US-Währung links liegen. Der Dollar-Index verlor bis zu 0,7 Prozent auf 98,49 Punkte. Der Euro notierte 0,2 Prozent fester bei 1,1656 Dollar. Am Montag war der Dollar-Index mit 99,695 Stellen zeitweise auf den höchsten Stand seit November 2025 gestiegen. Analysten gingen allerdings davon aus, dass der Rücksetzer beim Dollar nur von kurzfristiger Natur sein dürfte, solange sich Öltransport und Ölproduktion im gesamten Nahen Osten nicht normalisierten. Noch sei unklar, ob das iranische Regime Interesse an einer Deeskalation habe, sagte Rodrigo Catril von der National Australia Bank. Der Dollar wurde zuletzt verstärkt nachgefragt, da die USA als bedeutender Ölproduzent besser in der Lage sind, Energiepreisschocks zu verkraften als andere Regionen, die auf Importe angewiesen sind.
AIRLINES GEHEN AUF ERHOLUNGSKURS
Bei den Einzelwerten gingen nach dem Kursrutsch wegen des Ölpreisschocks die Anteilsscheine von Airlines auf Erholungskurs. Die Aktien der Lufthansa gewannen bis zu acht Prozent und waren damit größter Gewinner im MDax. Air France KLM verteuerten sich zeitweise um mehr als sieben, Ryanair um rund fünf Prozent. Zum Teil punkteten Fluggesellschaften bei Anlegern auch mit höheren Ticketpreisen. Die skandinavische Fluggesellschaft SAS teilte mit, dass sie die Preise aufgrund steigender Kerosinkosten vorübergehend erhöht habe. Auch in Fernost reagierten Airlines mit Preiserhöhungen.
Im Dax sorgten Volkswagen und Porsche für Gesprächsstoff. Trotz eines Gewinneinbruchs 2025 bei VW ging es für die Aktien des Autobauers, die seit Beginn des Iran-Krieges gut 13 Prozent verloren haben, in der Spitze 4,3 Prozent bergauf. Einem Händler zufolge machte die Bilanz Hoffnung auf leichte Fortschritte: Insgesamt zeigten die Zahlen VW im langsamen Vorwärtsgang, erklärte er. Volkswagen zufolge soll die Rendite im laufenden Jahr bei 4,0 bis 5,5 Prozent liegen. 2025 waren es 2,8 Prozent gewesen. Die Aktien der Sportwagentochter Porsche, die im Krisenjahr 2025 operativ kaum noch etwas verdiente, legten im MDax bis zu 3,3 Prozent zu. Auch sie waren im Zuge des jüngsten Ausverkaufs an den Börsen deutlich unter die Räder geraten.
(Bericht von: Daniela Pegna. Redigiert von Hans BusemannBei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
- von Daniela Pegna



















